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Alfred Döblin

* 10.08.1878 - † 26.06.1957


Alfred Bruno Döblin wurde am 10. August 1878, als viertes von fünf Kindern des jüdischen Schneidermeisters Max Döblin (1846-1921) und seiner Frau Sophie, geb. Freudenheim (1844-1920), in Stettin geboren.

Ab 1884 besuchte Döblin die Vorschule des Friedrich-Wilhelm-Realgymnasiums.

Die Flucht seines Vaters, der mit der der 20 Jahre jüngeren Angestellten Henriette Zander nach Amerika auswanderte, wurde für den Zehnjährigen zum prägenden Erlebnis. Döblin musste das Gymnasium verlassen. Seine Mutter zog 1888 mit Alfred und seinen vier Geschwistern nach Berlin.

1891 konnte er seine gymnasiale Ausbildung am Köllnischen Gymnasium fortsetzen und schloss dieses 1900 mit einem mittelmäßigen Abitur ab. Schon früh begeisterte den jungen Döblin der technische Fortschritt, der sich im Großstadtleben ausdrückte.

Von 1900 bis 1904 studiert Döblin in Berlin Medizin. Ebenfalls zu dieser Zeit macht er die Bekanntschaft mit Herwarth Walden und Else Lasker-Schüler.

1905 wechselt er an die Universität in Freiburg und studiert hier Neurologie und Psychiatrie. Noch im selben Jahr promoviert er zum Dr. med. bei Alfred Hoche (Dissertation: Gedächtsnisstörungen bei der Korsakoffschen Psychose). Ab 1905 arbeitete Döblin als Assistenzarzt in der Kreisirrenanstalt Prüll bei Regensburg und wechselte im darauf folgenden Jahr nach Berlin.

1910 begann seine Mitarbeit an Herwarth Waldens neu gegründeter expressionistischer Zeitschrift "Der Sturm". Heinrich von Kleist, Friedrich Hölderlin und Friedrich Nietzsche waren seine literarischen und philosophischen Vorbilder in dieser Schaffensphase.

Döblin ließ sich 1911 als praktischer Arzt und Geburtshelfer, später auch als Internist und Nervenarzt im Berliner Südwesten nieder.

Am 28. Juni 1912 heiratet er Erna Reiss, die Medizinstudentin und Tochter eines wohlhabenden Fabrikanten, und noch im selben Jahr wurde Peter der erste der vier ehelichen Söhne geboren. 1915 kam der gemeinsame Sohn Wolfgang zur Welt 1917 folgte Klaus und 1926 Stephan. Der Älteste Sohn Bodo war bereits 1911 unehelich geboren worden. Döblin trat aus der jüdischen Gemeinde aus. Ebenfalls 1912 eröffnete Döblin eine kassenärztliche Praxis im Berliner Arbeiterviertel.

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges meldete Döblin sich 1914 als Freiwilliger und diente als Militärarzt vor allem in einem Seuchenlazarett im Elsass. Während des Krieges begann er an seinem Wallenstein-Roman zu schreiben.

1918 kehrte Döblin nach Berlin zurück und eröffnet 1919 erneut eine Arztpraxis im Berliner Bezirk Lichtenberg. Döblin sympathisiert mit der Rätedemokratie und trat der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) bei. Er wurde Augenzeuge der Berliner Märzkämpfe, die er später in seinem umfangreichsten Roman "November 1918" thematisiert.

In der 1890 gegründeten Zeitschrift Neue Rundschau, schrieb er in den Jahren von 1919 bis 1921, unter dem Pseudonym Linke Poot, zahlreiche Essays. Darüber hinaus schrieb er von 1921 bis 1927 zahlreiche Theaterkritiken, aber auch über das alltägliche Leben in Berlin, für das deutschsprachige "Prager Tagblatt". Ebenfalls in diesen Jahren trat er der Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) bei. In seinen politischen Texten dieser Zeit trat er als linker Kritiker der mit Hindenburg zusammenarbeitenden SPD auf.

Ab 1923 arbeitete Döblin am Berliner Tageblatt mit. 1924 wurde er zum Ersten Vorsitzenden des Schutzverbandes deutscher Schriftsteller gewählt und gehörte 1925 zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe 1925, einem Zusammenschluss von 39 kommunistischen und linksliberalen Autoren und Künstlern, darunter auch Bertolt Brecht. 1928 wurde Döblin in die Preußische Akademie der Künste aufgenommen.

Am 28. Februar 1933, dem Tag nach dem Reichstagsbrand, floh er vor den Nationalsozialisten zuerst nach Zürich, dann nach Paris. Ebenfalls 1933 erfolgte die Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft durch die Nationalsozialisten.

1936 nahm Döblin die französische Staatsbürgerschaft an.

Bei Kriegsausbruch 1939 trat Döblin als Mitarbeiter ins französische Informationsministeriums unter Jean Giraudoux ein und verfasste gemeinsam mit anderen deutschen Emigranten Flugblätter. Im Juni 1940 floh Döblin mit den übrigen Mitarbeitern des Ministeriums und seiner Frau vor den deutschen Truppen nach Südfrankreich. Noch im selben Jahr floh er weiter zunächst nach Barcelona und Lissabon und emigrierte schließlich in die USA nach Los Angeles.

Wie viele andere Emigranten taten er und seine Familie sich in der fremden Umgebung jedoch sehr schwer und fühlten sich kulturell isoliert. Er arbeitete für kurze Zeit mit wenig Erfolg als angestellter Drehbuchautor in der Filmindustrie bei Metro-Goldwyn-Mayer. Am 30. November 1941 konvertierte Döblin mit seiner Familie vom Judentum zum Katholizismus und trat in die Katholische Kirche ein, was in der Exilgemeinde vorwiegend auf Ablehnung stieß.

1945 erreichte ihn die Nachricht vom Selbstmord seines zweiten Sohns Wolfgang, der sich 1940 in dem lothringischen Dorf Housseras (Vogesen) das Leben genommen hatte, nachdem die deutsche Wehrmacht in Frankreich einmarschiert war und einen großen Teil des Landes besetzt hielt.

Döblin entschloss sich zur Rückkehr nach Deutschland und erreicht am 15. Oktober 1945 Paris, im November begann er seinen Dienst als Literaturinspekteur der französischen Militärverwaltung – im Rang eines Oberst – zunächst in Baden-Baden und später in Mainz, wohin er 1949 übersiedelte.

Dort gehörte er unter anderen zu den Gründern einer Literaturklasse der Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Seine Aufgabe umfasste die Zensur von Manuskripten und die Vorbereitung einer literarischen Monatszeitschrift, die schließlich von 1946 bis 1951 unter dem Namen "Das goldene Tor" erschien. Darüber hinaus schrieb er für die "Neue Zeitung" und für den Südwestfunk. Während dieser Zeit sammelte sich eine Gruppe junger Schriftsteller um ihn, darunter Günter Grass.

Döblins Enttäuschung über die politische Restauration der Nachkriegszeit, veranlassen ihn 1953 zum Umzug nach Paris. Döblin ist enttäuscht und verbittert angesichts des Misserfolgs seines Revolutionsromans November 1918.

Auch Annäherungsversuche Johannes R. Bechers im Dienst der Akademie der Künste der DDR lehnte er wegen des "sozialistischen Dogmatismus'" ab. Andererseits schrieb er Beiträge für DDR-Zeitschriften und sein Hamlet-Roman konnte anfangs nur in der DDR erscheinen.

Wegen fortschreitender Parkinson-Krankheit musste er sich ab 1956 immer häufiger in Kliniken und Sanatorien, unter anderem in Höchenschwand und Buchenbach im Südschwarzwald sowie in Freiburg im Breisgau behandeln lassen.

Während seines letzten Klinik-Aufenthaltes in Emmendingen starb er am 26. Juni 1957 und wurde am 28. Juni in Housseras (Vogesen) neben seinem Sohn Wolfgang beigesetzt. Seine Frau Erna nahm sich am 14. September 1957 in Paris das Leben und wurde neben ihrem Mann und ihrem Sohn beigesetzt.

Werke:

  • "Der Ritter Blaubart", Erzählung - 1911
  • "Die Ermordung einer Butterblume", Erzählungen - 1913
  • "Die drei Sprünge des Wang-lun", Roman - 1915
  • "Wadzeks Kampf mit der Dampfturbine", Roman -1918
  • "Wallenstein", expressionistischer historischer Roman – 1920
  • "Die beiden Freundinnen und ihr Giftmord", Erzählung – 1924
  • "Berge Meere und Giganten", Roman – 1924
  • "Reise in Polen", Bericht – 1925
  • "Manas", Versepos – 1927
  • "Der Feldzeugmeister Cratz. Der Kaplan." Erzählungen Weltgeist, Berlin – 1927
  • "Berlin Alexanderplatz", Roman – 1929
  • "Babylonische Wandrung", Roman – 1934
  • "Pardon wird nicht gegeben", Roman – 1935
  • "Bürger und Soldaten 1918", Roman (später umgearbeitet zu Bd. 1 von November 1918) – 1939
  • "November 1918. Eine deutsche Revolution." Roman in vier Bänden – 1949/50
  • "Hamlet oder Die lange Nacht nimmt ein Ende", Roman – 1956


Zitate von Alfred Döblin


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