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Ferdinand Vicomte de Lesseps

* 19.11.1805 - † 07.12.1894


Ferdinand Marie Vicomte de Lesseps wurde am 19. November 1805 in Versailles geboren.

De Lesseps trat 1825 in die diplomatische Laufbahn als Attaché des Generalkonsuls zu Lissabon ein. Von 1827 bis 1828 arbeitete er in der Handelsabteilung des Außenministeriums und ging 1828 als Konsulatsattaché nach Tunis.

1832 ging de Lesseps als Vizekonsul nach Kairo, wo er bis 1838 blieb. Seitdem verwaltete er nacheinander die Konsulate zu Rotterdam, Málaga und Barcelona und wurde im April 1848 zum bevollmächtigten Minister der Republik Frankreich in Madrid ernannt.

Anfang 1849 wurde er in außerordentlicher Mission nach Rom entsandt. De Lesseps Cousine Eugénie war die Ehefrau Napoleons III und somit Kaiserin von Frankreich. Dort suchte er ein freundschaftliches Einvernehmen zwischen der dortigen provisorischen Regierung und Frankreich anzubahnen. Die französische Regierung, zur gewaltsamen Unterwerfung Roms unter die päpstliche Herrschaft entschlossen, verleugnete ihn aber und rief ihn ab, weshalb er seinen Abschied nahm.

Auf Einladung des Vizekönigs Muhammad Said begab er sich 1854 nach Ägypten, wo er den Plan einer Kanalisierung der Landenge von Sues entwarf und, nachdem er in einer besondern Schrift ("Percement de risthme de Suez", 1856, mehrere neue Ausgaben) die Ausführbarkeit und den großen Nutzen des Unternehmens nachgewiesen, nicht nur den Vizekönig von Ägypten, sondern auch die Geschäftswelt in Frankreich, Italien und Österreich dafür zu gewinnen wusste.

1855 veranstaltete er hierzu in Paris eine Versammlung der berühmtesten Ingenieure Europas und wurde 1856 zum Dirigenten des Kanalbaues ernannt. Trotz der von England in den Weg gestellten diplomatischen Schwierigkeiten forderte Lesseps 1858 zu Geldzeichnungen auf. Er erhielt in Frankreich 200 Mill. Franken und ließ daraufhin, im Februar 1859, nach Ägypten zurückgekehrt, die Arbeiten beginnen. Am 15. August 1869 konnte der Bau vollendet werden und der Suezkanal wurde offiziell eröffnet.

Nach dem Erfolg des Suezkanals in Ägypten glaubte man in Frankreich, dass ein Kanal, der Atlantik und Pazifik miteinander verbindet, ebenso einfach zu bauen wäre. Diese Gedanken nahmen Gestalt an, als 1876 in Paris die Société Civile Internationale du Canal Interocéanique geschaffen wurde, der 1879 durch französisches Gesetz die Panamakanal-Gesellschaft folgte, zu deren Präsidenten Graf Ferdinand de Lesseps, der Erbauer des Suezkanals, ernannt wurde.

Die Panamakanal-Gesellschaft übernahm eine 1878 von der Société Civile Internationale du Canal Interocéanique erworbene Konzession der kolumbianischen Regierung, die so genannte Wyse-Konzession, und begann 1881 mit den Arbeiten.

1887 revidierte Ferdinand de Lesseps unter dem Druck der schlechten Finanzlage die Pläne und schloss mit dem Ingenieur Gustave Eiffel einen Vertrag ab, um einen Schleusenkanal bis 1890 herzustellen. Die Kosten für den Schleusenkanal wurden auf 1,6 Milliarden Goldfranken geschätzt. Wegen Planungsmängeln, falschen geologischen Untersuchungen, schlechter Organisation, Bestechung, unzähliger technischer Schwierigkeiten und Pannen gaben die Franzosen schließlich aus finanziellen und politischen Überlegungen auf und stellten die Arbeiten 1889 ein.

Den Bau weiterzuführen gelang nicht, weil man nach dem Bankrott der Panamakanal-Gesellschaft mit Sitz in Paris im Februar 1888, keine neue Finanzierungsgesellschaft aufbauen könnte.

Skandale bei der Leitung des Projekts führten zu einer Untersuchung. Die beauftragte Kommission konnte de Lesseps und seinem Sohn Charles mangelnde Führungsqualitäten sowie die Veruntreuung des Gesellschaftsvermögens nachweisen. Sie wurden daraufhin angeklagt und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt – später jedoch rehabilitiert.

Der eigentliche Planer des Sueskanals war der Österreicher Alois Negrelli von Moldelbe, der aber bereits 1858 verstarb und dessen Leistungen durch den Unternehmer Lesseps zeitlebens sorgfältig verschwiegen wurden.

1885 wurde er Mitglied der Académie française. Mit 69 Jahren heiratet er noch einmal und zeugt mit seiner jungen Frau zwölf Kinder.

Ferdinand Marie Vicomte de Lesseps starb am 7. Dezember 1894 in La Chênaie.


Zitate von Ferdinand Vicomte de Lesseps

Insgesamt findet sich 1 Text im Archiv.


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