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Friedrich Melchior Grimm

* 26.12.1723 - † 19.12.1807


Friedrich Melchior Grimm wurde am 26. Dezember 1723, als Sohn des Regensburger Pastors Johann Melchior Grimm und dessen Ehefrau Sibylle (geb. Koch), in Regensburg geboren.

Grimm drängte es bereits früh zu ersten literarischen Äußerungen, während seiner Gymnasialzeit suchte er Kontakt zu Johann Christoph Gottsched und sandte ihm erste dramatische Versuche zu.

In den Jahren von 1742 bis 1745 studierte Grimm in Leipzig Philosophie, Rechtswissenschaften und Literatur. Während dieser Zeit schloss er sich außer an Johann Christoph Gottsched auch seinem Lehrer, dem Altphilologen, Johann August Ernesti an.

Ebenfalls 1742 dramatisierte der 19jährige Grimm den Roman "Die asiatische Banise" von Heinrich Anselm von Ziegler und Kliphausen. Johann Christoph Gottsched war begeistert und veröffentlichte das Stück im darauf folgenden Jahr in seiner Deutschen Schaubühne. Die Inszenierung war jedoch ein wirtschaftlicher wie auch künstlerischer Misserfolg.

Grimm wandte sich fortan der französischen Literatur zu und entdeckte Voltaire. Sein Versuch, Voltaire durch Übersetzungen in Deutschland einzuführen, legte den Grundstein für seine spätere Vermittlertätigkeit zwischen der französischen und deutschen Literatur.

Nach Beendigung seiner Studien kehrte Grimm 1745 nach Regensburg zurück, wo er eine Anstellung als Hauslehrer beim Vater eines Schulfreundes und kursächsischen Reichstagsgesandten, dem Grafen von Schönborn, bekam. Später wechselte Grimm in gleicher Stellung zu anderen Adelsfamilien in Regensburg.

Über seine Tätigkeiten als Hofmeister und "Reisemarschall" gräflicher Familien gelangte Grimm als Begleiter eines Sohnes des Grafen Schönberg 1748/49 nach Paris. Hier erhielt er zuerst eine Anstellung als Vorleser beim Herzog von Sachsen-Gotha, später als Sekretär bei dem Grafen August Heinrich von Friesen, dem Neffen des Marschalls von Sachsen. Grimm und den acht Jahre jüngeren Grafen verband bald eine enge Freundschaft. Der Jüngere führte seinen Sekretär in die glänzenden Kreise der Pariser Gesellschaft ein und machte ihn mit den zahlreichen in Paris weilenden deutschen fürstlichen Personen bekannt.

Grimm machte zu dieser Zeit die Bekanntschaft mit den wichtigsten Vertretern der intellektuellen Szene in Paris, wie Jean-Jacques Rousseau, dem Baron Paul Heinrich Dietrich von Holbach und Louise d'Epinay. Grimm wurde alsbald zum Liebhaber der Madame d'Epinay, was zum Bruch mit Rousseau führte und sich dann auch in einem völlig falschen Bild Grimms in Rousseaus "Confessions" niederschlug.

Als 1752 in Paris der Buffonistenstreit zwischen Anhängern von Giovanni Battista Pergolesi und Jean-Baptiste Lully ausbrach, verteidigte Grimm mit seiner Satire "Le petit prophète de Boehmisch-Broda" die italienische Oper. Spätestens mit der satirischen Fortsetzung "Lettre sur la musique française" wurde Grimm über Nacht als Essayist bekannt.

Angeregt von Denis Diderot und Jean-Baptist le Rond d Alembert verfasste Grimm in der folgenden Zeit mehrere Artikel für die Encyclopédie. 1753 lernte er "Nouvelles littéraires" von Abbé Guillaume Thomas François Raynal kennen und begann, diesem Beispiel folgend, seine "Correspondance littéraire" zu publizieren und in der er von Paris aus über französische Literatur und Kultur berichtete. Diese wurde anfangs alle zwei Wochen veröffentlicht und wurden zu einer der wichtigsten Zeitschriften des 18. Jahrhunderts.

Hierbei handelte es sich um handschriftlich verfasste, zeitschriftenartig gestaltete Briefe, die unkontrolliert durch Diplomatenpost zu den Abonnenten gebracht wurde. Zu den Lesern gehörten neben fast allen deutschen Fürsten unter anderem die Zarin Katharina die Große, Friedrich der Große, Gustav III. von Schweden, Stanislaw II. und Johann Wolfgang von Goethe.

Denis Diderot und Louise d'Épinay, sorgten während Grimms zeitweiligen Abwesenheiten für das kontinuierliche erscheinen. 1775 gab Grimm die Federführung der "Correspondance" an seinen Sekretär Jacob Heinrich Meister ab und diese ganz im Stil Grimms bis 1790 weiterführte. Meister änderte lediglich die Erscheinungsweise auf eine monatliche.

Nachdem er sich anfänglich nur mit literarischen Berichten aus dem künstlerischen Leben der damaligen Metropole beschäftigt hatte, widmete er sich später in immer stärkerem Maße verschiedenen Betrachtungen über das politische und soziale Leben seines Gastlandes und charakterisierte enthüllend Persönlichkeiten und Erscheinungen der Zeit.

Da die Correspondance eine geheime, vertrauliche Berichterstattung darstellte, deren Öffentlichkeit äußerst begrenzt war und die erst postum veröffentlicht werden konnte, war es dem Verfasser möglich, scharf zu urteilen ohne Angriffe der Zeitgenossen befürchten zu müssen. Die Zensur des Ancien Regime hätte niemals die Erlaubnis zur Veröffentlichung gegeben. Erst 1813, nach dem Tode Grimms, wurde die Correspondance gedruckt, vorher aber noch einer strengen kaiserlichen Zensur unterzogen. Die bisher vollständigste und kritischste Ausgabe erschien in 16 Bänden von 1877 bis 1882 in Paris, herausgegeben von Tourneux.

Nach dem plötzlichen Tod seines Freundes dem Grafen August Heinrich von Friesen im Jahr 1755, avancierte Grimm zum Kabinettssekretär von Louis-Philippe-Joseph, Herzog von Orléans. Als solcher begleitete er auch Louis-Charles-César Le Tellier, duc d'Estrées in den Jahren 1756 und 1757 auf dessen Feldzug nach Westfalen.

Anfang 1759 wurde Grimm zum Gesandten der Stadt Frankfurt am Main am französischen Hof ernannt. Als er im August desselben Jahres die Ernennung Herzogs Victor-François de Broglie zum Marschall in einem Brief - der durch König Ludwig XV. abgefangen wurde - kritisierte, verlor er sofort diesen Posten. Seine diplomatische Karriere blieb hiervon jedoch unberührt. 1771 erhielt er von Kaiser Joseph II. das Baronat, und so konnte er Prinzessin Wilhelmina Luisa von Hessen-Darmstadt nach Sankt Petersburg begleiten. Die Prinzessin reiste nach Russland, um dort Zar Paul zu heiraten.

Ab 1776 vertrat Grimm als Gesandter die Interessen von Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg in Paris so wie Johann Friedrich Reiffenstein Agent des Herzogs in Rom war. Im darauf folgenden Jahr reiste Grimm auf Einladung von Katharina der Großen nach St. Petersburg. Zurück in Paris begann Grimm, im größeren Stil für die Zarin Kunst zu kaufen.

Von der französischen Revolution vertrieben, kehrte Grimm 1792 nach Deutschland zurück. Und ließ sich in Gotha nieder. 1795 ernannte ihn Katharina II. zum Staatsrat und bevollmächtigten Minister beim niedersächsischen Kreis in Hamburg, wo er bis zum Tod der Zarin im darauf folgenden Jahr deren Interessen vertrat. Eine Krankheit, in deren Folge er fast erblindete, zwang ihn, sich aus den Geschäften zurückzuziehen.

Grimm zog sich ins Privatleben zurück und wohnte in Gotha, bei der ebenfalls aus Frankreich geflohenen Gräfin Bueil (geb. Emilie de Belsunce), einer Enkelin der Madame d'Epinay.

Baron Friedrich Melchior von Grimm starb am 19. Dezember 1807 in Gotha.


Zitate von Friedrich Melchior Grimm

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