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Siegfried Lenz

* 17.03.1926 - † 07.10.2014


Siegfried Lenz wurde am 17. März 1926 in Lyck als Sohn eines Zollbeamten geboren.

Lenz wird während des II. Weltkrieges Mitglied der Hitlerjugend und schließt 1943 seine Ausbildung mit dem Kriegsabitur ab. Ebenfalls in diesem Jahr wurde er zur Kriegsmarine eingezogen, zu Beginn vom Krieg begeistert, wandelt sich dieses Bild sehr schnell. und geriet später in amerikanische Kriegsgefangenschaft. 1945 desertiert Lenz in Dänemark, kurz vor dem Zusammenbruch, und kommt dadurch in englische Gefangenschaft. Hier wird Lenz Dolmetscher einer englischen Entlassungskommission.

Nach dem Krieg mit Hunderttausenden anderen Ostdeutschen aus seiner Heimat vertrieben, ließ sich Lenz 1945 in Bargteheide bei Hamburg nieder. Hier beginnt Lenz sein Studium der Philosophie, Literaturgeschichte und Anglistik an der Universität in Hamburg mit dem Ziel, Lehrer zu werden. Neben dem Studium versucht er sich als Schwarzhändler mit dem Verkauf von Zigaretten über Wasser zu halten.

1948 bricht Lenz sein Studium ab und im darauf folgenden Jahr heiratet er. Gleichzeitig begann er Kurzgeschichten zu schreiben und war er journalistisch tätig, unter anderem von 1950 bis 1951 als Redakteur für die Tageszeitung Die Welt.

1951 wurde Lenz freier Schriftsteller und im darauf folgenden Jahr wurde er Mitglied der Gruppe 47. Junge Autoren wie Paul Celan, Günter Grass, Heinrich Böll und Ingeborg Bachmann lasen sich gegenseitig ihre neuen, noch unveröffentlichten Manuskripte vor und unterzogen sich der kritischen Beurteilung ihrer Kollegen.

Bereits sein Romanerstling "Es waren Habichte in der Luft", der 1951 erschien setzt sich Lenz mit dem Nationalsozialismus auseinander und versucht seine Erlebnisse des Krieges und der Nachkriegszeit zu verarbeiten. Dieser Roman machte Lenz in der literarischen Öffentlichkeit bekannt und brachte ihm mehrere Literaturpreise ein.

1952 wird Lenz im Rahmen der Verleihung des Rene´Schickele-Preises geehrt und 1953 erhält er für "Es waren Habichte in der Luft" und "Duell mit dem Schatten" das Stipendium des Hamburger Lessing Preises.

1955 veröffentlichte Lenz den Erzählband "So zärtlich war Suleyken". Auch diese unterhaltsamen kurzen Märchen, Anekdoten und Schelmenstücke handeln von seiner Heimat, von den Menschen in Masuren mit ihren Traditionen und Lebensformen. Wie zu erwarten, stieß Lenz auf eine breite Leserschaft, vor allem bei den zahlreichen Heimatvertriebenen in der Bundesrepublik Deutschland. Einige der Erzählungen aus diesem Band wurden 1972 mit großem Erfolg für das Fernsehen verfilmt.

Mit seinem zuerst als Hörspiel gesendeten Theaterstück "Die Zeit der Schuldlosen" (1961; 1962 als Hör- und Fernsehspiel), für das er 1961 den Gerhart-Hauptmann-Preis der Freien Volksbühne Berlin erhielt, war Lenz war auch als Dramatiker erfolgreich. Ebenfalls in diesem Jahr erhielt er den Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen, den Ostdeutschen Literaturpreis und 1962 den Georg-Mackensen-Literaturpreis.

Seinen größten Erfolg zeichnen jedoch seine Romane. Bestimmendes Thema seiner folgenden Romane "Duell mit dem Schatten" (1953), "Der Mann im Strom" (1957), "Brot und Spiele" (1959) und "Stadtgespräch" (1963) ist die Einsamkeit des modernen Menschen in einem sozialen und politischen Umfeld, auf das er als einzelner kaum Einfluss hat. Ab 1965 nahm Lenz an den Wahlkämpfen der SPD teil. Im darauf folgendem Jahr wurde ihm der Große Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für den Literatur-"Jahrgang 1926" verliehen.

Seinen größten Erfolg als Schriftsteller konnte Lenz 1968 mit seinem Roman "Deutschstunde" feiern. In diesem Roman wird die NS-Vergangenheit aus der Perspektive eines Jugendlichen dargestellt. "Deutschstunde" handelt von Siggi Jepsen, einem Insassen einer Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche, der im Deutschunterricht einen Aufsatz mit dem Thema "Die Freuden der Pflicht" verfassen muss. Weil ihm zu diesem Thema absolut nichts einfällt, gibt er ein leeres Blatt ab. Daraufhin lässt man ihn den Aufsatz in Klausur schreiben. Mit dem schlichten Satz "Sie haben mir eine Strafarbeit gegeben", beginnt der Roman. Siggi wählt - wie sollte es bei Lenz auch anders sein - ein Thema aus der Vergangenheit. Der Aufsatz entwickelt sich zur Auseinandersetzung mit der Kindheit: Siggi erzählt von seinem Vater, der die Pflicht über die Freundschaft stellt und seinen Jugendfreund bespitzelt. Das Schreiben wird für Siggi zu einer Spurensuche nach der eigenen Identität, zu einer Art Erinnerungsarbeit, um sich selbst zu finden.

1968 unternimmt Lenz eine Vortragsreise, zu seinem Roman "Deutschstunde", durch Australien und im folgenden Jahr besuch Lenz während einer Amerikareise, ein Gastsemester über europäische Nachkriegsliteratur an der University of Houston/Texas.

Auf Einladung von Willy Brandt, reist Lenz 1970 zur Unterzeichnung des deutsch-polnischen Vertrages nach Warschau und ist maßgeblich an der Gründung der Wählerinitiative Nord (WIN) beteiligt.

Mit dem Roman "Heimatmuseum", in dem er sich mit seiner masurischen Heimat auseinander setzt, ist Lenz 1978 ein weiteres und viel beachtetes Meisterwerk gelungen.

Mit seinen Romanen "Das Vorbild" (1973), "Der Verlust" (1981), "Exerzierplatz" (1985), "Die Klangprobe" (1990) und "Die Auflehnung" (1994) stellte er sich in den Kontext einer engagiert-kritischen Schreibtradition. Die Technik der retrospektiven Analyse prägt auch seine Erzählsammlungen, so "Jäger des Spotts" (1958), "Das Feuerschiff" (1960), "Stimmungen der See" (1962), "Der Spielverderber" (1965) und "Einstein überquert die Elbe bei Hamburg" (1975) sowie den Roman "Arnes Nachlass" (1999).

Weitere Seiner Dramen sind "Das Gesicht" (1963), "Die Augenbinde" (1970) und "Nicht alle Förster sind froh" (1973) - sowie die Hörspiele "Das schönste Fest der Welt" (1956; Fernsehfilm 1969), "Die Haussuchung" (1963), "Der Gesandte" (1964), "Die Glücksfamilie des Monats" (1964), "Die Enttäuschung" (1966), "In fremder Sache" (1966) und "Das Labyrinth" (1967). Für den Fernsehfilm "Ein Kriegsende" (1984) schrieb Lenz das Drehbuch.

1988 erhielt Lenz den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 1999 den mit 50 000 DM dotierten Goethepreis der Stadt Frankfurt.

Siegfried Lenz lebt heute als freier Schriftsteller in Hamburg.


Zitate von Siegfried Lenz


Die Aphorismen dieses Autoren dürfen auf Grund der Beschränkungen durch das Urheberrechtsgesetz erst nach dem 07.10.2084 veröffentlicht werden!


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