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Astrid Lindgren

* 14.11.1907 - † 28.01.2002


Astrid Lindgren wurde am 14. November 1907 in Näs (Vimmerby) im südschwedischen Småland geboren. Astrid Anna Emilie Ericsson und ihre drei Geschwister hatten eine unbeschwerte Kindheit, die aus einem ihrer Romane stammen könnte. Die Tochter eines Bauern wuchs in der ländlichen Idylle von Småland auf.

Sie besuchte die Dorfschule von Vimmerby und begann als 17-Jährige ein Volontariat bei der Tageszeitung des Ortes. Mit der Beschaulichkeit war es bald jedoch abrupt vorbei, Astrid Ericsson wurde schwanger, sie siedelte im Alter von 18 Jahren in die schwedische Hauptstadt Stockholm über und brachte dort 1926 ihren Sohn Lars zur Welt. Sie machte eine Ausbildung zur Sekretärin und nahm einen Job in einem Büro an. 1931 heiratete sie ihren Freund Sture Lindgren, drei Jahre später wurde ihre Tochter Karin geboren.

Lindgren, die sich schon als Kind an kleineren Geschichten versucht hatte, verfasste ab Anfang der 40er Jahre immer wieder Erzählungen für ihre Tochter.

1944 trat sie mit ihrem ersten Buch, dem Briefroman "Britt-Mari erleichtert ihr Herz" ("Britt-Mari lättar sitt hjärta"), an die Öffentlichkeit. Mit diesem Roman, der in einem Wettbewerb von Rabén & Sjögren, Schwedens größtem Kinder- und Jugendbuchverlag, den zweiten Preis gewann, begann Lindgrens außergewöhnliche literarische Laufbahn.

Auch das Manuskript mit der ersten Geschichte von Pippi Langstrumpf, entstanden 1944 zum Geburtstag der Tochter, fand jedoch keine Gnade bei den Lektoren. Erst ein Jahr später kam "Pippi Langstrumpf" ("Pippi Långstrump") als Buchheldin auf den Markt.

Pippi ist die Tochter eines Seeräuberkapitäns und lebt mit dem Schimmel Kleiner Onkel und dem Affen Herrn Nilsson in der Villa Kunterbunt. Sie freundet sich mit den Nachbarkindern Tommy und Annika an und erlebt mit dem Geschwisterpaar viele Abenteuer, wobei Pippi ihre enorme Körperkraft zugute kommt. Überall auf der Welt hatten die Kinder das rothaarige Mädchen mit den langen Zöpfen bald ins Herz geschlossen. Lindgrens Erfolg basierte auf dem Prinzip, dass sie ihre Leser ernst nahm, sich in ihre Welt versetzen konnte und vor allem nicht mit den moralischen Ansprüchen einer Erwachsenen operierte. Pippi war alles andere als ein Musterkind und entsprach mit ihrer unkonventionellen Lebensweise und ihrer Ablehnung jedweder Autorität absolut nicht den Idealvorstellungen des Bürgertums der 40er und 50er Jahre von einem "guten" Kind. Pippi ging nicht zur Schule, aß mit den Fingern, redete auch in Erwachsenenrunden munter drauflos und tat stets nur das, was sie selbst für richtig hielt. Demgegenüber stand die kleinbürgerliche Welt von Tommy und Annika, die davon träumten, wie Pippi sein zu können, aus ihrem geordneten sozialen Umfeld aber nur selten ausbrechen durften. Lindgrens Buch "Pippi Langstrumpf" wurde bald auch von der Kritik gefeiert und mit Ehrungen überhäuft.

1946 nahm die Autorin einen Posten als Lektorin beim Stockholmer Verlag Rabén & Sjögren an, der ihre Bücher verlegte. Bis 1948 folgten zwei weitere Werke mit der Kinderheldin, "Pippi Langstrumpf geht an Bord" ("Pippi Långstrump går ombord") und "Pippi in Taka-Tuka-Land" ("Pippi Långstrump i Söderhavet"). Zusätzliche Popularität erreichten die Romane durch die Verfilmungen mit der Idealbesetzung Inger Nilsson in der Hauptrolle.

Doch nicht nur mit der liebenswerten Göre Pippi hatte die schwedische Schriftstellerin Erfolg. 1946 rief sie "Meisterdetektiv Blomquist" ("Mästerdetektive Blomkvist") ins Leben, der fortan die Ganoven in Schweden das Fürchten lehrte, 1947 machte Lindgren ihre eigene Kindheit in "Wir Kinder aus Bullerbü" ("Alla vi barn i Bullerbyn") erstmals zum Gegenstand ihrer literarischen Arbeit. Zwei Jahre später erweiterte die Autorin das Spektrum ihrer Romanheroen um "Nils Karlsson Däumeling" ("Nils Karlsson-Pyssling"), 1955 folgte "Karlsson vom Dach" ("Lillebror och Karlsson på taket"), der die überaus nützliche Fähigkeit des Fliegens beherrschte. Vergleichsweise weniger im Rampenlicht standen andere Hauptfiguren ihrer Romane, wie zum Beispsiel Kati (ab 1950) und Rasmus (ab 1956).

Mitten in diese Phase großer schöpferischer Produktivität fiel 1952 der Tod von Lindgrens Ehemann Sture - zwei Jahre nachdem die Autorin das erste Mal Großmutter geworden war.

1954 erschienen das Märchen "Mio, mein Mio" (1954, Mio, min Mio). 1963 erscheint der erste der vier Bände über die Streiche des kleinen Michel Lönneberga unter dem Titel "Michel in der Suppenschüssel". In Deutschland unter dem Namen Michel bekannt, heißt er im schwedischen Original Emil (Emil i Lönneberga). "Michel aus Lönneberga" ("Emil i Lönneberga") handelt von einem Jungen, der für seine Streiche berühmt und berüchtigt ist. Dabei gerät er jedoch häufig ganz unverschuldet in Situationen, die schließlich im Chaos enden. Michel machte in der Folgezeit - wie eine ganze Reihe weiterer Lindgrenhelden - auch im Fernsehen Karriere.

1970 schied Lingren als Pensionärin aus dem Verlag Rabén & Sjögren aus, aufs Altenteil zog sie sich jedoch nicht zurück: Sie schrieb weitere Kinderbücher, in denen die Autorin statt der früheren Unbeschwertheit ihrer Charaktere nunmehr häufig auch nachdenklichere Töne anschlug und schmerzliche Erfahrungen einbaute: In "Die Brüder Löwenherz" ("Bröderna Lejonhjärta", 1973) beispielsweise setzte sich Lindgren mit dem Thema Tod auseinander, in "Ronja Räubertochter" ("Ronja Rövardotter", 1981) müssen zwei Kinder viele Rückschläge einstecken, ehe sie zwei verfeindete Räuberbanden miteinander versöhnt haben. Zwei Jahre zuvor hatte Lindgren den letzten Pippi-Langstrumpf-Roman beendet, "Pippi plündert den Weihnachtsbaum" ("Pippi Långstrump har julgransplundring").

Im Alter von 60 Jahren starb 1986 Lindgrens Sohn Lars, die Autorin setzte ihre Arbeit jedoch fort. Sie veröffentlichte weitere Geschichten mit Michel aus Lönneberga und hob 1987 den "Räuber Assar Bubbla" ("Assar Bubbla") aus der Taufe.

1992 entschloss sich die 84-jährige, fast völlig erblindete, engagierte Tierschützerin, mit dem Schreiben aufzuhören. Zu Ihrem 85. Geburtstag schenkte ihr der damalige Ministerpräsident Ingvar Carlson ein neues Tierschutzgesetz - als Zeichen ihres herausragenden Engagement für den Tierschutz in ihrem Land. Zwei Jahre später, 1994 erhielt Lindgren für ihr humanitäres Lebenswerk den Alternativen Ehrennobelpreis. Bereits 1971 war Astrid Lindgren die Große Goldmedaille der Schwedischen Akademie für Literatur und 1978 als erste Kinderbuchautorin der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen worden.

Zwischen 1945 und 1992 ersann die schwedische Schriftstellerin zahlreiche Kinderbuchhelden, deren Abenteuer bislang in mehr als 60 Sprachen übersetzt wurden. Lindgrens oft verfilmte Romane sind ein Plädoyer für den liebevollen Umgang mit Kindern, für Humanismus und Toleranz. Astrid Lindgren hatte nicht nur auf die skandinavische Kinderliteratur großen und prägenden Einfluss. Sie distanzierte sich von dem restriktiven, moralisierenden Ton, der um 1950 für Kinderbücher kennzeichnend war, und schilderte statt dessen die kindliche Lebenswelt mit viel Einfühlungsvermögen aus der Perspektive des Kindes. Dabei sparte sie auch schwierige Themen wie tragische Ereignisse, Gewalt, Schmerz und Tod keineswegs aus. Mit ihren schöpferisch-phantasievollen und dennoch sehr realitätsnahen Büchern ermutigte sie ihre kindlichen Leser stets, sich in ihrer Lebenswelt selbstbewusst zu behaupten.

Ihr 90. Geburtstag am 14. November 1997 wurde in Schweden wie ein Nationalfeiertag begangen, Überall im Land gab es Veranstaltungen, Lesungen und Feste.

Astrid Lindgren starb, im Alter von 94 Jahren, am 28. Januar 2002 in ihrer Wohnung in der Dalagatan 46 in Stockholm. Ihre Letzte Ruhestätte fand Astrid Lindgren am 8. März 2002 in ihrem Geburtsort Vimmerby im südschwedischen Bezirk Småland. Bei der Festlegung des Beisetzungstermins spielte das Datum des Weltfrauentags eine wichtige Rolle. Astrid Lindgren selbst hatte sich ein Grab direkt neben dem ihrer Eltern gewünscht.


Zitate von Astrid Lindgren


Die Aphorismen dieses Autoren dürfen auf Grund der Beschränkungen durch das Urheberrechtsgesetz erst nach dem 28.01.2072 veröffentlicht werden!


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