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Robert Jungk

* 11.05.1913 - † 14.07.1994


Robert Jungk, eigentlich Robert Baum, wurde am 11. Mai 1913 in der Amtswohnung seines Vaters, des Dramaturgen, Schauspielers und Regisseurs David Baum (Künstlername für Max Jungk, 1872-1937) in Berlin geboren. Seine Mutter, die Schauspielerin Elli Branden (eigentlich Sara Bravo, 1885-1948), stand noch am Vorabend seiner Geburt auf der Bühne.

1920 tritt Robert Jungk in die Sexta des humanistischen Mommsen-Gymnasiums (Berlin-Charlottenburg) ein. Wichtiger noch als der Schuleintritt war die Teilnahme an der antibürgerlichen deutsch-jüdischen Jungendbewegung in den Jahren von 1923 bis 1933.

1929 arbeitet Robert Jungk im Sozialistischen Schülerbund (SSB) und der Internationalen Arbeiterhilfe (IAH) mit und im darauf folgendem Jahr wurde er zum Vorsitzenden der Schulgemeinde (Schülerselbstverwaltung seiner Schule) gewählt.

1932 beendet Robert Jungk das Gymnasium mit dem Abitur, einer Arbeit über Ricarda Huch und die deutsche Romantik. Im selben Jahr wurde Jungk Assistent des Filmregisseurs Richard Oswald. Ebenfalls 1932 immatrikuliert sich Jungk zum Studium an der Universität Berlin (Hauptfach Philosophie). In diese Zeit fallen häufige Kontakte zum "Gegner"kreis (Harro Schulze-Boysen).

Am Tage nach dem Reichstagsbrand wurde Robert Jungk verhaftet, konnte jedoch durch Sven Schacht, einem Neffen Hjalmar Schachts, befreit werden. Abreise ins Exil auf dem Kollektivpass einer Skigruppe. Nach Abwarten in Seefeld (Tirol) wanderte Jungk Anfang Mai 1933 nach Paris aus. 1934 wurde Jungk ausgebürgert.

Von 1933 bis 1935 studiert Jungk an der Sorbonne (Psychologie und Soziologie) und arbeitet unter anderem an Filmen von G.W. Papst, Max Ophüls, E. Charell sowie am Dokumentarfilm über das Straßburger Münster mit Ludwig Bamberger mit. Gelegentlich ist er als Korrespondent bei der "Agence Europeenne de la Press" in Paris tätig.

Ab Juni 1935 arbeit Jungk in Barcelona an einem Dokumentarfilm über die "Sagrada Familia", der unter dem Titel "Simbolos Eternos" den katalanischen Staatspreis erhielt. Wegen einer Erkrankung reist Jungk 1936 illegale nach Deutschland ein. In dieser Zeit arbeitet Jungk mit einer illegalen Artikelagentur zusammen und tätigt illegale Kurierdienste. Jungk unterhält Verbindungen zur Widerstandsgruppe "Neu Beginnen".

Nach Auffliegen des Artikeldienstes flieht Jungk 1937 illegal über die "grüne" Grenze in die Tschechoslowakei. In Prag arbeitet er ab Frühjahr 1937 beim kritischen Pressedienst in deutscher Sprache "heute aktuell". Hier begann auch die Freundschaft mit Peter Weiß.

Nach Drohungen von Sudetendeutscher Seite wurde der Pressedienst im Sommer 1938 nach Paris verlegt und unter dem Titel "Mondial Press" weitergeführt. In London wurde der Pressedienst "Air Mail Press" gegründet. Im Frühjahr 1939 nahm Jungk das Studium (Hauptfach Geschichte) in Zürich wieder auf.

In den Jahren von 1939 bis 1945 arbeitet Jungk unter verschiedenen Pseudonymen an, von der Fremdenpolizei nicht genehmigten, Schweizer Zeitungen und Wochenzeitungen mit. Besonders beachtet wurden die mit F.L. gezeichneten Artikel gegen das Dritte Reich in der "Weltwoche".

1943 wurde Jungk ausgewiesen und für mehrere Monate interniert. Ab 1944 war Jungk Korrespondent des "Observer" (London) in Bern. In dieser Zeit arbeitete Jungk mit der US-Botschaft an der deutschen Sendung "Stimme Amerikas". Ebenfalls 1944 beendetet Jungk sein Studium als Dr. phil in Zürich.

Ab Kriegsende arbeitete Jungk als Korrespondent für die "Weltwoche" in Zürich und war als Berichterstatter in Deutschland (u.a. Nürnberger Prozesse), Frankreich, England und Italien.

Im September 1946 war Jungk sechs Wochen als Korrespondent der "Weltwoche" in den USA. Von 1946 bis 1947 war Jungk als Korrespondent für Schweizer Zeitungen, hauptsächlich in Paris und ab 1948 in New York und in Washington tätig. Am 21. April 1948 heiratete Jungk in Washington Ruth Suschitzky.

1949 verlegt Jungk seinen Wohnsitz nach Los Angeles und erhält 1950 die amerikanische Staatsbürgerschaft. 1952 wurde Jungks Sohn Peter Stephan Jungk geboren.

In seinen publizistischen Arbeiten setzt sich Jungk immer wieder mit dem Verhältnis von Wissenschaft und Technik zu ethischen Fragen auseinander. Dazu gehört vor allem seine frühe Wissenschaftskritik "Die Zukunft hat schon begonnen" (1952, Bern).

Nach seiner Korrespondententätigkeit in Los Angeles führen ihn die Recherchen für "Heller als tausend Sonnen" 1954 nach Europa und 1955 wieder in die USA. In "Heller als tausend Sonnen" (1956, Bern) wiederum untersucht er die schuldhafte Verstrickung von Atomwissenschaftlern in den Fortgang des Krieges.

1956 reist Jungk erstmals nach Hiroshima. Im darauf folgendem Jahr siedelt Jungk nach Wien über. Jungk beteiligt sich 1958 aktive an der Bewegung "Kampf dem Atomtod" sowie an der Ostermarsch-Bewegung für Demokratie und Abrüstung. In "Strahlen aus der Asche. Geschichte einer Wiedergeburt" (1959, Bern) schildert Jungk das Leben in Hiroshima nach dem Atombombenabwurf.

1960 wird Jungk Vorsitzender der österreichischen Anti-Atombewegung. 1964 wurde das "Institut für Zukunftsfragen" in Wien gegründet.

Im darauf folgenden Jahr ist Jungk an der Gründung von "Mankind 2000" (London) und (in Zusammenarbeit mit James Wellesley-Wesley sowie Johan Galtung) an Organisation der ersten Weltkonferenz für Zukunftsforschung in Oslo beteiligt. Er ist gemeinsam mit H. J. Mundt Herausgeber der Buch- Reihe "Modelle für eine neue Welt" (München).

1967 nimmt Jungk die österreichische Staatsbürgerschaft an und 1968 wird Jungk zu Gastvorlesungen über Zukunftsforschung an die Technische Universität Berlin berufen. Es entstanden weitere Bücher wie "Die große Maschine" (1966, Bern) und "Vom blinden zum wissenden Fortschritt" (1969).

1970 siedelt Jungk nach Salzburg über und wird an der TU Berlin zum Honorarprofessor mit Vorlesungsverpflichtung für das neue Fach "Zukunftsforschung" ernannt.

1973 erscheint das Buch "Der Jahrtausendmensch" (München) und 1977 das Buch "Der Atomstaat" (München), das die Gefahren moderner Großtechnologie für die demokratische Entwicklung beleuchtet. Ebenfalls in diesem Jahr arbeitet Jungk am Internationalen Russell-Tribunal mit.

Jungk gehört 1978 zu den Mitherausgeber "Enzyklopädie der Zukunft".

Ab 1980 betätigt sich Jungk aktiv in der Friedensbewegung. Jungk ist einer der Redner auf der Massenkundgebung der Friedensbewegung am 10.10.1982 in Bonn. 1985 nimmt Jungk an der Blockade in Mutlangen teil.

Nachdem bereits 1980 das Buch "Zukunftswerkstätten" (Hamburg) mit Norbert R. Müllert veröffentlicht wurde, erscheint 1982 "Menschenbeben" (München). Zu seinen späteren Werken gehören "Der Aufstand gegen das Unerträgliche" (1983), "Und Wasser bricht den Stein" (1986, Freiburg) und "Sternenhimmel statt Giftgaswolke" oder "Den Frieden erfinden" (1987).

Im Oktober 1986 wird die Robert-Jungk-Stiftung und die "Internationale Bibliothek für Zukunftsfragen" in Salzburg eröffnet. Im Dezember des selben Jahres wird Jungk in Stockholm der "Alternative Nobelpreis" verliehen.

Nach 14jähriger Tätigkeit als Kolumnist ("Politik und Wissenschaft") bei der Zeitschrift "bild der wissenschaft" wurde Jungk 1987, wegen unliebsamer öffentlicher Äußerungen bei einer Kundgebung gegen die Plutoniumfabrik in Hanau, gefeuert.

1988 erscheint das Buch "Projekt Ermutigung" (Berlin) und 1989 wurde Jungk zum achten Ehrenbürger Salzburgs ernannt. Jungk ist 1990 Herausgeber der "Katalog der Hoffnung - 51 Modelle für die Zukunft" und ebenfalls in diesem Jahr erscheint das Buch "Zukunft zwischen Angst und Hoffnung" (München).

Im Dezember 1991 kandidiert Jungk für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten. Im Juni 1992 wurde Jungk in Darmstadt der "Alternative Büchnerpreis" und im Januar 1993 die Ehrendoktorwürde der Universität Osnabrück verliehen. Im April 1993 erscheint die Autobiographie "Trotzdem. Mein Leben für die Zukunft." (München) und im Mai wird Jungk anlässlich seines 80. Geburtstages das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst verliehen. Im Juni 1993 erkrankt Jungk schwer.

Robert Jungk stirbt am 14. Juli 1994 in Salzburg und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in einem Ehrengrab der Stadt Salzburg beigesetzt.


Zitate von Robert Jungk


Die Aphorismen dieses Autoren dürfen auf Grund der Beschränkungen durch das Urheberrechtsgesetz erst nach dem 14.07.2064 veröffentlicht werden!


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