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Alphonse de Lamartine

* 21.10.1790 - † 28.02.1869


Alphonse-Marie Louis Prat de Lamartine wurde am 21. Oktober 1790 in Mâcon geboren. Seine Kindheit verbringt Lamartine zusammen mit seinen sechs Schwestern auf dem elterlichen Landsitz Milly bei Mâcon in beinahe bäuerlichen Verhältnissen. Von seiner Mutter sowie dem Pfarrer der Dorfschule des Nachbardorfes Bussières erhält er eine streng katholische Erziehung.

1801 schicken ihn die Eltern in ein Internat in Lyon, aus dem er jedoch 1802 ausreißt. 1803 tritt er in das "collège de Belley" ein, das von den "Pères de la Foi" (einem ehemaligen Jesuiten) geführt wird. Besonders gut schneidet er in den Fächern Rhetorik und Philosophie ab, in dieser Zeit verfasst er erste Verse und setzt sich mit den großen Autoren des 18. Jahrhunderts, vor allem mit Rousseau auseinander.

In den Jahren von 1808 bis 1811 führt er auf Milly das Leben des müßigen Landadels. Er wird Mitglied der Akademie von Mâcon. 1811 schicken ihn seine Eltern, die seine Heiratspläne zu vereiteln versuchen, auf eine beinahe einjährige Italienreise. In Neapel, wo er sich die längste Zeit aufhält, lernt er Antonia Iacomino kennen, die ihn zu verschiedenen Gedichten, hauptsächlich zu "Graziella" inspiriert.

Zurück in Milly lässt er sich, um der Einberufung zu entgehen, 1812 zum Bürgermeister wählen. Aus einer Affäre mit Nina de Pierreclau wird 1813 der Sohn Léon geboren. Lamartine schreibt eine erste Version des "Saül", einer biblischen Tragödie.

Nach dem Fall Napoléons und dem Scheitern des "Empire", tritt Lamartine 1814 in die Leibwache von Ludwig XVIII ein. Ende 1815 quittiert er aus gesundheitlichen Gründen den Militärdienst bereits wieder.

Während einer Kur in Aix-les-Bains, lernt er 1816 Julie Charles, die Frau eines berühmten Physikers kennen, in die er sich leidenschaftlich verliebt. Ein geplantes Treffen im darauf folgenden Jahr scheitert an der Krankheit Julies, die noch im Dezember 1817 stirbt. Der Schmerz über den Verlust dieser Liebe, sowie der Versuch, im Glauben von neuem seinen Seelenfrieden zu erlangen, finden ihren Ausdruck in den "Méditations", Lamartines berühmtestem dichterischen Werk, in dem Julie Charles in der Figur der unbekannten Toten "Elvire" zu erkennen ist.

1820 erscheint mit großem Erfolg eine erste Ausgabe der "Méditations poétiques" (dt. Poetische Betrachtungen), die schnell internationale Beachtung finden. Noch im selben Jahr wird Lamartine zum Botschaftssekretär für Neapel ernannt. Seine Stellung erlaubt es ihm jetzt endlich zu heiraten. Die Wohlsituierte Engländerin Ann Eliza Birch, eine Protestantin, die er schon längere Zeit kennt, wird seine Frau. 1821 wird sein Sohn Alphonse geboren, und Lamartine lässt sich unbefristet beurlauben. 1822 kommt seine Tochter Julia zur Welt und im selben Jahr stirbt sein Sohn Alphonse.

Die Zeit der Jahre von 1820 bis 1830 ist geprägt von Reisen und großer dichterischer Aktivität. 1825 wird Lamartine, zusammen mit Victor Hugo zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Die Jahre von 1826 bis 1829 verbringt er als Gesandtschaftssekretär in Florenz.

In Italien entstehen, unter dem Eindruck der toskanischen Landschaft, die "Psaumes modernes", die später zu den "Harmonies poétiques et religieuses" (dt. Poetische und religiöse Harmonien) werden. Bereits 1830 wird Lamartine in die Académie française aufgenommen.

Durch die Julirevolution desselben Jahres und die Abdankung Karls X. beginnt für Lamartine nun eine 20jährige Periode der politischen Aktivität und damit ein weitgehender Rückzug vom dichterischen Schaffen. Schon seit längerem dem Liberalismus zugewandt, spricht er sich für die neue Regierung aus und legt seine politischen Ansichten in der "Réponse à Némésis" (1831) sowie in der Broschüre "Sur la Politique Rationelle" und in der "Ode sur les Révolutions" nieder. Er scheitert jedoch bei dem Versuch, sich zum Abgeordneten wählen zu lassen und unternimmt daraufhin eine längere Reise in den Orient. Auf dieser Reise, auf der er vor allem in Palästina versucht, seinen Glauben zu erneuern, stirbt seine Tochter Julia. In dem Gedicht "Gethsémani" verarbeitet er dieses traurige Ereignis.

Noch während seiner Reise wird er schließlich 1833 in Abwesenheit doch noch zum Abgeordneten gewählt. Bis 1851 führt er sein Amt mit großem Engagement aus, wobei er sich, parteilos, immer mehr auf die linke Seite im politischen Spektrum zubewegt und zu einem der Führer der Opposition avanciert.

Nach der Februarrevolution 1848 steht Lamartine schließlich an der Spitze der provisorischen Regierung, die die Republik ausruft. Berühmt ist insbesondere sein Manifest vom 6. März 1848. Der Tag der Eröffnung der neuen Konstituente (4.März), in die er in zehn Departements gewählt war, wird für ihn zu einem ruhmreichen Triumphtag. Auf Grund seiner demokratischen Prinzipien, weigert sich Lamartine, dieses Amt alleine auszuführen, eine Entscheidung, die ihn schließlich zum politischen Scheitern verurteilen wird. Im Dezember 1848 verliert er die Wahl um das Präsidentschaftsamt mit einem überaus deutlichen Ergebnis gegen den Prinzen Louis-Napoléon Bonaparte.

Nach dem Staatsstreich vom 1851 tritt er, kaum beachtet, ganz von der Staatskarriere zurück. Die letzten 20 Jahre im Leben Lamartines sind daraufhin von einem finanziellen Überlebenskampf geprägt. Durch seine politischen Aktivitäten hoch verschuldet, sieht er sich nun gezwungen, mit literarischen Veröffentlichungen Geld zu verdienen. Er schreibt vor allem Romane für die niederen Bildungsschichten und Geschichtswerke, die jedoch mit wenigen Ausnahmen nicht mehr das Niveau seiner großen Dichtungen erlangen.

Zwischen 1860 und 1866 veröffentlicht er sein Gesamtwerk in 41 Bänden. Trotzdem sieht er sich bald gezwungen, den elterlichen Besitz in Milly zu verkaufen, ein Haus in Passy zu beziehen. Erst 1867 wird ihm per Gesetz die lebenslängliche Rente eines Kapitals von 500 000 Franc zugebilligt, Lamartine selbst empfand dies als große Erniedrigung.

Am 1. März 1869 stirbt Alphonse-Marie Louis Prat de Lamartine in Passy. Die Familie lehnt ein Staatsbegräbnis ab. Nach seinem Tode wurde ihm 1889 unter großen Feierlichkeiten in Passy eine Statue errichtet.


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