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Gottfried Benn

* 02.05.1886 - † 07.07.1956


Gottfried Benn wurde am 2. Mai 1886 in Mansfeld in Westpregnitz als Sohn eines protestantischen Pfarrers geboren. Benn beginnt 1903 auf Wunsch seines Vaters ein Theologie- und Philosophiestudium in Marburg, wechselte jedoch ein Jahr später nach Berlin und begann dort ein Medizinstudium. 1911 ist Benn in einem Prenzlauer Infanterieregiment als Militärarzt tätig und erhält 1912 seine Promotion. Aus gesundheitlichen Gründen nimmt er in diesem Jahr seinen Abschied vom Militär und arbeitet als Pathologe und Serologe an mehreren Berliner Krankenhäusern.

Mit dem zu dieser Zeit veröffentlichtem Gedichtband "Morgue und andere Gedichte" erregt Benn in avantgardistischen Kreisen großes Aufsehen, da er die herkömmliche Vorstellung von Lyrik radikal in Frage stellt. Die Provokation seiner Lyrik beruht vor allem auf der Darstellung der Banalität der menschlichen Existenz und ihres körperlichen Verfalls. Außerdem ist seine künstlerische Methode, sein artistischer Umgang mit Sprache neuartig und beeinflusst die expressionistische Lyrik.

1913 erscheint die Gedichtsammlung "Söhne" mit einer Widmung an die Dichterin Else Lasker-Schüler, mit der er zu dieser Zeit ein Liebesverhältnis hat.

Von 1914 bis 1917 wird Benn Oberarzt im besetzten Brüssel. Geprägt durch die Kriegserlebnisse und als Arzt ständig Krankheit und Tod vor Augen, entstanden hier die so genannten Rönne-Novellen "Gehirne" (1916), in denen das Leben negiert und diesem Nihilismus der Glaube an die Kraft der Kunst entgegengesetzt wird.

1917 eröffnete Benn eine Praxis und lässt sich als Dermatologe und Venerologe in Berlin nieder. In diesem Jahr werden die Prosasammlung "Gehirne" sowie die Gedichtsammlung "Fleisch" veröffentlicht. 1922 endet seine expressionistische Phase mit der Publikation der "Gesammelten Schriften". Nach der Veröffentlichung der Bände "Gesammelte Gedichte" und "Gesammelte Prosa" wendet sich Benn ab 1927 der Essayistik zu, wobei er sich auf geschichtsphilosophische Zeitkritik und den Nihilismus konzentriert.

1932 tritt Gottfried Benn der Preußischen Akademie der Künste bei und, obwohl bedeutende Künstler die Akademie nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler im März 1933 verlassen, verbleibt Benn in ihr. In den Rundfunkvorträgen "Der neue Staat und die Intellektuellen" und "Antwort an die literarischen Emigranten" verteidigt er den Nationalsozialismus, von dem er sich eine Wiedergeburt der deutschen Nation erhofft. In seiner Lyrik feiert er Friedrich Nietzsche und fordert zu männlich-heroischer Größe auf und bekennt sich zum Expressionismus.

1935 wird Benn Sanitätsoffizier in Hannover und ein Jahr später zu seinem 50. Geburtstag erscheint der Band "Ausgewählte Gedichte", die von der SS-Zeitschrift "Das Schwarze Korps" als "widernatürliche Schweinereien" attackiert werden. In der Folgezeit seiner "Inneren Emigration" hält Benn dem "Reich der Macht" das autonome "Reich des Geistes" entgegen und wendet sich von den neuen Machthabern ab. 1938 wurde er aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und mit Schreibverbot belegt. In diesem Jahr heiratet Benn Herta von Wedemeyer.

Von 1943 bis 1945 lebt Benn in Landsberg/Warthe (Gorzów Wielkopolski) wo er illegal "Zweiundzwanzig Gedichte 1936-1943" drucken lässt und am Roman "Phänotyp" sowie den "Statischen Gedichten" arbeitet. Weil Benns Frau mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 ohne eine Nachricht von ihm bleibt, nimmt sie sich das Leben. Kurz darauf kehrt er nach Berlin zurück und praktiziert wieder als Arzt.

1948 erscheint die Lyriksammlung "Statische Gedichte" in der Schweiz und ein Jahr später gerät Benn, mit drei neuen Publikationen (Lyrik, Essays, Prosa), wieder in das Bewusstsein der literarischen Öffentlichkeit und beeinflusst mit seinem Spätwerk die deutsche Nachkriegslyrik maßgeblich. Benn wird von den zurückkehrenden Exilschriftstellern wegen seiner Haltung im Nationalsozialismus kritisiert. Die nachfolgende Schriftstellergeneration verehrt ihn jedoch wegen seines modernen Stils. In seiner 1950 veröffentlichten Autobiographie "Doppelleben" rechtfertigt er sein Verhalten im Nationalsozialismus und 1951 erhält er den Georg-Büchner-Preis.

Kurz nach seinem 70. Geburtstag, zu dem er noch zahlreiche Ehrungen in Empfang genommen hat, stirbt Gottfried Benn am 07. Juli 1956 in Berlin an Krebs.


Zitate von Gottfried Benn


Die Aphorismen dieses Autoren dürfen auf Grund der Beschränkungen durch das Urheberrechtsgesetz erst nach dem 07.07.2026 veröffentlicht werden!


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