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Hermann Gmeiner

* 23.06.1919 - † 26.04.1986


Hermann Gmeiner wurde am 23. Juni 1919 in Alberschwende / Vorarlberg (Österreich) als sechstes von neun Kindern einer Bergbauernfamilie geboren.

Seine Mutter Angelika starb im März 1925, als er fünf Jahre alt war. Von da an sorgte seine älteste Schwester Elsa für die Kinder und prägte schon bald seine ganz persönliche Lebenserfahrung. Der jüngste Bruder Anton wurde von einem Onkel adoptiert. Auf Grund seiner guten Leistungen in der Dorfschule Alberschwende, erhielt er ein Stipendium, das ihm ab 1936 den Besuch des Gymnasiums in Feldkirch ermöglichte. Noch vor Ablegung der Matura, wurde Gmeiner im Februar 1940 zur Wehrmacht eingezogen und diente in Finnland, Russland und Ungarn. Mehrere Male verwundet, kehrte er 1945 auch als Verwundeter in seine Heimat zurück, wo er bis November 1945 im Lazarett Bregenz verbringen musste. Nach seiner Genesung half er seinem Vater auf dem Bauernhof, bis nach kurzer Zeit der erste aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrte Bruder diese Stelle übernahm und er die Matura nachholen konnte. Im Herbst 1946 begann er in Innsbruck Medizin zu studieren. Seine Familie konnte ihn kaum unterstützen. Deshalb gab er nebenbei Nachhilfestunden und arbeitete aushilfsweise an der Uni-Klinik, um sein Studium zu finanzieren.

Konfrontiert mit der Not und dem Elend so vieler Kriegswaisen und heimatloser Kinder nach dem Zweiten Weltkrieg, beschloß er einen Weg zu finden, um Kindern in Not zu helfen. Aus Gmeiners unerschütterlichen Überzeugung heraus, dass keine Hilfe wirksam sein kann, wenn ein Kind ohne Zuhause aufwachsen muss, entstand die SOS-Kinderdorf-Idee.

Das Resultat seiner Bemühungen war ernüchternd, niemand nahm seine Idee wirklich ernst: die einen lachten, die anderen nannten ihn verrückt und wieder andere warfen ihn kurzerhand hinaus. Schließlich kam er zur Überzeugung, dass von den zuständigen Stellen keinerlei Hilfe zu erwarten sei und die Realisierung nur von ihm allein verwirklicht werden könnte. Die einzige Möglichkeit sah Gmeiner nun in der Gründung eines Vereines. Mit Hilfe eines befreundeten Rechtsanwaltes arbeitete er die Statuten aus und gewann in der Jugendgruppe sowie aus seinem Studentenkreis die ersten Mitglieder und Unterstützer. Am 25. April 1949 hielt er die Gründungsversammlung ab, die Ziele des Vereines sollten die Errichtung eines Dorfes für Waisenkinder und einer Einrichtung "Mutter und Kind", zum Schutz unverheirateter Mütter sowie die Errichtung eines "Mutterhauses", zur Ausbildung einer Schwesternschaft für soziale Arbeit, sein. Am 13. Juni 1949 wurde der Verein schließlich bei der Sicherheitsdirektion für Tirol in Innsbruck eingetragen, damit war der Grundstein gelegt.

Ebenfall 1949 gab Gmeiner - schweren Herzens - sein Medizinstudium und die Arbeit als Dekanatsjugendführer auf, um sich völlig der Kinderdorf-Idee widmen zu können.

Am 22. Juli 1949 schrieb er an zahlreiche Tiroler Gemeinden und versuchte, dem Verein kostenlos ein Grundstück für den Bau eines Kinderdorfes zur Verfügung zu stellen. Das Wunder geschah, der Bürgermeister der kleinen Stadt Imst, Josef Koch, antwortete positiv auf die Bitte Gmeiners. Erst später wurde ihm bewusst, dass auf den Berg weder eine Straße führte, noch es Strom oder Wasser gab. Kurz darauf begegnete ihm zufällig ein Kriegskamerad, der in Imst Baumeister war und dieser erklärte sich bereit, mit dem Bau eines Hauses auf Kredit und ohne Anzahlung zu beginnen. Am 2. Dezember 1949 konnte das Richtfest des ersten Kinderdorfhauses gefeiert werden, ohne dass bisher ein Schilling bezahlt werden musste.

Es kam auch zu Schwierigkeiten, so wurde Gmeiner und viele seiner Helfer mehrmals von der Polizei festgenommen und verhört. Im Sommer 1949 kam es sogar zu einer Hausdurchsuchung. Das Büro wurde plombiert und das Konto gesperrt. Erst durch die Hilfe eines befreundeten Rechtsanwaltes konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Gmeiner ließ sich nicht aufhalten und im Frühjahr 1950 hatte er beinahe 1000 regelmäßige Spendenmitglieder in seinen Listen stehen und langsam kamen auch die ersten größeren Einzelspenden.

Die erste Kinderdorfmutter, Helene Diddl, brachte die Idee mit der Weihnachtskartenaktion ein, die Spendenwerbung wurde auf ganz Österreich ausgedehnt und intensiviert. Dadurch konnte er bereits Ende 1950 sämtliche Schulden abzahlen. Am Weihnachtsabend, dem 24. Dezember 1950, wurde das erste Kinderdorfhaus von fünf Waisenkindern, die kurz vorher ihre Eltern verloren hatten, bezogen. Einige Monate später waren alle fünf Häuser fertiggestellt und im Sommer 1951 von insgesamt 45 Kindern bewohnt.

Im Frühjahr 1952 war die Zahl der regelmäßigen Spender auf fast 100.000 angewachsen, sodass noch im selben Jahr zwei weitere Kinderdorfhäuser und ein Gemeindehaus in Imst errichtet werden konnten.

1953 errichtete Gmeiner im italienischen Caldonazzo, am See gleichen Namens, ein Ferienlager, welches später ein Ort der Begegnung für alle europäischen Kinderdorfkinder werden sollte und als Ausbildungsstätte für spätere Kinderdorfleiter genutzt wurde. 1954 folgte in Innsbruck die erste Mütterschule, diese wurde als Ausbildungszentrum für Kinderdorfmütter ins Leben gerufen. Am 10. Februar 1955 konnte Gmeiner in München die Gründungsversammlung der deutschen "SOS-Kinderdorf e. V." unter der Leitung von Jürgen Froelich und Peter Hecker eröffnen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten - auch hier gab es polizeiliche Beschlagnahmungen - wurde 1958 das erste deutsche Kinderdorf in Dießen am Ammersee eröffnet.

Am 26. Februar 1955 gründete Gmeiner den Verein "SOS-Kinderdorf Oberösterreich", unter ihrem Geschäftsführer Hansheinz Reinprecht entstand im Frühjahr 1956 das Kinderdorf Altmünster. 1956 wurde auch das Kinderdorf Osttirol in Nußdorf-Debant bei Lienz, und das erste Jugendhaus, wofür Gmeiner in Egerdach bei Innsbruck ein aufgelassenes Erholungsheim erwarb, eröffnet. Letzteres wurde Wohnung für spätere Lehrlinge und Studenten aus Kinderdörfern. 1957, nachdem Gmeiner monatelang persönlich in Wien Spenden gesammelt hatte, wurde das bis dahin größte Kinderdorf in Hinterbrühl im Wienerwald seiner Bestimmung übergeben. Es folgten Kinderdörfer in Frankreich und Italien.

Am 26. November 1960 wurde im französischen Straßburg, der Dachverband der "Europäischer Verband der SOS-Kinderdörfer" gegründet und Hermann Gmeiner einstimmig zum ersten Präsidenten gewählt. Er hatte dieses Amt bis 1985 inne.

Nach weiteren europäischen Staaten folgte 1964 ein erstes überseeisches Kinderdorf in Südkorea. Es folgten 1965 Kinderdörfer in Daegu, 1969 in Go Vap, einem Vorort von Ho-Chi-Minh-Stadt, in Indien in Lateinamerika und Afrika.

Hermann Gmeiner starb am 26. April 1986 in Innsbruck und wurde auf eigenen Wunsch im SOS-Kinderdorf Imst beigesetzt. Bis zu seinem Tode war die Kinderdorfidee in 85 Ländern mit 233 Kinderdörfern auf 40.000 Kinder angewachsen.


Zitate von Hermann Gmeiner


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