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Johann Kaspar Lavater

* 15.11.1741 - † 02.01.1801


Johann Caspar Lavater wurde am 15. November 1741 in Zürich, im Haus "Zum Waldries", als zwölftes Kind geboren. Sein Vater war Arzt und Pfleger des Stiftes zum Grossmünster. Seine Mutter, eine geborene Escher vom Glas, also aus bestem Haus. Lavater verbrachte den überwiegenden Teil seines Lebens in Zürich.

Als Kind aus gutbürgerlichem Haus besuchte Lavater die in Zürich für Knaben vorgesehenen Schulen. Er besuchte zuerst die deutsche Schule, am Wolfsbach, und ab 1747 mit sechs Jahren die Lateinschule am Grossmünster. Von 1754 bis 1756 folgten zwei Jahre am Collegium Humanitas am Fraumünster in Zürich. Mit fünfzehn begann die sechsjährige Ausbildung am Collegium Carolinum, dem Vorläufer der erst 1833 gegründeten Universität Zürich. Hier wurde in den letzten zwei Jahren, seines von 1756 bis 1762 dauernden Studiums der Theologie, Philosophie und Pädagogik, eine mehr oder weniger reine Theologenausbildung geboten. er am Collegium Carolinum in Zürich. Während der Studienzeit begann Lavater nun ausführlich, sich schreibend mitzuteilen. Seine Lehrer am Carolinum waren unter anderem Johann Jacob Bodmer und Johann Jacob Breitinger.

1762 erfolgte seine Ordination. Nach Abschluss des Theologiestudium wirkte als Prediger in seiner Heimatstadt an der dortigen Sankt-Peters-Kirche. Im August des Jahres 1762 sorgte er für einen Kleinstadtskandal und zog sich den Zorn der Aristokratie zu. Diese unter dem Begriff "Grebelhandel" in die Geschichte eingegangene Affäre ist wohl eine der bekanntesten aus dem Zürich des 18. Jahrhunderts.

Lavater, Felix Hess und Heinrich Füssli (der spätere Maler) klagten 1762 anonym den Landvogt Felix Grebel seiner korrupten Vergehen während der Amtszeit als Landvogt in Grüningen an. Grebel, Schwiegersohn des amtierenden Bürgermeisters Leu, wurde in einem Schreiben aufgefordert, sein Vergehen einzugestehen und die betroffene Bevölkerung für das angetane Leid zu entschädigen. Grebel ging auf diese Aufforderung nicht ein, und so wurde die Geschichte publik. Felix Grebel wurde nun öffentlich angeklagt und nach einem Gerichtsverfahren auch bestraft und des Landes verwiesen. Die stadtstaatliche Obrigkeit von Zürich hatte also Recht gesprochen, doch auch die anonymen Ankläger mussten vor den Rat, um dort Abbitte zu leisten, denn ihr Vorgehen war zwar richtig, hatte aber nicht der verlangten Ordnung entsprochen.

Nach diesem Skandal in Zürich, der die Gemüter doch recht zu bewegen vermocht hatte, und von dem Bodmer als einem "Exempel des Patriotisme" sprach, wo "Jünglinge alte Männer aus dem Schlafe geweckt haben", schien es den Familien der drei Expektanten sinnvoller, diese für einige Zeit aus der Stadt zu schicken, um die Wogen wieder glätten zu lassen, denn Lavater, Füssli und Hess waren ja zu Pfarrern ausgebildet worden und wollten eigentlich auch hier in Zürich eine Amtsstelle besetzten, was nach einer solchen Dreistigkeit und bei dem anhaltenden Pfarrerüberschuss (diese Bildungssystem warf jedes Jahr gut zwanzig neue Pfarrer aus) nicht unbedingt leicht war.

Lavater, Hess und Füssli verließen daher im Frühling 1763 die Limmatstadt Richtung Deutschland. Nach vielen Besuchen und neuen Bekanntschaften und fast einem Monat Aufenthalt in Berlin, erreichten sie ihr Ziel, das kleine Barth in Schwedisch-Pommern, wo der Aufklärungstheologe Johann Joachim Spalding wirkte, dessen "Bestimmung des Menschen" und dessen Predigten sie gelesen hatten. Auf dieser Reise vermittelte ihm sein Begleiter, der Berliner Schriftsteller Johann Georg Sulzer die Bekanntschaft der Größen der Zeit, unter ihnen Gellert, Friedrich Klopstock, Moses Mendelssohn und Friedrich Nicolai.

Im März 1764 kehrten Lavater und Felix Hess nach Zürich zurück (Heinrich Füssli verließ Deutschland Richtung Norden, um sich in England (später auch in Rom) als Maler ausbilden zu lassen). In Zürich wartete auf die beiden Zurückkehrenden aber keine freie Pfarrstelle, auch keine auf dem Land, wie Lavater sich das eigentlich gewünscht hätte. So wohnte Lavater weiterhin im Elternhaus und wurde nun immer stärker schriftstellerisch tätig. Lavater predigte nur gelegentlich, publizierte und übersetzte aber um so fleißiger im Sinne einer milden Aufklärungstheologie.

Im Jahr 1765 erscheinen der erste Band der "Auserlesene[n] Psalmen Davids" und - anonym - der erste Band der Wochenschrift "Der Erinnerer". Mit dem späteren Obmann Johann Heinrich Füssli gab Lavater diese moralische Wochenschrift heraus. Sie sollte die Sitten in Zürich unter die Lupe nehmen, aber auch neue patriotische, religiöse und philosophische Gedanken wöchentlich - nicht immer nur zur Freude der Obrigkeit - einbringen. Ziel des "Erinnerers" war, wie bei der Wochenschrift Bodmers und Breitingers, den "Discoursen der Mahlern", die moralische Verbesserung der Gesellschaft zu bewirken. Erstaunlicherweise hielt diese doch recht freie politische Wochenschrift gut zwei Jahre durch, fiel der Zensur erst mit dem zu politisch geprägten "Bauerngespräch" zum Opfer.

Einer seiner engsten Briefwechsel begann Lavater anfangs der 60iger Jahre mit dem Brugger Arzt Johann Georg Zimmermann. Eben diesen Zimmermann hatte Lavater 1765 in der "Helvetischen Gesellschaft" in Schinznach kennen gelernt. Im Juni 1766 heiratet Lavater seine Frau Anna Schinz.

1768 stirbt Lavaters enger Freund Felix Hess. Im gleichen Jahr zieht der väterliche Freund Johann Georg Zimmermann von Brugg nach Hannover, um dort die Stelle des "Königlich Grossbrittannischer Leibarztes" anzutreten. Lavaters theologische Auffassungen schlugen sich vor allem in seinem vierteiligem Hauptwerk, den zwischen 1768 und 1778 erschienenen "Aussichten in die Ewigkeit", nieder, in denen er das Thema Leben nach dem Tod aufgriff.

Während Johann Wolfgang von Goethe und Johann Gottfried Herder Lavater nach anfänglichem Interesse als Schwärmer belächelten, übte er größeren Einfluss auf die Baseler Christentumsgesellschaft, eine Keimzelle der späteren Erweckungsbewegung, aus. Lavater beschäftigte sich zudem mit Physiognomik und glaubte, aufgrund von Körpermerkmalen auf den Charakter eines Menschen schließen zu können.

Lavater hatte einen Hang zu Intoleranz und Proselytismus, von dem auch Goethe nicht verschont blieb. 1769/70 provozierte Lavater einen allgemein als peinlich empfundenen Streit, als er Moses Mendelssohn öffentlich aufforderte, entweder die Überlegenheit des Christentums zu beweisen oder zurückzutreten. Dies brachte ihm scharfe Polemik von Seiten Friedrich Nicolais und Georg Christoph Lichtenbergs ein.

1769 erhielt Lavater dann eine Stelle als Diakon an der Züricher Waisenhauskirche. Zu seinen Dienstpflichten gehörte neben der Betreuung der Waisenkinder und der abendlichen und sonntäglichen Predigt auch die Seelsorge für die Zuchthausinsassen. In diese Zeit fiel seine literarisch produktivste Phase.

1771 erschien anonym in Leipzig ein "Geheimes Tagebuch. Von einem Beobachter seiner Selbst". Lavater hatte das Manuskript dem Freund Georg Joachim Zollikofer zugeschickt. Dieser hatte die Lavater als Autor kennzeichnenden verfänglichen Stellen herausgestrichen und das Tagebuch, mit einem Vorbericht versehen, drucken lassen. Natürlich dauerte es nicht lange, bis der Zürcher Pfarrer und Autor der "Aussichten" erkannt war. Da das literarische Interesse am Geheimen Tagebuch anhaltend sehr groß war, gab Lavater die Fortsetzung seiner Tagebuchnotizen 1773 selbst als "Unveränderte Fragmente aus dem Tagebuch eines Beobachters seiner Selbst" heraus. Dieses zweite Tagebuch Lavaters hat aber bei weitem nicht mehr den spontan-offenen Charakter des ersten erreicht.

1774, während einer Rheinreise zur Kur nach Bad Ems, folgten weitere persönliche Begegnungen mit Persönlichkeiten dieser Zeit unter anderem mit Lenz, Friedrich Heinrich Jacobi, Klettenberg, Basedow, Jung-Stilling, Samuel Collenbusch und Johann Gerhard Hasenkamp.

1775 rückte Lavater in die Stelle des Pfarrers an der Waisenhauskirche auf. Nach umfangreichen Vorarbeiten (Von der Physiognomik, 1772) veröffentlichte er in den Jahren von 1775 bis 1778 sein in vier Bänden erscheinendes Hauptwerk "Physiognomischen Fragmenten. Zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe". In Zusammenarbeit mit Johann Wolfgang von Goethe und Johann Gottfried Herder versuchte Lavater nachzuweisen, dass man aus Gestalt und Haltung eines Menschen auf seine Seele schließen könne. Um überhaupt physiognomische Studien betreiben zu können, musste man eine möglichst genaue Wiedergabe des Gesichtes, vor allem aber des Profils herstellen. Die billigste und präziseste Methode war der Schattenriss. Sowohl unter Spätpietisten als auch unter Aufklärern genoss er bereits in diesen Jahren einen hohen Bekanntheitsgrad.

Im Mai 1778 hielt er seine Abschiedspredigt an der Waisenhauskirche und wirkte fortan als Diakon in der größten Kirchengemeinde Zürichs, Sankt-Peters-Kirche. Er widmete sich nun verstärkt der Bibelauslegung und veröffentlichte mehrere religiöse Dichtungen. Als Prediger war er bald weit über Zürich hinaus bekannt und wurde häufig zu Gastpredigten gebeten, so auf seinen Reisen nach Offenbach 1782 und 1783 sowie nach Göttingen und Bremen 1786.

Zeit seines Lebens blieb Lavater seiner Heimatstadt stark verbunden und lehnte daher 1786 eine Pfarrstelle in Bremen ab. Wenig später, im Februar 1787, konnte er an Sankt-Peters-Kirche eine Pfarrstelle antreten. Als Mitglied des Ehegerichts, als Schulherr und als Examinator übernahm er nun auch gesamtkirchliche Aufgaben und Kirchenleitende Funktionen. Den revolutionären Tendenzen in Frankreich stand Lavater mit Sympathie gegenüber. Seine Predigten erhielten in den neunziger Jahren aufgrund der Wirkungen der Revolution auf Zürich einen stärker staatsbürgerlichen Charakter.

1793 führte ihn seine letzte große Reise nach Kopenhagen, die dort durchgeführten Versuche mit Geisterseherei und Traumdeutung brachten ihm vielfache Kritik ein. Auf der Suche nach außerordentlichen religiösen Erfahrungen knüpfte Lavater auch Kontakte zu dem Exorzisten Johann Joseph Gaß und dem Scharlatan Cagliostro und wandte sich dem animalischen Magnetismus zu.

Seit dem Ausbruch der Französischen Revolution äußerte sich Lavater verstärkt auch politisch und kritisierte die Invasion französischer Truppen in die Schweiz im Dezember 1797 und wandte sich gegen die Schärfe der Besatzungsmaßnahmen. Ein weiterer Protest gegen die Festnahme mehrerer Ratsmitglieder führte Mitte Mai 1799 zu seiner eigenen Verhaftung und dreimonatigen Überstellung nach Basel.

Nach seiner Rückkehr wurde Lavater bei der erneuten Einnahme Zürichs durch französische Truppen am 26. September 1799 angeschossen. Anderthalb Jahre später am 2. Januar 1801 starb Johann Caspar Lavater im Alter von 59 Jahren in Zürich an den Folgen der Verletzung.


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