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Gottfried Keller

* 19.07.1819 - † 15.07.1890


Gottfried Keller wurde am 19. Juli 1819 im Haus Zum goldenen Winkel am Rindermarkt in Zürich geboren und am 28. Juli in der Predigerkirche getauft, sein Pate ist der Zürcher Aristokrat und Offizier Gottfried von Meiß.

Am 26. April wurde Kellers Schwester Regula Keller geboren. Bereits am 12. August 1824 starb der Vater, der Drechslermeister Hans-Rudolf Keller. Im darauf folgendem Jahr trat Gottfried Keller in die Armenschule Zum Brunnenturm ein. Im März 1826, zwei Jahre nach dem Tod des Vaters, heiratete die Mutter Elisabeth, geb. Scheuchzer, in zweiter Ehe Hans Heinrich Wild. Eine unglückliche Ehe, die 1834 wieder geschieden wurde.

Ab 1831 besucht Gottfried Keller das Landknabeninstitut auf der Stüssihofstatt und wechselt im April 1833 an die kantonale Industrieschule, von der er am 09. Juli 1834 wegen eines Schülerstreiches verwiesen wurde.

Bereits 1832 hatte Gottfried Keller die Sommerferien in Glattfelden (Schulaufsatz Sommerferien 1832) verbracht, wie auch 1834 wo er während eines Briefwechsels mit der Mutter, sie über den Wunsch, Kunstmaler zu werden unterrichtet. Im September des Jahres 1834 begann Gottfried Keller seine Lehre beim Lithographen und Vedutenmaler Peter Steiger. Am 24. Dezember 1835 wurde Gottfried Keller konfirmiert und von November 1837 bis März 1838 erhielt er bezahlten Unterricht vom Kunstmaler Rudolf Meyer.

Am 26. April 1840 reiste er zur weiteren künstlerischen Ausbildung nach München. Im März des darauf folgenden Jahres wurde Keller zum Redakteur des Wochenblatts der Schweizergesellschaft gewählt.

Im Herbst des Jahres 1842 stellt Gottfried Keller das malerischen Hauptwerks "Heroische Landschaft" fertig und kehrt im November nach ergebnislosem Aufenthalt in München nach Zürich zurück.

Bis 1848 wohnte er nun bei seiner Mutter, zum Malen hatte er nur wenig Lust. Eher beiläufig, zufällig versuchte er sich als Dichter. Vom 8. bis 18. Juli und vom 5. bis 16. August 1843 führt Gottfried Keller ausnahmsweise Tagebuch, unter anderem über seine Gedichtproduktion und schickt am 17. August 1843 Gedichte zur Beurteilung an Julius Fröbel.

Es entstanden die ersten Pläne zum Grünen Heinrich, daneben aber betätigte er sich politisch. Er schrieb Gedichte, politische Tageslyrik in der Nachfolge Herweghs und Freiligraths, beteiligte sich aber auch an den Freischarenzügen gegen Luzern (8. Dezember 1844 und am 31. März 1845), wo es wegen der Jesuitenfrage zu offenen Kämpfen zwischen der konservativen Regierung und der radikalen Opposition gekommen war. Keller gefiel sich als radikaler Demokrat, der alles Konservative mit glühendem Hass belegte.

1845 erschienen im Deutschen Taschenbuch von Julius Fröbel erste Gedichte Kellers "Lieder eines Autodidakten" und am 4. Juli 1845 erscheint "Zur Warnung" ein erster, einer Reihe von, politischen Artikeln im "Boten von Uster".

1846 erscheinen im "Deutschen Taschenbuch" "Einundzwanzig Liebeslieder" und "Feueridylle" und im Mai diesen Jahres erscheint im Verlag Carl Winter in Heidelberg Kellers erste Buchpublikation "Gedichte".

Im Sommer diesen Jahres unternahm Gottfried Keller gemeinsam mit dem Komponisten Xaver Schnyder von Wartensee und anderen eine Reise nach Graubünden. Am 7. September 1846 erscheint der erste einer Reihe kunst- und literaturkritischer Artikel in der "Neuen Zürcher-Zeitung".

Gottfried Keller hatte sich nunmehr endgültig gegen die Malerei entschieden, doch lebte er noch immer, abgesehen von den Honoraren für die Publikationen, vom Geld seiner Mutter. Ordnung in sein Leben zu bringen versuchte Gottfried Keller im Sommer 1847, als er als Volontär in der Staatskanzlei des Kantons Zürich arbeitete ebenfalls in diesem Jahr bot er Carl Winter seinen erst projektierten Roman (Der grüne Heinrich) zum Verlag an.

Im Mai 1847 macht Gottfried Keller die Bekanntschaft mit der Winterthurerin Luise Rieter, der Keller im Oktober brieflich seine Liebe erklärt. Wie auch Marie Melos so konnte auch Luise Rieter, dem kleingewachsenen, nur 1,50 Meter großen Keller nicht die rechte Zuneigung entgegenbringen. Ähnliches sollte sich später in Heidelberg und Berlin, mit Johanna Kapp und Betty Tendering wiederholen.

In den "Blättern für literarische Unterhaltung" erscheint am 3. August 1847 die erste von mehreren Rezensionen Kellers.

Das Jahr 1848 brachte für Keller eine entscheidende Wendung, die Züricher Regierung, aufmerksam geworden durch seine Aufsätze zu Literatur und Kunst, die im Cottaischen Kunstblatt, in der Neuen Züricher Zeitung und in den Blättern für literarische Unterhaltung erschienen waren, verlieh ihm ein Stipendium für einen Studienaufenthalt in Heidelberg.

Gottfried Keller reist vom 19. - 22. Oktober 1848 nach Heidelberg wo er sich bis zum April 1850 aufhielt, geradezu überwältigt war er von Ludwig Feuerbach, der dort philosophische Vorlesungen hielt.

Bereits am 4. Januar 1849 hatte Gottfried Keller Brockhaus den "Grünen Heinrich" zum Verlag angeboten. Im selben Jahr gesteht er Johanna Kapp seine Zuneigung, die jedoch Ludwig Feuerbach liebt.

Im Dezember 1849 erscheint in den "Blättern für literarische Unterhaltung" die erste von 4 Gotthelf-Rezensionen und am 28. Februar des darauf folgenden Jahres sendet Keller den Anfang des "Grünen Heinrich" an den Verleger Vieweg. Ein weiteres Stipendium des Kantons Zürich ermöglichte Keller, im April 1850 nach Berlin zu gehen.

Er verkehrte in den literarischen Salons der Fanny Lewald und Varnhagen von Ense, ansonsten aber war er geradezu manisch produktiv. Im Dezember 1851 erscheinen bei Vieweg in Braunschweig "Neuere Gedichte". 1852 verkauft Kellers Mutter ihr Haus, um ihren Sohn weiter finanziell unterstützen zu können.

Am 5. November 1853 sendet Keller die Anfänge der "Galatea-Novellen" und die erste Fassung des "Apotheker von Chamouny" an Vieweg und im Dezember diesen Jahres werden die Bände 1 bis 3 des "Grünen Heinrich" werden ausgeliefert.

1854 begegnet Keller Betty Tendering, aber auch diese Liebe bleibt einseitig. Am 7. Februar 1854 erhält Keller das Angebot einer Professur für Literatur am Neugegründeten Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich. Im Juni 1855 wird der 4. Band des Grünen Heinrich ausgeliefert und Keller beginnt mit der Niederschrift des ersten Bandes der "Leute von Seldwyla", darüber hinaus plante er bereits das "Sinngedicht", die "Sieben Legenden", den zweiten Band der "Leute von Seldwyla" und auch eine der "Züricher Novellen".

Im Dezember 1855 kehrte er nach Zürich zurück, um, wie er sich vornahm, "eine ordentliche und geregelte Industrie zu betreiben. Rohstoff hat sich genug angesammelt während der sieben Jahre in der Wüste". Aus dem Vorsatz aber wurde nichts.

1856 erschien bei seinem Braunschweiger Verleger Vieweg der erste Teil der "Leute von Seldwyla", deren Fertigstellung sowie die des Sinngedichts, zu der er sich vertraglich verpflichtet hatte, unterblieben jedoch. Am 17. April 1856 erschien eine Besprechung der im Januar bei Vieweg erschienenen "Leute von Seldwyla" durch Berthold Auerbach.

Er wohnte wieder bei seiner Mutter und seiner Schwester; in der ersten Zeit hatte er Umgang mit Friedrich Theodor Vischer, Richard Wagner und Gottfried Semper, bald aber fiel er in eine schwere depressive Phase und Schaffenskrise.

Im Juli 1857 begegnet Keller erstmals Paul Heyse und im November des gleichen Jahres lehnt er eine Sekretärsstelle beim Kölner Kunstverein ab. 1859 ist Keller Mitglied des Festausschusses für die Zürcher Schillerfeier. Das "Fähnlein der sieben Aufrechten" erscheint im September 1860 in "Berthold Auerbach's deutschem Volks-Kalender auf das Jahr 1861" . Im September und Oktober diesen Jahres beteiligt sich Keller an der erfolglosen gegen die Anhänger Eschers gerichteten Nationalratswahlkampagne.

Am 16. Oktober 1860 beginnt die Artikelserie über die Motive der Zürcher Oppositionsbewegung im Berner "Bund" zu erscheinen. Im März des darauf folgenden Jahres erscheint die Artikelserie gegen Eschers "System" und die "Neue Zürcher-Zeitung" im "Zürcher Intelligenzblatt" und im April "Am Mythenstein" im "Morgenblatt für gebildete Leser".

Am 14. September 1861 wurde Keller völlig überraschend zum ersten Staatsschreiber des Kantons Zürich gewählt. Das Amt, welches er bereits am 23. September antrat, verhalf ihm nicht nur zur materiellen Sicherung seiner Existenz. Im Dezember bezog Keller gemeinsam mit seiner Mutter und Schwester die Amtswohnung an der Kirchgasse und am 15. Dezember wurde Keller in den den Großen Rat (Kantonsparlament) gewählt.

Im September 1862 erschien die Erzählung "Verschiedene Freiheitskämpfer" in "Berthold Auerbach's deutschem Volks-Kalender auf das Jahr 1863". Am 20. September 1863 wurde die erste von insgesamt 4 von Keller verfassten Bettagsmandaten der Regierung veröffentlicht. Im Dezember 1864 erscheint der Erste von vier Artikeln über die Zürcher Verfassungsrevision in der Berner "Sonntagspost". Im Oktober 1865 wurden die "Mißbrauchten Liebesbriefe" in der "Deutschen Reichszeitung" veröffentlicht.

Einen tragischen Ausgang nahm seine im Mai 1866 geschlossene Verlobung mit Luise Scheidegger, einer schwermütigen Frau, die am 13. Juli 1866, als sie durch Schmähartikel von Kellers nicht ganz solidem Lebenswandel erfuhr, Selbstmord beging. Bereits am 5. Februar 1864 war Kellers Mutter gestorben, seine Schwester führte ihm nun alleine den Haushalt.

Am 20. Mai 1866 schreibt Keller erstmals seit 1847 wieder für die NZZ (Die "Rückblicke" - und die Akten).

Mit großem Pomp beging die Stadt Zürich am 19. Juli 1869 Kellers 50. Geburtstag, die Universität verlieh ihm die Ehrendoktorwürde. Die Ehrung galt dabei keineswegs dem im deutschsprachigen Raum noch immer relativ unbekannten Prosaisten, sondern dem schweizerischen Patrioten und Liederdichter.

Mit der Veröffentlichung der "Sieben Legenden" die im März 1872 bei Göschen (Ferdinand Weibert) erscheinen, wurde Keller über die Grenzen der Schweiz hinaus bekannt, sein Ruhm wuchs, die Auflage seiner bis dahin eher erfolglosen Bücher stieg.

Kellers Trinkspruch anlässlich des Abschiedsbanketts für Adolf Gusserow am 30. März 1872 über einen in ferner Zukunft möglichen Anschluss der Schweiz an Deutschland sorgt für zahlreiche Kritik.

Am 10. April 1873 macht Keller Lina Weißert einen Heiratsantrag. Gemeinsam mit den Geschwistern Exner macht Keller im September 1873 Ferien am Mondsee. Im Herbst diesen Jahres erscheinen bei Göschen die Bände 1-3 der erweiterten Neuauflage der "Leute von Seldwyla" und im November 1874 Band 4.

Nachdem Keller 1874 zu den Geschwistern Exner nach Wien gereist war, bezieht er im April 1875 gemeinsam mit seiner Schwester Regula eine Wohnung außerhalb der Stadt auf dem Bürgli. Im November diesen Jahres erscheint bei Göschen eine Miniaturausgabe von "Romeo und Julia auf dem Dorfe".

Nach seiner Demission als Staatsschreiber am 30. März 1876 widmete er sich ganz der Schriftstellerei. Von November 1876 bis April 1877 erscheinen die "Züricher Novellen" als Teildruck in der "Deutschen Rundschau" und im Dezember 1877 als Buchpublikation bei Göschen.

Keller wendet sich im Dezember 1878 öffentlich gegen eine Diffamierungskampagne, welche den Chefarzt der psychiatrischen Klinik Burghölzli, Professor Hitzig, zum Rücktritt veranlasst.

Etwa ein Jahr später deutete er zum ersten Mal an, den "Grünen Heinrich" grundlegend umzuarbeiten, 1879/80 erschien die revidierte Fassung im Stuttgarter Verlag Göschen. 1880 und 1881 vollendete er schließlich das Sinngedicht, an dem er bereits von 1853 bis 1857 gearbeitet hatte, und das von Januar bis zum Mai 1881 als Vorabdruck in der "Deutschen Rundschau" und im November diesen Jahres als Buch bei Wilhelm Hertz erschien.

Im März 1882 erscheint in der Zeitschrift "Nord und Süd" ein überarbeiteter Auszug des "Apotheker von Chamounix" und im Juni Otto Brahms Keller-Essay in der "Deutschen Rundschau". Im Oktober diesen Jahres zieht Keller an den Zeltweg 27 in Zürich-Hottingen.

Im November 1883 erscheinen bei Wilhelm Hertz die "Gesammelten Gedichte" letzterer erwirbt 1885 Ferdinand Weiberts Verlagsrechte und wird Kellers Exklusivverleger. Bereits am 30. September 1884 hatte ihn Friedrich Nietzsche besucht.

Kellers letztes Werk, der Roman "Martin Salander", entstand in den Jahren 1885/86, und erschien von Januar bis September 1886 als Vorabdruck in der "Deutschen Rundschau" und als Buch in fünf Auflagen bei Wilhelm Hertz. Ab Juli 1889 erschien bei Wilhelm Hertz die zehnbändige Ausgabe der "Gesammelten Werke".

Abgesehen von wenigen Freundschaften zu Adolf Exner, zu Wilhelm Petersen, zu Paul Heyse, später zu Arnold Böcklin, und seit Februar 1871 zu Emil Kuh, seit dem 6. Januar 1874 zu Josef Viktor Widmann und seit dem 27. März 1877 zu Theodor Storm, mit denen er brieflich verkehrte, vereinsamte Keller in seinen späten Jahren zunehmend.

Er führte mit seiner Schwester Regula, die am 6. Oktober 1888 starb, ein eher abgeschiedenes Leben.

Keller verbrachte seinen 70. Geburtstag zurückgezogen in Seelisberg am Vierwaldstättersee und zu Beginn des Jahres 1890 wurde er bettlägerig. Nach sechsmonatiger Krankheit starb Gottfried Keller am 15. Juli 1890 in Zürich.


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