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Henryk Bereska

* 17.05.1926 - † 11.09.2005


Henryk Bereska wurde am 17. Mai 1926 in Kattowitz-Schoppinitz, Polen, geboren. Er wuchs in einer Bergarbeiterfamilie zweisprachig auf und besuchte bis 1939 polnische Schulen.

Bereska war während des Krieges Mitglied in der Hitlerjugend. 1940 leistete Bereska in der Nähe von Bunzlau seinen Reichsarbeitsdienst und hatte im Mai 1944 eine Pilotenausbildung bei der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck begonnen, diese jedoch im Mai 1945 abgebrochen. Nach kurzer amerikanischer Gefangenschaft und in den Endkriegswirren wurde er von seiner Familie getrennt. Bereska vermutete seine Familie in Deutschland, fand sie jedoch nach langer Suche in Polen wieder.

Dem Zugriff des polnischen Geheimdienstes entzog er sich, indem der gerade Zwanzigjährige 1947 endgültig nach Deutschland ging. Bereska schlug sich als Gelegenheitsarbeiter, als Schiffbauhelfer in Elsfleth und Landarbeiter in der Lausitz durch.

In den Jahren von 1947 bis 1948 absolvierte Bereska sein Abitur an der Vorstudienanstalt in Berlin. Im Anschluss begann Bereska von 1948 bis 1952 an der Berliner Humboldt-Universität Polonistik, Germanistik und Slawistik zu studieren. Bereits während des Studiums arbeitete er an der Redaktion und Übersetzung der Anthologie Mickiewicz.

Von 1953 bis 1955 arbeitete er als Lektor für polnische Literatur beim Aufbau-Verlag. Die politische und literarische Enge des Staatsverlages der DDR veranlasste ihn schließlich zur Kündigung, er lebte seither als freier Übersetzer in Berlin-Mitte und dem märkischen Kolberg. Spätestens seit dem kulturpolitischen "Tauwetter" in Polen 1956 und der Relativierung des "Sozialistischen Realismus" in Kunst und Literatur, hegten die DDR-Kulturbehörden deutliches Misstrauen gegenüber den Büchern aus Polen.

Bereska gehörte im November 1976 zu den Mitunterzeichnern gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann. Trotz der damit verbundenen Schwierigkeiten zog er seine Unterschrift nicht zurück, so wurde im zeitweilig die Einreise nach Polen verweigert und seine Frau wurde drangsaliert. Diese stetig wachsende Diskrepanz mit dem System verhinderte die Chance eigene Texte zu veröffentlichen. Die von der Staatssicherheit über ihn angelegte Akte war hunderte Seiten lang.

Er übertrug eine Vielzahl von Büchern und Gedichtbänden ins Deutsche, darunter so bekannte Namen wie Jerzy Andrzejewski, Zbigniew Herbert, Tadeusz Ró?ewicz, Stanis?aw Ignacy Witkiewicz, Czes?aw Mi?osz und Adam Zagajewski. Zudem wirkte er unermüdlich für die Förderung polnischer Schriftsteller in Deutschland.

Eigene Aphorismen und Gedichte veröffentlichte er ab 1963 in Anthologien und Zeitschriften. 1980 erschien sein erster eigener Gedichtband in Westberlin. Seit 1990 erscheinen seine Gedichte und Aphorismen in der Corvinus Presse Berlin.

Die Wiedervereinigung Deutschlands veränderten die Arbeitsbedingungen des Übersetzers schlagartig. Statt gegen die Zensur zu kämpfen, kämpfte Bereska gegen das sinkende Interesse der ostdeutschen Verlage an polnischer Literatur. Mehrere Bücher, die Bereska um 1990 übersetzte, wurden aus den Verlagsprogrammen als druckfertige Manuskripte herausgenommen, weil sich die Verlage diese Ausgaben finanziell nicht mehr leisten konnten. Bereska nahm die Herausforderung an, er machte kleine Verlage ausfindig und bot ihnen selbst polnische Werke an. Auf diese Weise gelang es ihm, viele der um 1990 abgelehnten Bücher zu veröffentlichen.

Für seine Verdienste wurde er im Jahr 2000 mit dem Hans-Sahl-Preis, 2001 mit dem Samuel-Bogumil-Linde-Preis und 2005 mit dem Transatlantyk-Preis des polnischen Buchinstituts ausgezeichnet. Bereits im April 2002 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Wroc?aw verliehen.

Hinzu kamen weitere staatliche Auszeichnungen aus Deutschland (Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland, 1997, auf Vorschlag seines Verlegers Hendrik Liersch) und Polen (Kommandeurskreuz zum Verdienstorden der Republik Polen, 1998).

2002 war er Burgschreiber der Gemeinde Beeskow. Weitere Stipendien in Ahrenshoop, Krokow, Straelen und Wiepersdorf. Im Jahr 2000 war er Teilnehmer am internationalen Lyrikfestival in Struga (Mazedonien). Sein Archiv übergab er bereits im Frühjahr 2004 der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).

Im März 2005 wurde er auf der Berliner Friedrichstraße von einem Motorradfahrer überrollt.

Als ihm sechs Wochen später in seiner Heimat der Transatlantik-Preis überreicht wurde, schien er über den Berg. Begeistert erzählte er von den immensen Vorteilen der Bettlägerigkeit, davon also, welche Unmengen an Literatur man in solchen Zeiten in sich hineinstopfen könne.

Doch der Unfall bedeutete sichtlich mehr, als nur aus dem Rhythmus gekommen zu sein. Anfang Juli folgte ein schwerer Schlaganfall, danach zwei Herzinfarkte. Und irgendwann sprach Henryk Bereska ganz leise davon, dass er in einem Kiefernsarg in seinen Kolberger Sandberg einfahren wolle.

Henryk Bereska starb am 11. September 2005 im Krankenhaus Spandau.


Zitate von Henryk Bereska


Die Aphorismen dieses Autoren dürfen auf Grund der Beschränkungen durch das Urheberrechtsgesetz erst nach dem 11.09.2075 veröffentlicht werden!


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