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Doris Lessing

* 22.10.1919 - † 17.11.2013


Doris Lessing wurde am 22. Oktober 1919 in Persien (heutiger Iran), als Doris May Taylor geboren. Doris Lessing stammt aus einer britischen Familie, ihr Vater der im I. Weltkrieg schwer verletzt wurde, war Sekretär in der "Imperial Bank of Persia" und ihre Mutter arbeitete als Krankenschwester.

In der Hoffnung durch eine Maisfarm reich zu werden, zog die Familie 1925 in die britische Kolonie Süd-Rhodesien (heutiges Zimbabwe). Die Familie versuchte sich mit dem ungewohnten Leben in der Eingeborensiedlung zu arrangieren. Ihre Mutter versuchte auf den Tausend Morgen Buschland, die der Vater gekauft hatte, vergeblich etwas zu produzieren und so blieb der erwartete Reichtum aus.

Lessing beschrieb ihre Kindheit als eine ungleiche Mischung von wenig Freude und umso mehr Leid. Die "natürliche" Welt, die sie hier mit ihrem Bruder Harry erlebte, war ein Rückschritt in ein armseliges Leben. Ihre Mutter war besessen von der Vorstellung einer wohlerzogenen Tochter und so herrschten zu Hause harte Sitten und Hygienerichtlinien. Lessing wurde daraufhin in eine Klosterschule geschickt, wo sie von den Nonnen mit Geschichten über die "Hölle und Verdammnis" erschreckt wurde. Später wurde sie auf ein Mädchen-Gymnasium in Salisbury, der Hauptstadt von Rhodesien, geschickt, welches sie kurz darauf verließ.

Mit dreizehn Jahren war ihre offizielle Ausbildung beendet. Somit erhielt auch Lessing, wie viele andere weibliche Schriftsteller Südafrikas (Olive Schreiner und Nadine Gordimer), keinen Abschluss und bildete sich im Selbststudium weiter. Das die unglückliche Kindheit auf die Entwicklung zur Romanschriftstellerin hinwirkte, kommentierte Lessing kürzlich. "Ja ich denke das ist die Wahrheit. Trotzdem war es damals nicht so offensichtlich für mich. Natürlich dachte ich damals nicht daran Schriftstellerin zu werden. Ich dachte die ganze Zeit nur über eine Flucht nach"

Die Bücherpakete, die aus London bestellt wurden, beflügelten ihre Phantasie und gaben ihr so die Möglichkeit zur Flucht in andere Welten. Lessings frühere Lektüre beinhaltete unter anderem Werke von Dickens, Scott, Stevenson und Kipling und später entdeckte sie D.H. Lawrence, Stendhal, Leo Nikolajewitsch Tolstoi, Fjodor Michailowitsch Dostojewski. Die Gute-Nacht Geschichten, die ihre Mutter den Kindern erzählte, lieferten den Stoff, um ihren Bruder wach zu halten und lange Geschichten zu erzählen. Dies war der Anfang ihrer schriftstellerischen Karriere.

Die früheren Jahre Lessings waren auch geprägt durch die verbitterten Erinnerungen des Vaters an den I. Weltkrieg, die sie als Kind nicht richtig verarbeiten konnte. Sie schrieb "Jeder von uns ist das, was der Krieg aus ihm gemacht hat," und "gebeugt und gepeinigt, aber wir scheinen es zu vergessen".

Auf der Flucht vor ihrer Mutter verliess Lessing mit 15 Jahren das elterliche Haus und arbeitete als Kindermädchen. Von ihrem Arbeitgeber bekam sie politische und soziologische Literatur zu lesen. Während dieser Zeit kroch dessen Schwager nachts in ihr Bett und gab sich frustriert den erotischen Phantasien ihres Peinigers hin.

In diesen Jahren schrieb Lessing Geschichten von denen sie zwei an Zeitschriften in Südafrika verkaufte. Lessing kämpfte überzeugt gegen das alt eingesessene Vorurteil, das die Frau als das niedere Geschlecht in Ehe und Gesellschaft definierte, und sie sich ohne murren der Mutterschaft und dem häuslichen Herd zu widmen hat. Die meisten Frauen gerieten in einen Zwiespalt mit dem was sie in den kurzen Jahren ihrer Schulbildung gelernt haben und dem was sie in der realen Welt vorfanden. Weil die Menschen in dieser Zeit jedoch an ihrem Glauben festhielten und nicht den Neuerungen der Zeit folgen wollten, blieb ihr Kampf für die Emanzipation der Frauen vorerst erfolglos. Über die Ära ihrer Mutter sagte sie einmal "Dort ist eine ganze Generation Frauen, deren Leben, wenn sie Kinder bekommen, stillsteht." Lessing selbst fühlte sich, weil sie als Schriftstellerin eine gewisse Distance zur allgemeinen Welt hielt, freier als andere Menschen.

1937 zog sie nach Salisbury um, wo sie ein Jahr in einer Telefonvermittlung arbeitete. Mit 19 Jahren heiratete sie Frank Wisdom und sie bekamen zwei Kinder. Einige Jahre später fühlt sie sich in ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter gefangen und verlässt daraufhin die Familie, bleibt jedoch in Salisbury. Später wurde Lessing Mitglied im linksgerichteten Buchklub, einer kommunistischen Gruppe. Hier lernt sie dessen Vorsitzenden Gottfried Lessing kennen und kurze Zeit später heirateten beide und bekamen einen Sohn. Während der Nachkriegsjahre wurden sie jedoch in zunehmendem Maße von der kommunistischen Bewegung enttäuscht, die sie 1954 gemeinsam verließen.

Bis 1949 ging Lessing mit ihrem Sohn nach London, wo sie im gleichen Jahr ihren ersten Roman "The Grass is Singing" veröffentlicht und damit ihre schriftstellerische Karriere beginnt. Lessings tief autobiographischer Roman war geprägt von vielen Kindheitserinnerungen aus Südafrika und ihren ernsten Erfahrungen aus dem politischen und sozialen Geschehen. Sie schrieb über die einfachen Arbeiter, die große Benachteiligung im rassistischen System, der innere Kampf jedes Einzelnen und dem Konflikt zwischen dem eigenen Gewissen gegenüber dem Kollektiv.

In den fünfziger und frühen sechziger Jahren veröffentlicht Lessing Geschichten und Novellen, in denen sie die Unterdrückung der Schwarzafrikaner anprangert und das Scheitern der weißen Kultur offenbart. Aufgrund ihres couragierten Auftretens wurde ihr 1956 die Einreise in Süd-Rhodesien und in Südafrika untersagt.

In ihren Romanen versucht Lessing ihr moralisches Urteil von Bewusstsein und Zeit als die Ideale des zwanzigsten Jahrhunderts darzustellen. Später schreibt sie die Romanreihe "Kinder der Gewalt" (1951-1959), ein Bildungsroman, in dem sie das wachsende Bewusstsein der Heldin Martha Quest darstellt. Schriftstellerisches Neuland betritt Lessing mit dem Roman "Das goldene Notizbuch" (1962), in dem sie in einer erstaunlichen Tiefe und einem Hang zum Detail die zeitgenössischen Frau darstellt und mit brutaler Offenheit bemüht ist sich vom Chaos der emotionalen Benommenheit und der Heuchelei ihrer Generation zu befreien.

Aufgrund der Ähnlichkeit wählt Lessing die englischen Schriftstellerin Virginia Woolf als Hauptdarstellerin Anna Wulf, in der sie auch ihre eigene Persönlichkeit spiegelt. Ihre "unweibliche" Darstellung der Anna Wulf stieß bei den Frauen dieser Zeit auf einige Kritik. Ihre schriftstellerisch männlicher Stil wurde von zahlreichen Kritikern als selbstverständlich und völlig normal, weder frauenfeindlich noch aggressiv, als gesunde philosophische Grundlage bezeichnet.

In den siebziger und achtziger Jahren begann Lessing mit der vollständigen Erforschung des gewissermaßen mystischen Einblicks Anna Wulfs und beendete damit "Das goldene Notizbuch". Ihre innerliche Selbstfindung erreichte sie mit utopischen Werken wie "Anweisung für einen Abstieg in die Hölle" (1971), "Die Memoiren einer Überlebenden" (1974) und "Canopus in Argos" (1979-1983). Letzteres reflektiert Lessings, seit den sechziger Jahren, bestehendes Interesse an Idries Schah (arabisches Oberhaupt; Irans Führer in der Vergangenheit). Er beschrieb den Konflikt zwischen der Entwicklung des Bewusstseins und des Glaubens der Menschheit und kam so zur Erkenntnis, dass die Menschheit sich nur befreien kann, wenn sie die Verbindung zwischen ihrem und dem gesellschaftlichen Schicksal findet.

In den darauf folgenden Jahren erschienen weitere Werke Lessings, "The Good Terrorist" (1985), "Das fünfte Kind" (1988) und unter dem Pseudonym Jane Somers publizierte sie "The Diary of a Good Neighbour" (Das Tagebuch vom guten Nachbarn, 1983) und "If the Old Could" (Wenn die Alten könnten, 1984). Sie hat zahlreiche Fachliteratur veröffentlicht, einschließlich der Bücher über Katzen, eine Liebe die seit ihrer Kindheit besteht. Für Ihr autobiographisches Werk "Unter der Haut" (1949) erhielt sie 1995 "James Tait Black Prize" für die beste Biographie.

Im Juni 1995 erhielt Lessing die Ehrenpromotion der Harvard Universität. Im gleichen Jahr reist Lessing nach Südafrika um ihre Tochter und Enkelkinder zu besuchen. Die "Ironie des Schicksals", vor 40 Jahren wurde sie wegen ihrer damaligen schriftstellerischen Themen des Landes verwiesen, und heute wird sie als eine hervorragende Schriftstellerin jubelnd empfangen.

Sie arbeitete zusammen mit dem Illustrator Charlie Adlard an dem einzigartigen und ungewöhnlichen graphischen Roman "Playing the Game" (1993), der nach seiner Erstveröffentlichung mehr als 30 Jahre vergriffen war. Eine Neuauflage von Harper Collins unter den Titeln "Going Home" und "In Pursuit of the English" erschien 1996. Diese beiden Werke gaben einen faszinierenden und imposanten Einblick in das persönliche Leben und die Ansichten Lessings. Im gleichen Jahr wurde ihr erster Roman seit 7 Jahren "Love Again" (Und wieder die Liebe,1996) von Harper Collins veröffentlicht. Eine persönliche Public Relation lehnte sie ab. In einem Interview erklärte sie, wie frustriert sie während der 14-wöchigen Weltreise zur Public Relation ihrer Autobiographie war und teilte ihren Verlegern mit, dass es sinnvoller wäre zu Hause zu bleiben und neue Bücher zu schreiben. Die Verleger wollten dies jedoch nicht akzeptieren, doch diese Runde ging an Lessing. Sie blieb zu Hause und gab nur ein Interview.

1996 wurde sie für ihre schriftstellerische Arbeit für den Literaturnobelpreis und für den Schriftstellerpreis Großbritanniens nominiert. 1997, mittlerweile zum zweiten Mal, arbeitet sie zusammen mit Philip Glass an dem Libretto für die Oper "The Marriages Between Zones Three, Four and Five", die im Mai in Heidelberg in Deutschland Premiere hatte. Im Oktober diesen Jahres erschien der mit Sehnsucht erwartete zweite Teil ihres autobiographischen Romans "Das goldene Notizbuch" unter dem Titel "Walking in the Shade", welcher für den nationalen Buchkritiker-Preis in der Kategorie "Biographie/Autobiographie" nominiert wurde. In diesem Band beschreibt sie ihr Leben bis zur Ankunft 1949 in England. Gleichzeitig war es der letzte Teil ihrer Autobiographie, denn sie wollten keinen dritten Teil schreiben.

Ihr neuer Roman mit dem Titel "Mara and Dann" wurde in den US im Januar 1999 und in Großbritannien im April 1999 veröffentlicht. In einem Interview im "London Daily Telegraph" sagte sie " ich liebe das Schreiben. Ich bin so traurig, wenn ein Text abgeschlossen ist. Es ist befreiend für meinen Geist."

1999 machte sie ihre ersten Chat-Erfahrungen bei Barnes & Noble. Im Mai diesen Jahres wird sie mit dem XI. jährlichen internationalen Catalunien-Preis ausgezeichnet. Sie beendet die Fortsetzung zum Roman "Das fünfte Kind", welche im Jahr 2000 veröffentlicht werden soll.

Im Januar 2000 wurde in der National Portrait Gallery in London ein Portrait Lessings, gemalt von Leonard McComb's, enthüllt.

Am 11. Oktober 2007 gab die Schwedische Akademie ihren Beschluss bekannt Doris Lessing den Nobelpreis für Literatur des Jahres 2007 zuzuerkennen.


Zitate von Doris Lessing


Die Aphorismen dieses Autoren dürfen auf Grund der Beschränkungen durch das Urheberrechtsgesetz erst nach dem 17.11.2083 veröffentlicht werden!


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