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Benedetto Croce

* 25.02.1866 - † 20.11.1952


Benedetto Croce wurde am 25. Februar 1866 in Pescaseroli bei Frosinone geboren. 1875 schickten ihn seine Eltern, Pasquale Croce und Luisa Sipari, ins katholische "Collegio della Carità" nach Neapel, wo er bis 1883 blieb.

Benedetto Croce beschäftigte sich früh mit Geschichte, Literatur und Literaturkritik. Als Gymnasiast, besuchte Croce einige Logikvorlesungen an der Universität Neapel, die der Philosoph, ehemalige Priester und Cousin seines Vaters, Bertrando Spaventa, hielt.

Bereits 1882 veröffentlichte der Sechzehnjährige einen literaturwissenschaftlichen Aufsatz in der römischen Zeitung "Oppinione". Zu dieser Zeit wandte sich Benedetto Croce vom Christentum ab, was er jedoch sowohl vor seinen Eltern als auch vor seinen Freunden verborgen hielt.

Während eines Ferienaufenthaltes mit seinen Eltern und seiner Schwester in Casamicciola auf Ischia wurde die Insel am 28. Juli 1883 von einem Erdbeben erschüttert. Benedetto Croces Eltern und seine Schwester kamen dabei ums Leben, er selbst wurde verschüttet und verbrachte, schwerverletzt, mehrere Stunden unter den Trümmern. Seitdem litt Croce an einem leichten Gehfehler.

Nach dem Tode ihrer Eltern wurde Silvio Spaventa, ein Cousin ihres Vaters, Vormund Benedetto Croces und seines Bruders Alfonso. Silvio Spaventa, Bruder Bertrando Spaventas und damals führender italienischer Politiker, nahm die beiden Brüder in seinem Haus in Rom auf, und noch im selben Jahr inskribierte Croce Jurisprudenz an der römischen Universität "La Sapienza", besuchte aber kaum Vorlesungen, sondern verbrachte die meiste Zeit in öffentlichen Bibliotheken, wo er eigenständigen Studien nachging.

Anfang des Jahres 1884 lernte Croce den marxistischen Denker Antonio Labriola kennen, dessen Vorlesungen über Moralphilosophie, in denen ihn dieser mit den Gedanken Johann Friedrich Herbarts konfrontierte, er besuchte und die einen großen Einfluss auf ihn hatten.

1886 zog Croce nach Neapel, wo er im Salon von Giustino Fortunato verkehrte und die Bekanntschaft mit Salvatore Di Giacomo machte. Die Jahre von 1887 bis 1892 verbrachte Croce mit Bildungsreisen nach Deutschland, Österreich, Frankreich, Holland, Spanien und Portugal.

Im April 1892 lernte Croce in der Redaktion des "Corriere di Napoli" Giossuè Carducci kennen. 1895 schickte ihm Antonio Labriola sein Manuskript "In memoria del Manifesto dei Comunisti", das Croce auf eigene Kosten drucken ließ. Croce begann seine Studien zur Ökonomie und wurde Mitarbeiter des "Devenir social", der Zeitschrift von Georges Sorel und publizierte hier Aufsätze zum Marxismus und zu den Theorien von Loria und Stammler.

1899 lernte Croce in Perugia den deutschen Literaturhistoriker Karl Vossler kennen. 1900 veröffentlichte er in den "Atti dell'Accademia Pontiniana" die "Tesi fondamentali di un'estetica come scienza dell'espressione e linguistica generale", in denen er die Grundgedanken seiner Philosophie erstmals vorlegte.

1901 lernte Croce den Verleger Giovanni Laterza kennen und begann seine aktive politische Tätigkeit als "Commissario per l'istruzione pubblica" in der damals kommissarisch verwalteten Gemeinde Neapel. Im April 1902 erschien in Palermo Croces "Estetica come scienza dell'espressione e linguistica generale".

1902 kündigte Croce die Herausgabe einer eigenen Zeitschrift mit dem Titel "Critica" an und publizierte deren Programm. Im darauf folgenden Jahr, erschien am 20. Januar 1903 im Selbstverlag, die erste Nummer der "Critica", deren Herausgeber Croce bis 1944 blieb.

1906 übernahm der Verlag Laterza den Druck der "Critica". Zudem wurde Croce Herausgeber dreier Reihen des Verlages, der "Biblioteca di cultura moderna", der "Classici della filosofia moderna" und der "Scrittori d'Italia". Eine vierte Reihe, in der Werke der Weltliteratur erscheinen sollten, wurde nach den ersten Bänden wieder eingestellt.

1906 erschien auch Croces Buch "Ciò che è vivo e ciò che è morto nella filosofia di Hegel", und im darauf folgendem Jahr veröffentlichte Croce die italienische Übersetzung von Georg Wilhelm Friedrich Hegels "Enzyklopädie". 1908 nahm er die Einladung Wilhelm Windelbands zu einem Philosophiekongress in Heidelberg an. Im selben Jahr veröffentlichte Croce eine überarbeitete Fassung seiner "Estetica" und die "Filosofia della pratica, economica ed etica".

Ein Jahr später erschien seine "Logica come scienza del concetto puro". Zusammen mit seiner "Teoria della storia e della storiografia" von 1917 bilden diese drei Schriften die Grundpfeiler seines philosophischen Systems. 1910 wurde Croce zum Senator ernannt. 1913 veröffentlichte er das "Breviario di estetica".

Am 25. September 1910 starb Croces Lebensgefährtin Angelina Zampanelli. 1914 heiratete er die Turiner Studentin Adele Rossi, die im Zuge der Arbeiten an ihrer Diplomarbeit nach Neapel gekommen war, um Croce um Rat zu fragen. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor, Giulio, Elena, Alda, Lidia und Silvia.

Politisch war Croce 1914 bei den neapolitanischen Kommunalwahlen als Vorsitzender des "Fascio dell'ordine", einem Wahlbündnis aus Liberalen, Gemäßigten und Katholiken tätig, das dem sozialistischen "Blocco" gegenüberstand.

Als bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine Diskussion über die Position Italiens ausbrach, gehörte Croce zum Lager der "neutralisti". 1917 veröffentlichte Croce seine "Teoria e storia della storiografia". Im Juni 1920 wurde Croce Erziehungsminister in der letzten Regierung Giolitti. Nachdem die Regierung Giolitti von der Regierung Bonomi abgelöst worden war, kehrte auch Croce zu seinen Studien zurück.

Nach der Regierungsübernahme Mussolinis 1922 lehnte Croce allerdings jede öffentliche Funktion ab. Nach dem Mord am sozialistischen Abgeordneten Mateotti 1924 und dem Auszug der antifaschistischen Abgeordneten aus dem Parlament sprach sich Croce für eine Rückkehr dieser ins Parlament aus und stimmte schließlich, nachdem Mussolini die Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung versprochen hatte, sogar für die Regierung Mussolini.

1924 wurde Croce Mitglied der Liberalen Partei, deren Vorsitz er von 1944 bis 1947 innehatte. Nach dem offiziellen Übergang zur Diktatur am 3. Januar 1925 wurde unter Federführung Gentiles ein "Manifest der faschistischen Intellektuellen" veröffentlicht. Auf Anregung Giovanni Amendolas, verfasste Croce daraufhin ein "Manifest der antifaschistischen Intellektuellen", das mehr als hundert Persönlichkeiten unterzeichneten. Bei der Abstimmung im Senat über das von den Faschisten geforderte Verbot der Freimaurerei am 20. November 1925 enthielt er sich der Stimme.

Croces offener Widerstand gegen die Diktatur führte schließlich zur Reaktion des Regimes, am 1. November 1926 wurde seine neapolitanische Wohnung von faschistischen Aktivisten verwüstet und in den folgenden Jahren wurde Croce vom Regime systematisch verfolgt. So wurde er aus allen staatlichen Akademien ausgeschlossen und die Verwendung seines "Breviario di estetica" in den Schulen verboten. In den faschistischen Medien wurde gegen ihn gehetzt.

Dennoch hielt er am 24. Mai 1929 im Senat eine Rede gegen das vom Faschismus ausgehandelte Konkordat mit der Katholischen Kirche. Auf Reisen ins Ausland knüpfte Croce in diesen Jahren Kontakte mit anderen Exponenten des Antifaschismus. 1930 traf er sich in London mit dem Bolschewisten Lunacarskij und 1931 in Deutschland mit Thomas Mann und Albert Einstein. Neben seinen politischen Aktivitäten setzte Croce seine Studien fort und publizierte so 1936 "La poesia".

Am 8. Juni 1944 nahm Croce die Funktion eines Ministers in der ersten demokratischen Regierung unter Bonomi an, trat aber bereits am 14. Juli wieder zurück. 1945 setzte sich Croce dafür ein, das Erziehungsministerium einem Liberalen und keinem Christdemokraten zu unterstellen. 1946 lehnte es Croce ab, provisorisch das Amt des Staatspräsidenten zu übernehmen. Als Mitglied der Verfassungsgebenden Versammlung sprach sich Croce in deren Sitzungen gegen eine Regierung der großen Koalition aus Christdemokraten Sozialisten und Kommunisten aus.

Am 30. November 1947 trat Croce als Vorsitzender der Liberalen Partei zurück und wurde deren Ehrenpräsident. 1948 wurde er für eine Legislaturperiode in den Senat der Republik gewählt, lehnte aber das Angebot des Staatspräsidenten Luigi Einaudi, ihn zum Senator auf Lebenszeit zu ernennen, ab. Am 29. Juli 1949 stimmte er im Senat für den Nato-Beitritt Italiens.

Benedetto Croce starb am Morgen des 20. November 1952 im Alter von 86 Jahren in Neapel.


Zitate von Benedetto Croce


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