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Ernst Jünger

* 29.03.1895 - † 17.02.1998


Ernst Jünger wurde am 29. März 1895 als ältestes von sechs Kindern des Chemikers Dr. Ernst Jünger (1868-1943) und dessen Frau Karoline, geb. Lampl (1873-1950), in Heidelberg geboren. Am 1. September 1898 wurde Jüngers Bruder Friedrich Georg Jünger geboren.

1910 sieht der fünfzehnjährige Jünger erstmals den Kometen Halley. Gemeinsam mit seinem Bruder Friedrich Georg Jünger wird er 1911 Mitglied der Wandervogelbewegung.

1913 meldet sich der achtzehnjährige Gymnasiast zur französischen Fremdenlegion, wird aber auf Intervention seines Vaters nach sechs Wochen entlassen. Seine Erlebnisse beschreibt er später in "Afrikanische Spiele".

Nach dem Notabitur aufgrund des Beginns des Ersten Weltkriegs, meldete sich Jünger 1914 zur Front. Während des Krieges dient Jünger als Kriegsfreiwilliger und wird mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse, sowie mit dem Orden "Pour le mérite" ausgezeichnet und bleibt selbst nach der Niederlage Deutschlands in der Reichswehr.

Seine Kriegserfahrungen verarbeitete er in dem Tagebuch "In Stahlgewittern", das 1920 mit großem Erfolg im Selbstverlag erscheint, sowie im 1922 erscheinenden Essay "Der Kampf als inneres Erlebnis".

1923 verließ Jünger die Reichswehr und studierte bis 1925 Zoologie und Philosophie in Leipzig und Neapel, schloss das Studium jedoch nicht ab. In dem Artikel "Revolution und Idee" der 1923 im "Völkischen Beobachter", dem Sprachrohr der Nationalsozialisten, erschien, sprach Jünger einem revolutionären Nationalismus das Wort. 1925 heiratet Jünger Gretha von Jeinsen, aus der Ehe gehen zwei Söhne, Ernst geb. 1926, gefallen 1944 und Alexander geb. 1934, hervor. Ab 1926 arbeitet Jünger als freier Schriftsteller in Berlin.

Als konservativer Revolutionärer beteiligt er sich 1927 an verschiedenen national-revolutionären Zirkeln. Obwohl Jünger mit der Weimarer Politik zunehmend unzufrieden ist und sich in Richtung eines nationalen Sozialismus orientiert, lehnt er ein zukünftiges Reichstagsmandat der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) ab. Während dieser Zeit pflegt Jünger Kontakte zu Otto Strasser, Joseph Goebbels und Carl Schmitt. 1929 erscheint die Essay-Sammlung "Das abenteuerliche Herz".

Goebbels versucht 1931 vergeblich, Jünger für die nationalsozialistische Politik einzuspannen. Stets blieb er in deutlicher Distanz zu den Machthabern des Dritten Reiches. Dies nach seinen eigenen Angaben vor allem deshalb, weil ihn der Nationalsozialismus ästhetisch abstieß. Auch wenn Jünger Kontakt zu den späteren Widerstandskämpfern hatte, mit manchen von ihnen sogar befreundet war, lehnte er den "Tyrannenmord" nachdrücklich ab.

1932 kam Jüngers von der Rechten stark rezitierter Essay "Der Arbeiter" heraus, der dem Ideal einer antibürgerlichen Lebenshaltung verpflichtet ist. 1933 lehnte Jünger ein Reichstagsmandats der NSDAP ab und wurde aus der "Dichterakademie" ausgeschlossen. Ebenfalls in diesem Jahr wurde Jüngers Haus durch die Gestapo durchsucht, woraufhin Jünger sich nach Goslar zurückzog.

1936 siedelt Jünger nach Überlingen (Bodensee) und 1939 nach Kirchhorst bei Hannover über. Vor allem die 1939 erschienene Erzählung "Auf den Marmorklippen" (1939) galt vielfach als eine allegorische Verurteilung des Hitler-Regimes. Sie wurde jedoch erst verboten, nachdem bereits 250 000 Exemplare verkauft waren.

In den dreißiger Jahren befürwortete Jünger die Mobilmachung und war als Offizier in Paris. Seit 1941 gehörte er zum Stab des deutschen Militärbefehlshabers für Frankreich. Während seiner Stationierung in Paris besuchte Jünger Pablo Picasso und Jean Cocteau. Er schloss Freundschaft mit dem Philosophen Martin Heidegger.

Der Militärbefehlshaber in Frankreich Carl-Heinrich von Stülpnagel schickt Jünger von 1942 bis 1943 in den Kaukasus, um die Truppenmoral vor einem eventuellen Attentat auf Adolf Hitler zu untersuchen.

Im Februar 1944 fühlt sich Jünger für die Verhaftung seines Sohns Ernstel, dem Verbreitung von antinationalsozialistischer Propaganda vorgeworfen wird, verantwortlich. Er erreicht die Entsendung seines Sohns an die italienische Front.

Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wird Jünger 1945 wegen "Wehrunwürdigkeit" aus der Armee entlassen. Jünger zog sich in den Schwarzwald zurück und widmete sich dort der Insektenforschung (eine Käferart wurde nach ihm benannt; auch besaß er eine der weltweit bedeutendsten Käfersammlungen mit über 30 000 Exemplaren), der Botanik und der Schriftstellerei. 1945 weigert sich Jünger, den "Fragebogen" der Alliierten auszufüllen, woraufhin man ihn bis 1949 mit einem Publikationsverbot belegt.

In den letzten Wochen des 2. Weltkrieges verfasste er das Memorandum "Der Friede". Während dieser Zeit entstanden unter anderem "Strahlungen" (1949), "Das Sanduhrbuch" (1954), "An der Zeitmauer" (1959), "Subtile Jagden" (1967), "Die Zwille" (1973) und "Siebzig verweht" (5 Bde., 1980-1997).

1949 erscheint der Roman "Heliopolis" und im darauf folgenden Jahr wird die Schrift "Über die Linie" veröffentlicht. Ebenfalls in diesem Jahr war Jünger nach Wilfingen (Oberschwaben) übergesiedelt.

1955 erhielt Jünger den Kulturpreis der Stadt Goslar und den Literaturpreis der Stadt Bremen. 1957 wird die Erzählung "Gläserne Bienen" veröffentlicht. 1959 wird Jünger durch Theodor Heuss das große Bundesverdienstkreuz verliehen.

In den Jahren von 1959 bis 1971 ist Jünger Mitherausgeber der Zeitschrift "Antaios". Nachdem 1960 seine erste Ehefrau verstarb, heiratete Jünger 1962 Dr. Lieselotte Lohrer, geb. Bäuerle.

1970 erscheint die Schrift "Annäherungen. Drogen und Rausch" und 1977 wird der Roman "Eumeswil" veröffentlicht. Ebenfalls 1977 wird Jünger in Nizza beim "Festival du Livre" mit dem Goldadler ausgezeichnet. 1978 wird ihm die Friedensmedaille der Stadt Verdun verliehen.

1979 werden die Tagebuchaufzeichnungen "Strahlungen I/II" herausgegeben. Nach zahlreichen Kontroversen um seine Person wird Jünger am 20. Mai 1982 der Goethe-Preis der Stadt Frankfurt/Main verliehen.

An der Seite von Helmut Kohl und François Mitterand nimmt Jünger 1984 in Verdun an der Ehrung der Opfer des Ersten Weltkriegs teil.

Im April 1986 reist Jünger in den Fernen Osten, um den Kometen Halley zum zweiten Mal zu sehen. Im darauf folgenden Jahr erscheinen die Tagebücher einer Forschungsreise nach Südostasien "Zwei Mal Halley".

Zur 25 Jahrfeier des deutsch-französischen (Freundschafts-)Vertrages reist Jünger 1988 mit Helmut Kohl nach Paris. Jünger erhält 1993 den Großen Preis der Jury der Kunstbiennale in Venedig.

Zu seinem 100. Geburtstag 1995 wurde Jünger von Bundeskanzler Helmut Kohl und dem israelischen Staatspräsidenten Chaim Herzog besucht. Auch der französische Staatspräsident François Mitterrand gratulierte.

Ernst Jünger starb am 17. Februar 1998 in Wilflingen. An der Beisetzung am 20. Februar nahmen mehr als 2.000 Gäste teil.


Zitate von Ernst Jünger


Die Aphorismen dieses Autoren dürfen auf Grund der Beschränkungen durch das Urheberrechtsgesetz erst nach dem 17.02.2068 veröffentlicht werden!


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Illustration mit dem Titel: gefangen
"gefangen"
Illustration von © Michael Blümel