Schrift:

navigationZur Auswahl der vorhandenen Textenavigation

Ludwig Börne

* 06.05.1786 - † 12.02.1837


Ludwig Börne wird am 6. Mai 1786 als Juda Löw Baruch als drittes von fünf Kindern in Frankfurt am Main geboren. Sein Vater ist der angesehene Bankiers Jakob Baruch.

1790 wird der jüdische Reformpädagoge Jakob Sachs als Hauslehrer für die Kinder engagiert und von 1800 bis 1802 besucht Börne die Internatsschule des Orientalisten Johann Wilhelm Friedrich Hezel in Gießen, die später vom Statistiker A.F.W. Crome übernommen wird. Danach geht Börne nach Berlin zum Mediziner Marcus Herz, um sich auf sein Medizinstudium vorzubereiten. Hier verliebt er sich in dessen Frau Henriette. Des weiteren erhält er Privatunterricht in Philosophie bei dem Kantianer Lazarus Bendavid. Im Januar 1803 stirbt Marcus Herz und Börne geht nach Halle ins Haus des Arztes J. Ch. Reil. Hier vervollständigt er als erstes seine Gymnasialbildung. Die Verbindung zu Henriette Herz hält er durch intensiven Briefkontakt aufwärts.

1804 immatrikuliert Börne an der medizinischen Fakultät der Universität Halle. Neben Studien bei dem Mediziner Reil hört er Vorlesungen unter anderem bei Friedrich Schleiermacher und Henrik Steffens.

1805 schreibt er erste Aufsätze und literarische Skizzen, unter anderem die Werke "Fragment über Erziehung" und "Über Geist und Zweck des akademischen Lebens". 1807 hat Börne eine Auseinandersetzung mit seinem Vater, der den Lebensstil seines Sohnes nicht akzeptiert. In seinem "Brief vom 24. Juli" versucht Börne seinen Vater von seinen Ansichten zu überzeugen. Im gleichem Jahr beginnt er in Heidelberg sein Studium der Kameralistik (Nationalökonomie). 1808 wechselt Börne seinen Studienplatz erneut und geht nach Gießen. Mit seinen beiden staatswissenschaftlichen Essays "Über die geometrische Gestalt des Staatsgebietes" und "Von dem Gelde", die als Dissertationsarbeiten anerkannt werden, promoviert er im August des gleichen Jahres bei A.F.W. Crome zum Dr. phil.. Weitere Arbeiten Börnes, die zu dieser Zeit entstehen sind "Das Leben und die Wissenschaft" ("Über Theorie und Praxis in der Politik") und "Freimütige Bemerkungen über die Stättigkeit und Schutzordnung für die Judenschaft in Frankfurt am Main". Im gleichem Jahr wird Börne in die "Loge zur aufgehenden Morgenröte" aufgenommen.

1811 entstehen seine Werke "Aphorismen", "Über Freimaurerei" und "Über Musik- und Talentbrüder". Im November 1811 tritt er als Polizeiaktuar in den Verwaltungsdienst der Stadt und des Großherzogtums Frankfurt ein, aber nach Auflösung des Großherzogtums 1815 tritt das alte Frankfurter Stadtrecht wieder in Kraft, welches besagt, dass Juden kein öffentliches Amt bekleiden dürfen und so verliert Börne seinen Posten als Polizeiaktuar und wird mit einer Pension von 400 Gulden jährlich pensioniert. 1816 erscheint Börnes Werk "Für die Juden". Im Winter 1816/17 lernt Ludwig Börne Jeanette Wohl kennen, mit der er das ganze Leben durch eine Seelen- und Arbeitsgemeinschaft verbunden bleibt. 1817 entstehen seine Werke "Männertränen", "Vertrauliche Briefe" und "Tagebuch 1817".

Juda Löw Baruch ändert am 11. April 1818 seinen Namen auf Carl Ludwig Börne und mit seiner Taufe gibt er sein lutherisches Bekenntnis. Von 1818 an gab er die Zeitschrift "Die Waage", eine Zeitschrift für Bürgerleben, Wissenschaft und Kunst, heraus bis ihn 1821 die verschärfte Zensur der Restauration stoppte. Von Januar bis Juni 1819 arbeitet Börne in der Redaktion der "Zeitung der freien Stadt Frankfurt", bis es Ärger mit der Zensur seiner Artikel gibt. Anschließen arbeitet er vom Juli bis September des gleichen Jahres in der Redaktion der Offenbacher Zeitschrift "Zeitschwingen" und schreibt nebenbei Literaturkritiken für das "Literarische Wochenblatt" in Leipzig. Im September unternimmt Börne eine Rheinreise, auf der er Kontakt zu Arndt, Görres, Schleiermacher, A.W. Schlegel und K. F. Welcker hat. Im Oktober und November 1819 hält sich Börne in Paris auf und hat hier unter anderem Kontakt zu L. M. Proudhomme.

Aufgrund einer ungerechtfertigten Denunziation wird Börne 1820 verhaftet und muss eine vierzehntägige Untersuchungshaft in der Frankfurter Hauptwache absitzen. Im gleichem Jahr erscheint seine Werk "Geschichte meiner Gefangenschaft nebst Beschreibung der herrlichen Wandgemälde, die sich in der Hauptwache zu Frankfurt befinden" und Börne unternimmt seine zweite Rheinreise. Er baut engere Beziehungen zum Cotta-Verlag auf und von Oktober 1820 bis August 1821 schreibt er Korrespondentenberichte in Cottas "Morgenblatt": "Briefe aus Frankfurt". Des weiteren entsteht in dieser Zeit sein Werk "Monographie der deutschen Postschnecke". Bis Juni 1822 arbeitet Börne in Stuttgart für die "Neckarzeitung" und das "Morgenblatt". Danach hält er sich wieder zusammen mit Jeanette Wohl in Paris auf. 1822 und 1823 erscheinen seine "Schilderungen aus Paris" im "Morgenblatt" und bis 1824 seine "Aphorismen"- Serie in der "Neckarzeitung". Nachdem Börne im Frühjahr 1824 nach Heidelberg zurückkehrt, erkrankt er hier akut an seinem chronischem Lungenleiden. Danach fährt er zur Kur nach Bad Ems. In den Jahren 1822 bis 1824 erscheinen seine Werke "Die Kunst, in drei Tagen ein Originalschriftsteller zu werden", "Über den kritischen Lakonismus" und "Über das Schmollen der Weiber".

1825 erleidet Börne erneut einen gesundheitlichen Zusammenbruch in Stuttgart und hält sich danach erneut zur Kur in Bad Ems auf. Im August1825 macht er die Bekanntschaft mit dem Ehepaar Varnhagen. Im gleichem Jahr wird Börne in die Frankfurter Kulturgesellschaft "Museum" aufgenommen und es entsteht seine "Denkrede auf Jean Paul". 1826 erscheint sein Werk "Bemerkungen über Sprache und Tod". Im April 1827 stirbt Börnes Vater. Im November des Jahres trifft er erstmals mit Heinrich Heine in Frankfurt zusammen. Die Verhandlungen mit dem Cotta- Verlag über die Herausgabe von Börnes Gesammelten Schriften scheitern und Heine empfiehlt ihm den Hamburger Verleger Julius Campe. Mitte Februar 1828 reist Börne über Weimar, wo er eigentlich Johann Wolfgang von Goethe treffen wollte, was aber nicht klappte, nach Berlin. Hier hält er sich bis Ende April auf und besucht während dieser Zeit die Familien Mendelssohn und Varnhagen und sieht nach langer Zeit auch Henriette Herz wieder. In Berlin führt er ebenfalls Gespräche mit Alexander von Humboldt und hat Kontakte mit der literarischen "Mittwochsgesellschaft". Ein ausführlicher Bericht über seine Erlebnisse in Berlin ist in seinem Werk "Berliner Briefe" an Jeanette Wohl zusammengefasst. Nach seinem Aufenthalt in Bad Ems und Bad Schwalbach verhandelt Börne mit dem Braunschweiger Verleger Vieweg und im Oktober 1828 mit Julius Campe in Hamburg und es kommt hier zum Vertragsabschluss für Börnes Gesamtausgabe. Im Herbst und Winter 1828 hält er sich zusammen mit Jeanette Wohl in Hannover auf, um die Herausgabe der Werke vorzubereiten. 1829 erscheint bei Hoffmann und Campe der erste Teil der "Gesammelten Schriften" und Börne fährt wiederholt zur Kur nach Bad Ems und nach Bad Soden, denn sein Lungenleiden, seine Schwerhörigkeit und seine Darmkrankheit verschlimmern sich und im Frühjahr 1830 fährt Börne abermals nach Bad Soden zur Kur. Im gleichem Jahr beginnt er die Arbeit am "Tagebuch", das später als 8. Band der "Gesammelten Schriften" erscheint.

Nach Ausbruch der Julirevolution reist Börne nochmals nach Paris, was danach mit kurzen Unterbrechungen zum Exilort wird. 1831besucht er in Paris politische und kulturelle Salons und besucht regelmäßig das Boulevardtheater und die italienische Oper. Aus Börnes Briefwechsel mit Jeanette Wohl entstehen die "Briefe aus Paris" und die ersten beiden Teile erscheinen noch vor der Jahreswende 1831/32 bei Hoffmann und Campe. Trotz Verbots in den deutschen Bundesstaaten stoßen die "Briefe" in ganz Europa auf große Resonanz und Börne erreicht damit den Gipfel seiner Popularität. 1832 nimmt Börne am Hambacher Fest teil und wird dort von den Studenten emphatisch gefeiert. Gleichzeitig ist er in Paris zur führenden Person der deutschen Emigration geworden. Die zweite Folge der "Briefe aus Paris" erscheint mit fingierter Verlagsangabe. Den Spätsommer verbringt Börne in der Schweiz. Im Herbst 1832 heiratet Jeanette Wohl den Frankfurter Kaufmann Salomon Strauss. Im Winter 1832/33 wird der Konflikt zwischen Börne und Heine so groß, dass es zum Zerwürfnis kommt. Anfang April 1833 trifft Börne in Straßburg die Führer des gescheiterten Frankfurter "Wachensturms" und verbringt anschließend den Sommer und den Herbst in der Schweiz. Nach seiner Rückkehr nach Paris treffen dort auch Ende November Jeanette Wohl und Salomon Strauss ein und es kommt zur Langersehnten Wohngemeinschaft. Börne beginnt mit der Arbeit an der historischen Skizze "Studien über Geschichte und Menschen der Französischen Revolution", die er 1835 abbricht. Die letzte Sammlung der "Briefe aus Paris" wird publiziert. 1834 übersetzt er die "Paroles d’un croyant" ("Worte des Glaubens") von Lamennais und verfasst die hymnische Propagandaschrift "Rettung". 1834 tritt Börne den in diesem Jahr, in Paris, gegründeten liberalen "Jungen Deutschland" bei. 1835 arbeitet Börne an der Zeitschrift "Le Réformateur" von Raspail und an deutschen Emigrantenblättern wie "Der Geächtet" mit. In "Le Réformateur" erscheint die große öffentliche Polemik "De l’ Allemagne par Henri Heine" gegen Heinrich Heine, die in Deutschland übersetzt wird. Im gleichem Jahr beginnt er sich mit Wolfgang Menzel auseinander zusetzen und es erscheint das Werk "Goethes Briefwechsel mit einem Kinde".

1836 ist Börne Herausgeber der Zeitschrift "La Balance". Im gleichem Jahr verschlechtert sich sein Gesundheitszustand rapide. Anfang 1837 erscheint sein politisches Vermächtnis "Menzel, der Franzosenfresser".

Wenige Wochen später am 12. Februar 1837 stirbt Ludwig Börne in Paris und wird auf dem Friedhof Père-Lachaise beigesetzt. Die hassgeladenen Fehde zwischen Heinrich Heine und Ludwig Börne, der zu Lebzeiten der Bekanntere war, führte Heine noch nach Börnes Tod in seiner berühmten Schmähschrift fort.


Zitate von Ludwig Börne

Insgesamt finden sich 392 Texte im Archiv.
Es werden maximal 12 Texte, täglich wechselnd, angezeigt.


navigationZurück zum Seitenanfang navigation