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Ilja Grigorjewitsch Ehrenburg

* 14.01.1891 - † 31.08.1967


Ilja Grigorjewitsch Ehrenburg wurde am 14. Januar 1891 in Kiew als Sohn einer bürgerlich jüdischen Familie geboren. Seine Mutter, eine sehr fromme Frau, war schwer lungenkrank und hielt sie sich einmal im Jahr zur Kur in Bad Ems auf. Manchmal begleitet Ehrenburg seine Mutter, oder lebte während dieser Zeit bei den strengen Großeltern, was ihn jedes Mal sehr langweilte. In Bad Ems erkrankt Ehrenburg 1910 an Unterleibstyphus.

Sein Vater war Mitglied der ersten Generation russischer Juden. 1896 zog die Familie von Kiew nach Moskau, wo der Vater Direktor einer Brauerei wurde.

Ehrenburg bestand glänzend die Aufnahmeprüfung in die Vorbereitungsklasse und in die Sexta, doch seine Schulnoten wurden schon nach 2 Jahren schlechter. Er beschäftigte sich viel lieber mit Chemie, Botanik und Zoologie und experimentierte sehr viel. Seine Lieblingsfächer waren Russisch und Geschichte, er liebte das Aufsatzschreiben und hasste Mathe und Latein. Im Oktober 1907 wird Ehrenburg aus der sechsten Klasse des Gymnasiums ausgeschlossen. In der Dritten war er Redakteur der handgeschriebenen Klassenzeitung "Neuer Strahl", die von den Lehrern geheim gehalten wurde, obwohl "außer Freiheitsgedichten und Beschreibungen schulischer Idioten" nichts anderes zu lesen war.

Sein Interesse gilt weiterhin der Literatur, besonders den Dichter Anton Tschechow und Tolstoj. Aleksej Nikolajewitsch Tolstoj lernt er 1911 in der Brauerei des Vaters kennen, der diese einmal besuchte.

Während der bürgerlich-demokratischen Revolution in Russland von 1905 bis 1907 half Ehrenburg beim Bau der Barrikaden. Damit begann seine erste politische Arbeit, was auch des öfteren zu Auseinandersetzungen mit dem Vater führte. 1906 wurde Ehrenburg Mitglied einer bolschewistischen Organisation. Anfangs war er nur Mitglied der allgemeinen Parteiorganisation, später Beauftragter für die Schulen. Mehrmals wurde Ehrenburg wegen seiner politischen Tätigkeiten verhaftet, aber auch immer wieder freigelassen. Nach seiner Verhaftung 1908 saß er sechs Monate in verschiedenen Gefängnissen, wo er aber weiterhin seinen politischen Aktivitäten nachging. Nach seiner Entlassung musste Ehrenburg aber Moskau verlassen und wurde nach Kiew ausgewiesen. Von dort wurde er, nach einem Monat Aufenthalt, im September 1908 nach Poltawa ausgewiesen. Hier musste sich Ehrenburg wöchentlichen Polizeikontrollen unterziehen und wurde letztendlich wieder ausgewiesen. Dieses Mal sollte er nach Smolensk, aber er emigrierte über Kiew und Moskau am 7.Dezember 1908 nach Paris. Hier wollte er sich nur ein Jahr aufhalten und dann illegal wieder nach Moskau einreisen, aber er kehrte erst 1917 mit einer Gruppe politischer Emigranten nach Moskau zurück. In Paris macht er im Frühjahr 1909 die Bekanntschaft mit Lenin. Im gleichem Jahr unternimmt Ehrenburg seine erste Italienreise und fährt 1911 nochmals nach Italien.

Obwohl Ehrenburg schon 1907 mit der schriftstellerischen Tätigkeit begann, wurde erst 1909 sein erster Vers in der Zeitschrift "Nördliche Morgendämmerung" publiziert und Ende 1910 erscheint das Bändchen "Verse". Damit er sich die Veröffentlichung dieses Buches finanziell leisten konnte, wurde er von den Eltern mit einer monatlichen Rate von 50 Rubeln unterstützt. Im Sommer 1911 erhielt er für zwei Gedichte sein erstes Honorar in Höhe von sechs Rubel. Max Jacob übersetzt einige seiner Gedichte ins französische.

In Paris lernt Ehrenburg Katharina Schmidt kennen, die von ihrem reichen Vater zum Medizinstudium von Petersburg nach Paris geschickt worden war. Einige Monate später wurde Tochter Irina geboren und schon bald verlässt Katharina Ehrenburg und lebt seitdem mit Tichon Sorokin, der in Frankreich Kunstgeschichte studierte, zusammen.

1914 lernt Ehrenburg in seinem Pariser Stammkaffee "Rotonde" Pablo Picasso kennen. 1916 erscheint in Moskau sein Buch "Gedichte von den Vorabenden", das durch die Militärzensur stark zensiert wurde. In seinem Moskauer Stammkaffee "Cafe der Dichter" lernt er 1917 Leon Pasternak kennen und es entwickelt sich eine tiefe Freundschaft. 1918 stirbt seine Mutter in Poltawa, aber er kam zwei Tage zu spät zur Beerdigung. Vom Herbst 1918 bis November 1919 lebt Ehrenburg in Kiew und erlebt dort ein Judenpogrom. In Kiew ist Ehrenburg Angestellter mehrerer Sowjetbehörden und Leiter der "Sektion für die ästhetische Erziehung mofektiver Kinder" (minderjährige Schwerverbrecher und schwererziehbare Kinder). Im Herbst 1920 kehrt Ehrenburg nach Moskau zurück und bekommt hier von Meyerhold ein Angebot zur Leitung der Kindertheater der Republik, welches er auch annimmt. Des weiteren arbeitet er im "Literarischen Studio" und erteilt Versunterricht für Anfänger. Er schreibt sein Buch "Meditationen". In dieser Zeit lernt er in Moskau Mandelstamm kennen und die beiden verbindet dann eine lange Freundschaft. Enttäuscht durch die Auswirkungen der Russischen Revolution verlässt Ehrenburg im Mai 1921 Russland wieder und kehrt nach Paris zurück. Hier lernt er seine zweite Frau Ljubow Michailowna kennen und von 1923 bis 1933 lebt auch seine Tochter Irina bei den beiden und geht hier erstmals zur Schule und studiert dann an der Sorbonne Psychologie.

1921 schreibt er seinen ersten Roman "Die ungewöhnlichen Abenteuer des Julio Jurenito und seiner Schüler", der heute nur noch bekannt ist unter "Julio Jurenito". Der Roman erscheint 1922 in Berlin im Helikon- Verlag, gleichzeitig in Moskau und bald darauf in einem kommunistischem Verlag auf deutsch, mit einem Vorwort von Mac Orlan auf französisch. Es folgen weitere Übersetzungen. Außerdem erscheint das Buch "Und sie bewegt sich doch". In den nächsten zwei Jahren schrieb er "Leben und Tod des Nikolaj Kurbow", "Trust DE", "Dreizehn Pfeifen", "Sechs Geschichten mit einfachen Schlüssen" und 1923 "Die Liebe der Jeanne Ney". 1924 schreibt er seinen Roman "Der Raffer", aber dessen Herausgabe wird am 26. Januar 1925 von Popow abgelehnt.

1922 besucht Ehrenburg Deutschland und wird zusammen mit dem Maler El Lissitzkij Herausgeber der Zeitschrift "Das Ding", die im Verlag "Skythen" erschien. In Berlin macht Ehrenburg 1922 die Bekanntschaft mit Tuwim, aus der sich eine Freundschaft entwickelt. Ende 1922 besucht Ehrenburg Prag, im Mai 1924 reist er wieder nach Italien, im Frühjahr 1926 nach Moskau, wo er einen seiner besten und treuesten Freunde, den Schriftsteller Isaak Emanuilowitsch Babel, kennen lernt. 1928 führt ihn eine seiner Reisen nach Polen. Während dieser Zeit schreibt er auch seinen Roman "Sommer 1925", eines seiner traurigsten Werke, welches das Leben der damaligen Zeit darstellt.

1930 erhält Ehrenburg erstmals eine Auszeichnung durch den PEN-Club, der damit seine Arbeiten ehrt. Ende des Jahres 1932 beginnt er mit der Arbeit am Roman "Der Zweite Tag" und beendet diese Anfang 1933. "Die Liebe der Jeanne Ney" wird vom Regisseur Georg Pabst bei der UFA in Berlin verfilmt. Die dänische Zeitung "Politiken" publiziert eine Übersetzung des Romans "Trust DE" und aus Mexiko erhielt er ein Honorar für den "Jurenito" und kauft sich davon seine erste Schreibmaschine. 1928 begann er die "Chronik der Gegenwart" und beendete sie 1932. Sie beinhaltete "10 Pferdestärken", "Einheitsfront", "Der Schuhkönig", "Die Traumfabrik", "Unser täglich Brot" und "Die Barone der fünf Straßen". 1930 erscheint sein Schlüsselroman "Einheitsfront". Seine Liebe zu Spanien führt ihn im Herbst 1931 das erste Mal in dieses Land und nach seiner Rückkehr erscheint das Buch "Spanien – Republik der Werktätigen", in dem er seine Erlebnisse in Spanien beschreibt. In dieser Zeit übersetz Eugène Merle den Roman "Einheitsfront" ins französische, der dann unter dem Titel "Aktiengesellschaft Europa". Anfang 1931 schreibt Ehrenburg sein Buch über die Filmindustrie "Die Traumfabrik" ab und 1932 den Roman "Moskau glaubt nicht an Tränen", den er selbst für misslungen hielt. Sein Roman "Der Zweite Tag", den er von November 1932 bis Februar 1933 schrieb, wurde als schlechtes Manuskript abgelehnt. Trotzdem lies er hundert nummerierter Exemplare drucken und schickte sie nach Moskau und einige Monate später kam der Vertrag des Verlags und "Der Zweite Tag" wurde im April 1934 in Moskau publiziert. Sein nächstes Buch "Die verzögerte Entscheidung" enthält Aufsätze aus den Jahren 1932 und 1933. 1934 schreibt Ehrenburg seinen Roman "Ohne Atempause".

Ab 1932 arbeitet Ehrenburg 8 Jahre lang als Berichterstatter der Zeitung "Iswestija", für die er erst Berichte über seine Europareisen und später Kriegsberichte schreibt. Für seine Berichte muss er manchmal unter Pseudonymen, wie zum Beispiel Paul Jocelyn, schreiben. In Paris lernt Ehrenburg 1934 André Gide kennen. 1935 bereitet Ehrenburg mit André Gide, Jean-Richard Bloch, André Malraux, Moussignac, Nizan und Rene Blech in seiner Pariser Wohnung den antifaschistischen Schriftstellerkongresses in Paris vor. Am Ende dieses Kongresses wurde eine Schriftstellervereinigung gegründet und ein Sekretariat gewählt und Ehrenburg trat mit Kolzow als sowjetische Vertreter ein. Im Juni 1936 nahm er am Plenum des Sekretariats in London teil. 1935 schreibt Ehrenburg sein Buch "Ohne Waffenstillstand", das kleine Erzählungen über die Entwicklung der damaligen Zeit enthält und Anfang 1936 beginnt er in Paris mit der Arbeit an seinem "Buch für Erwachsene", welches das Konzept für seine Memoiren "Menschen - Jahre - Leben" war. Dieses Konzept wurde vorab in einer Zeitschrift gedruckt und danach stand sein Entschluss zur Buchausgabe fest. Als dieses Buch erschien, war es stark zensiert, da zur damaligen Zeit viele Namen von Schriftstellern verboten waren. Ende März 1936 schickt Ehrenburg nochmals ein Manuskript an die Zeitschrift "Das Banner".

Gleichzeitig wird vom Verlag "Der Sowjetschriftsteller" sein Roman "Julio Jurenito" neu aufgelegt. 1936 nimmt er an einer Tagung des Komitees der Antifaschistischen Schriftstellervereinigung in London teil. 1937 schreibt Ehrenburg seinen Roman "Was der Mensch braucht" und 1938 begann er nach einer Pause von 15Jahren wieder mit dem Schreiben von Versen. Insgesamt schrieb er in der Zeit von 1922 bis 1931 19 Bücher. 1941 folgte sein Roman "Der Fall von Paris". Für diesen Roman erhielt er 1942 den Stalinpreis, einen russischen Literaturpreis der jährlich vergeben wird.

Als im Juni 1936 in Spanien der Bürgerkrieg beginnt, fährt Ehrenburg sofort nach Spanien und berichtet hier direkt von der Front. Hier macht er auch im gleichem Jahr noch in Madrid die Bekanntschaft mit Pablo Neruda, die seitdem eine Freundschaft verbindet. Im Dezember1937 kehrt er aus Spanien zurück, fährt dann aber im Frühjahr 1938 sofort wieder dorthin zurück. Im Frühjahr 1939 verlässt Ehrenburg Spanien und ab Mitte April werden in der Iswestija keine Publikationen mehr von Ehrenburg gedruckt. Er bekommt aber weiterhin seine Bezüge von der Iswestija. Am 29.Juli 1940 kehrt Ehrenburg nach Moskau zurück. Hier beginnt er am 16.September 1940 mit der Arbeit an seinem Roman "Der Fall von Paris" und schreibt bis zum 21.Juni 1941 am 39. Kapitel des letzten Teils. Während einer Evakuierung während des Beginns des Großen Vaterländischen Krieges der Sowjetunion 1941 geht das Manuskript des dritten Teils verloren, aber ein Arbeiter der "Banner"- Druckerei findet es, und so kann Ehrenburg das Buch Ende Januar 1942 fertig schreiben. 1942 erschien sein Buch und es folgte sofort eine englische Übersetzung. 1940 erscheint in Moskau sein Versbüchlein "Treue".

Im April 1941 nimmt Ehrenburg in Paris an einer internationalen antifaschistischen Konferenz teil und trifft dort viele alte Bekannte wieder. Auf dieser Konferenz lernt er auch Jean-Paul Sartre kennen.

Während des 2. Weltkrieges arbeitet Ehrenburg für die Zeitung "Roter Stern" und im Herbst 1941 begann er für das schwedische Blatt "Göteborgs Handelstidning", das proalliiert gesinnt war, zu schreiben. Seine Artikel wurden aber teilweise stark zensiert, so dass der eigentliche Inhalt teilweise gar nicht mehr zu erkennen war. Gleichzeitig schrieb er sein Buch "Hundert Briefe", das Artikel und Briefe von Frontsoldaten an ihn enthielt. Dieses Buch wurde auch gesetzt, umbrochen dann aber verboten.

1944 stirbt Aleksej Nikolajewitsch Tosltoj, was Ehrenburg stark mitnimmt. Im Januar 1946 beginnt er mit der Arbeit am Roman der "Sturm" und schreibt bis April die ersten beiden Teile fertig und beendet den Roman im Juni 1947. Beim Druck wurden einige Sätze gestrichen.

Während des Nürnberger Kriegsverbrecherprozesses von 1945 bis 1946 ist Ehrenburg wieder Berichterstatter für die Iswestija. Im Dezember 1946 kehrt er wieder nach Moskau zurück.

Beim Verlag "Der Sowjetische Schriftsteller" liefert Ehrenburg zwei dünne Manuskripte ab, den Reisebericht "Auf den Straßen Europas" und den Gedichtband "Der Baum". "Auf den Straßen Europas" erschien vorher in der "Prawda" und Iswestija, wurde aber 2 Jahre später wegen einem Kapitel über Jugoslawien verboten. Das Manuskript "Der Baum" erregte den Unwillen des Verlags, weil es zu pessimistisch erschien, aber im Juli 1946 wurde es dennoch publiziert.

Am 14. Mai 1946 macht Ehrenburg die Bekanntschaft mit Albert Einstein in Princeton. Über diese Bekanntschaft war er sehr erfreut, aber auch sehr aufgeregt, als er Einstein begegnete.

Im Oktober 1947 fuhr Ehrenburg mit einer Schriftstellerdelegation nach Polen. Im Februar 1948 wird vom Schriftstellerclub ein Abend anlässlich des 40sten Jahrestages seiner Arbeit als Schriftsteller veranstaltet. In der UdSSR wird eine Jagd auf "heimatliche Kosmopoliten" veranstaltet, und Ehrenburgs Artikel und Werke werden daher seit Februar 1949 nicht mehr gedruckt. Anfang 1950 wollte Ehrenburg für seinen Roman "Die neunte Woge" nach Frankreich fahren, aber er erhielt kein direktes Einreisevisum von Franzosen, sodass er nur über Umwegen nach Frankreich kam. 1952 druckt eine Zeitschrift "Die neunte Woge" und Kritiker lobten dieses Buch, obwohl Ehrenburg es selbst missraten fand. 1951 nimmt Ehrenburg an einer Sitzung des Weltfriedensrates in Berlin teil und wird außerdem Mitglied in der "Bewegung der Friedensfreunde". Zu seinem 60. Geburtstag 1951 veröffentlicht der Schriftstellerverband eine fünfbändige Ausgabe seiner Werke und vom Honorar kauft er sich ein Blockhaus in der Nähe von Moskau.

Ende 1953 schrieb er seinen Roman "Tauwetter", der von Jean Hugo im Herbst 1954 für die Veröffentlichung in der französischen Zeitschrift "Zur Verteidigung des Friedens" illustriert wurde. 1955 schreibt Ehrenburg den zweiten Teil von "Tauwetter", aber er fand ihn sehr schlecht und schloss ihn aus seinen gesammelten Werken aus. Dieser Roman gab der politischen Periode nach Stalins Tod den Namen. 1954 überreicht er in Chile seinem Freund Pablo Neruda den Friedenspreis. Bei der Einreise nach Chile werden aber alle Unterlagen, sowie die Medaille zur Preisverleihung von der Polizei beschlagnahmt, aber er bekam noch rechtzeitig alles zurück.

Im August 1962 erscheint sein erster Teil der Memoiren und es werden auf Anhieb 11000 Exemplare verkauft. 1963 erscheint der zweite Teil seiner Memoiren.

Ilja Grigorjewitsch Ehrenburg starb am 31. August 1967 in Nowo-Jerusalem bei Moskau.


Zitate von Ilja Grigorjewitsch Ehrenburg


Die Aphorismen dieses Autoren dürfen auf Grund der Beschränkungen durch das Urheberrechtsgesetz erst nach dem 31.08.2037 veröffentlicht werden!


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