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Johann Heinrich Pestalozzi

* 12.01.1746 - † 17.02.1827


Johann Heinrich Pestalozzi wurde am 12. Januar 1746 als Sohn des Chirurgen Johann Baptist (-1751) und dessen Frau Susanne (geb. Hotz 1720-1796) in Zürich am oberen Hirschgraben geboren.

Nach dem Tod seines Vaters 1751 wird der Großvater Pfarrer Andreas Pestalozzi in Höngg für Johann Heinrich zum Vaterersatz. Gemeinsam mit seiner älteren Schwester und seinem jüngerem Bruder bekommt er Unterstützung durch deren Onkel Johannes Hotz. Der Tod des Vaters ist eine große Belastung für die Mutter trotzdem sie dort sehr sparsam leben muss will sie wegen der günstigen schulischen Verhältnisse in der Stadt bleiben.

Von 1751 bis 1754 besucht Pestalozzi die Elementarschule. Von 1754 bis 1763 ist Pestalozzi Schüler an der Schola Abbatissana (Lateinschule) und wechselt von dort an die Schola Carolina sowie später an das Collegium Humanitatis. 1763 beginnt Pestalozzi sein Studium der Philologie und Philosophie am Collegium Carolinum in Zürich und legt dort das philologische und philosophische Examen ab. Großen Einfluss während dieser Zeit übte Johann Jakob Bodmer, Professor für Geschichte, jedoch mit vorrangigem literarischen Interesse, auf Pestalozzi aus.

Im darauf folgendem Jahr wird Pestalozzi Mitglied in der Helvetischen Gesellschaft zur Gerwe und in der Bewegung der Patrioten. 1765 verlässt Pestalozzi aus sozialen und politischen Motivationen heraus das Collegium frühzeitig und wollte nun in die Fußstapfen des Großvaters treten und Theologe werden.

1766 veröffentlicht Pestalozzi "Agis" und "Wünsche". Am 24. Mai 1767 stirbt Pestalozzis Freund der Theologe Johann Kaspar Bluntschli, der ihm noch am Sterbebett rät sich einen anderen Beruf zu suchen, da er für die Politik zu gutmütig und vertrauensselig sei. Zu dieser Zeit lernt Pestalozzi, die mit Bluntschli befreundete Anna Schultheß (1738-1815) kennen.

Die acht Jahre ältere Anna Schultheß stammt aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie die die sich aus einer langen Brieffreundschaft entwickelnde Verbindung wegen der Mittellosigkeit Pestalozzis missbilligt. Auf anraten seines verstorbenen Freundes Bluntschli beginnt Pestalozzi noch im selben Jahr eine landwirtschaftliche Lehre bei Johann Rudolf Tschiffeli (1716-1780), der sich seinen Lebensunterhalt durch Anbau von Krapp und durch die fäulnisfreie Einlagerung von Obst und Gemüse verdient. Pestalozzi verbringt dort eine sehr glückliche Zeit, bricht jedoch die Lehre vorzeitig ab.

1768 zieht Pestalozzi als Landwirt nach Müllingen um den Eltern von Anna Schultheß zu zeigen, dass er in der Lage ist all seine Pläne auch umzusetzen, beginnt er mit dem Bau des Neuhofs. Pestalozzi bezog den Hof Mietweise und nahm sich vor, durch die Einrichtung eines Baumwollverlags eine zusätzliche Einnahmequelle sowie den Rückgang der Armut unter der Landbevölkerung zu erreichen.

Am 30. September 1769 heiratet Pestalozzi Anna Schultheß die ihn fortan bei seiner Arbeit unterstützt. Am 13. August des darauf folgenden Jahres wird Pestalozzis Sohn Hans Jacob geboren und 1771 bezog die junge Familie den Neuhof bei Birr. Kurz nach der Hochzeit kündigt ihm einer der wichtigsten Finanziers (Annas Onkel, der Bankier Schultheß) den Kredit und über die Familie bricht große Armut herein. Weil Pestalozzi statt eines kleinen Holzhauses gleich ein großes Gehöft aus massivem Mauerwerk gebaut hat und durch die Misswuchsjahre 1771 und 1772 in denen der Krappanbau misslingt sowie durch den Betrug seines Beraters Heinrich Merki scheitert Pestalozzi als Landwirt.

Gemeinsam mit seiner Frau Anna gründete Pestalozzi 1774 auf dem Gut Neuhof eine Armenanstalt, in der Kinder Arbeit und Erziehung erhalten und Pestalozzi zunächst als Lehrer tätig ist. Seine Erziehungsgrundsätze hat Pestalozzi in zahlreichen Schriften dargelegt, die in den folgenden Jahren erscheinen unter anderem "Neuhofschriften" (1777), "Abendstunde eines Einsiedlers" (1780), "Lienhard und Gertrud" (1781-87), "Wie Gertrud ihre Kinder lehrt" (1801).

Nach seinen Misserfolgen in der Landwirtschaft und dem endgültigen Scheitern der Armenanstalt 1780 steigt Pestalozzi 1784 in die Textilindustrie ein. Als kleiner Textilunternehmer betreibt Pestalozzi eine Baumwollspinnerei und -weberei und gibt seinen Namen für einen anderen Seidenproduzenten, der kein Züricher ist und so kein eigenes Geschäft betreiben darf und erhält hierfür eine Provision.

Der Erfolg des Romans "Lienhard und Gertrud" war der Anlass dafür, dass Pestalozzi am 26. August 1792 zum französischen Ehrenbürger ernannt wird. Im darauf folgendem Jahr veröffentlicht Pestalozzi seine Revolutionsschrift "Ja oder Nein".

Die Schweizerische Regierung will Pestalozzis schriftstellerischen Fähigkeiten nutzen, um für die Revolution Propaganda zu machen. Von Mitte August bis Anfang Oktober 1798 wird Pestalozzi leitender Redakteur des "Helvetischen Volksblatt", einer regierungsamtlichen Zeitung, die der Bevölkerung die neue politische Situation nahe bringen soll.

Vom 7. Dezember 1798 bis zum 8. Juni 1799 wird Pestalozzi Leiter einer Armenanstalt in Stanz und beginnt im Anschluss daran Elemtar-Unterricht in einer Bauernschule der Gemeinde Burgdorf zu unterrichten. 1800 gründet Pestalozzi das Schulmeisterseminar im Burgdorfer Schloss. Am 15. August 1801 stirbt sein Sohn Hans Jakob Pestalozzi.

Vom November 1802 bis in den Februar 1803 weilt Pestalozzi als Angehöriger der Consulta in Paris. Zum 1. Juli 1804 muss Pestalozzi das Schloss Burgdorf räumen und zieht in das Johanniterhaus in Münchenbuchsee. Im Juni 1804 eröffnet Pestalozzi eine Zweigniederlassung des Erziehungsinstituts in Yverdon und am 6. Juli 1805 muss er das Institut in Münchenbuchsee aufgeben. 1806 gründet Pestalozzi das Töchterinstitut zu Yverdon.

In den Jahren von 1808 bis 1810 lernte und lehrte Friedrich Wilhelm August Fröbel, mit den 2 Söhnen des Barons von Holzhausen, bei Pestalozzi in Yverdon. 1810 kommt es zu Schwierigkeiten zwischen Pestalozzi und Joseph Schmid, der als 17jähriger Institutszögling 1803 zum Unterlehrer in Schloss Burgdorf befördert wurde und Pestalozzi nach Yverdon gefolgt war. Am 6. Juli 1810 verlässt Joseph Schmid mit einem Teil der Lehrerschaft die Anstalt, was diese wesentlich schädigt, denn das Vertrauen der Öffentlichkeit sinkt und damit einher gehend sinkt die Zahl der Schüler rapide.

Im November 1813 tritt Pestalozzi wegen der hohen Verschuldung das Töchterinstitut an Rosette Kasthofer ab die dieses seit 1809 leitete. Wenig später heiratete sie Johannes Niederer der seit 1804 eine Lehrstelle am Institut inne hatte.

Joseph Schmid bittet 1814 Pestalozzi, wieder in das Institut in Yverdon zurückkehren zu dürfen woraufhin Schmid Anfang April 1815 seine Lehrtätigkeit in Yverdon wieder aufnimmt und unter dessen Leitung eine ökonomische Stabilisierung der Anstalt eintritt. Am 11. Dezember 1815 stirbt Anna Pestalozzi.

1815 kommt es erneut zum Streit innerhalb der Lehrerschaft, der wieder von Schmid ausgelöst wird und 1816 verlassen daraufhin sechzehn Lehrer das Institut. Am 14. Juli 1817 kommt es zum Streits zwischen Pestalozzi und Johannes Niederer der seine Gehaltsrückstände einfordert und bei finanziellen Regelungen in Bezug auf das Töchterinstitut, das von Niederers Frau Rosette Kasthofer-Niederer geleitet wird, geht dieser vor Gericht. Das Verfahren dauert bis zum 31.Dezember 1823 und endet mit einem Schiedsspruch.

Am 13. September 1818 eröffnet Pestalozzi die Armenschule zu Clindy nahe Yverdon, eine Anstalt für arme Kinder, in der er hofft, sein Ideal der Armenerziehung zu verwirklichen. Unter dem Einfluss von Schmid entwickelt sich die Anstalt jedoch zu einer Lehrerbildungsanstalt ähnlich der in Yverdon. Dies führt schließlich schon nach einem Jahr wieder zum Zusammenschluss der beiden Anstalten im Schloss zu Yverdon.

1824 wird Schmid aus dem Kanton Waadt ausgewiesen. Wegen Schmids Ausweisung gibt Pestalozzi im März 1825 sein Institut auf und kehrt zum Neuhof zurück. Am 4. Mai diesen Jahres wird Pestalozzi zum Präsidenten der Helvetischen Gesellschaft zu Schinznach gewählt.

Nach seiner Erkrankung begibt sich Pestalozzi zur besseren ärztlichen Aufsicht am 15. Februar 1827 nach Brugg wo er am 17. Februar 1827 verstirbt. Zwei Tage später wird Pestalozzi am Schulhaus zu Birr beigesetzt.


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