Schrift:

navigationZur Auswahl der vorhandenen Textenavigation

Johann Agricola (Eisleben)

* 20.04.1494 - † 22.09.1566


Johann Agricola, der eigentlich Schneider oder Schnitter hieß, wurde am 20. April 1494 in Eisleben geboren. Über sein Elternhaus ist nichts bekannt. Die Schule besuchte er zuerst in Braunschweig und ab seinem zwölften Lebensjahr in Leipzig. Der damals in den gelehrten humanistischen Kreisen vorherrschenden Mode folgend latinisierte schon der Schüler seinen Namen: aus Johann Schnitter wurde Johann Agricola (lat. für Bauer).

Anschließend an den Schulbesuch studierte der junge Agricola 1509/10 in Leipzig. Nachdem er den ersten akademischen Grad, das Baccalaureat, erlangt hatte, verließ Johann die Universität und arbeitete in Braunschweig kurze Zeit als Lehrer. 1515 immatrikulierte er sich an der erst 1502 begründeten ernestinischen Landesuniversität in Wittenberg für das philosophische und das theologische Seminar. Schon 1516 war der begabte Student eng mit seinem Lehrer am theologischen Seminar, Martin Luther, befreundet. Ein Jahr später veröffentlichte Luther seine 95 Thesen in Wittenberg, und bereits 1518 hatte sich Agricola den Lehren Luthers vollkommen angeschlossen.

In den turbulenten Anfangsjahren der Reformation rückten Luther, Agricola und der 1518 an der Leucorea (Uni Wittenberg) zum Professor für Griechisch berufene Philipp Melanchthon eng zusammen. Beide, Melanchthon und Agricola, wurden 1519 zum Baccalaureus der Theologie promoviert. Im gleichen Jahr begleitete Agricola Luther als Sekretär auf die Leipziger Disputation mit dem katholischen Theologen Johannes Eck. Im Jahr darauf heiratete Agricola und wurde zum Dozenten an der Artisten-Fakultät der Universität Wittenberg berufen.

1525 verließ er plötzlich und unerwartet die Stadt in Richtung Eisleben, ohne seine Mitstreiter und Freunde zu benachrichtigen oder bei Kurfürst Johann um die erforderliche Urlaubsgenehmigung nachzusuchen. Die Motive für diese erste Flucht lassen sich nur erahnen: Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass der gefeierte Prediger und Exeget versuchte, aus dem übermächtigen Schatten der beiden zentralen Akteure des Reformationsgeschehens, Luther und Melanchton, herauszutreten.

In seiner Heimatstadt gründete er eine evangelische Lehranstalt, deren erster Rektor er war. Hier konnte er an in Wittenberg gewonnene Erfahrungen im Bibelunterricht anknüpfen. Als Schulmeister der Andreasschule und Prediger an der Nicolaikirche sollte er nun das nächste Jahrzehnt mit seiner Familie in Eisleben verbringen. Das alte Rektoratsgebäude mit einer Gedenkplatte zu Ehren Agricolas und die Nicolaikirche sind noch heute in Eisleben zu sehen.

Seine überragenden Fähigkeiten als Prediger führten ihn jedoch immer wieder aus Eisleben heraus. Als kurfürstlich-sächsischer Hofprediger nahm er an den Reichstagen in Speyer 1529 und Augsburg 1530 teil. Hier wirkte er neben Melanchthon, Jonas und Spalatin an der Ausarbeitung der "Confessio Augustana", dem Augsburger Glaubensbekenntnis, in welchem die Grundlehren der entstehenden evangelischen Kirche formuliert wurden, mit.

Wegen vermehrter Spannungen und Auseinandersetzungen, vor allem mit dem Landesherren, Grafen Albrecht von Mansfeld, gab Agricola 1536 sein Amt in Eisleben auf und nahm eine Professur in Wittenberg an. Im nächsten Jahr entstand sein bekanntestes Reformationsdrama: In der "Tragedia Johannis Hus" verarbeitete er den 1415 auf dem Konzil von Konstanz gegen den tschechischen Kirchenreformer geführten Prozess.

Ende des Jahres jedoch flammte die alte Kontroverse mit Melanchthon und nun in besonderem Maße auch mit Luther erneut auf. Vor einer gerichtlichen Untersuchung, die der Kurfürst angeordnet hatte, verließ er 1540 Wittenberg fluchtartig.

Offenbar angezogen von dem konfessionell vermittelnden Reformationsansatz unter Kurfürst Joachim II. in Brandenburg wandte er sich nun nach Berlin, wo er zum Oberhofprediger berufen wurde. Agricola stieg zum Generalsuperintendenten und Visitator der Mark Brandenburg auf. 1541 nahm er am Reichstag in Regensburg teil, nun als kurfürstlich-brandenburgischen Hofprediger. Kaiser Karl V. berief ihn 1548 auf dem Reichstag in Augsburg in die geheime Kommission aus Mitgliedern der beiden Religionsparteien, die einen Entwurf für die vorläufige Ordnung der Religionsverhältnisse erarbeiten sollte.

Die letzten zwei Jahrzehnte seines Lebens widmete Agricola seinen Ämtern in Brandenburg, ohne jedoch darauf zu verzichten, sich in aktuellen theologischen Auseinandersetzungen zu Wort zu melden. Als 1566 die Pest in Berlin wütete, ist Johann Agricola am 22. September gestorben.

Quelle: www.mdr.de


Zitate von Johann Agricola (Eisleben)

Insgesamt finden sich 27 Texte im Archiv.
Es werden maximal 5 Texte, täglich wechselnd, angezeigt.


navigationZurück zum Seitenanfang navigation