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Jean-Jacques Rousseau

* 28.06.1712 - † 02.07.1778


Jean-Jacques Rousseau wurde am 28. Juni 1712 in der Altstadt von Genf als Sohn von Isaac Rousseau und seiner Ehefrau Suzanne (geb. Bernard), geboren. Bereits am 4. Juli diesen Jahres verstarb seine Mutter und der Vater verlegte 1718 seine Uhrmacherwerkstatt und die Wohnung nach St. Gervais, dem Viertel der Handwerker.

1722 musste Isaac Rousseau Genf verlassen, da er sich mit einem Offizier außer Diensten Gautier stritt und ihn mit einem Degenstich verletzte. Isaac Rousseau wartete die Gerichtsverhandlung, die zu seinen Ungunsten geführt hätte nicht mehr ab, sondern floh in das benachbarte Nyon, das nicht mehr zum Gebiet der Republik Genf gehörte. Diese Flucht war für Jean-Jacques Rousseau ein herber Einschnitt, der er seinem Lesevergnügen nicht mehr nachgehen konnte. Der junge Jean-Jacques Rousseau wurde nun der Aufsicht seines Onkels Gabriel Bernard übergeben, der wiederum den Jungen zur Erziehung dem Pfarrer Lambercier in Bossey anvertraute. 1724 wurde er Schreiblehrling beim Gerichtsschreiber Masseron, der ihn bereits am 26. April 1725 wieder entließ. Rousseau wurde im darauf folgendem Jahr vom Graviermeister Ducommun als Kupferstecherlehrling angenommen, doch auch diese Lehre brach er am 14. März 1728 vorzeitig ab.

Er fand in Madame de Warens in Annecy eine Fürsprecherin, die ihn förderte und aus dieser Bekanntschaft wurde später ein Liebesverhältnis. Von Annecy wanderte Rousseau 1728 nach Turin und wurde dort im Hospiz für Konvertiten aufgenommen und trat am 23. April 1728 zur katholischen Kirche über. 1729 kehrte er zu Madame de Warens nach Annecy zurück. Er wollte nun Priester werden, aber der Besuch des Priesterseminars erwies sich als erfolglos. Rousseau betätigte sich nun als Chorist und Musikschüler, was seinen späteren Ausführungen zur Musik zugute kam. 1730 ergriff ihn erneut die Wanderlust und er durchzog als Musikant und Musiklehrer die Schweiz und Frankreich woraufhin er 1731 in Paris landete und dort seine Zeit vom Juni bis August mit Studien verbrachte. Im September 1731 begab er sich erneut zu Madame de Warens nach Chambery und bearbeitete nun Urkunden im Katasteramt von Savoyen, diese Arbeitsstelle verließ er im Juni 1732 und wurde Musiklehrer und gleichfalls Gehilfe der Madame de Warens. Hier bahnte sich nun ein erstes Liebesverhältnis mit seiner Gönnerin an, was bis 1738 weitergeführt wurde. Im Juni1737 erlitt er einen Unfall bei chemischen Versuchen und einen Monat später, im Juli 1737, machte er eine kurze Reise nach Genf, um Erbschaftsahngelegenheiten zu regeln und hielt sich dann zur Kur in Montpellier auf.

Im Februar 1738 kehrte er zu Madame de Warens zurück, dessen Liebe zu Rousseau war erloschen und er fand einen anderen Liebhaber, Rivalen in Gestalt des neuen Sekretärs, vor. Er blieb in Les Charmettes und wurde 1740 Hauslehrer in Lyon. Ein Jahr danach, im Frühjahr 1741, gab er bereits die Hauslehrerstelle wieder auf. Er ging zurück nach Les Charmettes, dann reiste er nach Lyon und nach Paris, wo er sich im Juli 1742 endgültig niederlässt.

Am 10. Juli 1743 verließ er Paris, um die Stelle des Sekretärs des französischen Botschafters in Venedig anzunehmen. Nach Streitigkeiten mit diesem wurde Rousseau der Aufenthalt in Italien untersagt und so kehrte er im Herbst 1744 nach Paris zurück. 1745 lernte er die Dienstmagd Thérèse Levasseur kennen, mit der er dann eine lebenslange Verbindung einging und 1746 wurde aus dem Verhältnis mit ihr das erste Kind geboren. Mit vier weiteren Kindern, die folgten, wurde jedes von Rousseau in das Findelhaus gebracht. Im Jahre 1745 stieß Rousseau zum Kreis um Denis Diderot und damit zu den Männern, die an der großen Enzyklopädie arbeiteten und konnte 1749 seine Musikartikel mit einbringen. 1746 wurde er Sekretär im Hause Dupin-Francueil und am 9. Mai 1746 starb Rousseaus Vaters in Nyon.

1748 machte er die erste Bekanntschaft mit seiner späteren Gönnerin Madame d'Épinay. Im Jahre 1749 schrieb die Akademie von Dijon einen Preis für einen Essay über die "Wirkung des Fortschritts der Zivilisation auf die Moral" aus. Rousseau beteiligte sich auch auf Anregung seiner Philosophenfreunde hin und gewann den Preis. Die Inhaftierung seines damaligen Freundes Denis Diderot, veranlasste ihn zu einem Fußmarsch der Überlegungen von Paris nach Vincennes, wo er ihn in der Haft besucht. 1751 verließ er die Familie Dupin - Francueil und betätigte sich als Notenkopist wodurch ihm 1752, durch die Aufführung seines Singspiels "Le devin du village" (Der Dorfwahrsager) vor Ludwig XV., ein kleiner Erfolg beschieden war.

1754 reiste Rousseau mit Thérèse Levasseur nach Genf, wo er am 1. August wieder in die calvinistische Kirche aufgenommen wurde. Am 9. April kehrte er wieder nach Paris zurück und wohnte nun im Gartenhaus "Eremitage" bei Montmorency, das ihm Madame d'Épinay überlassen hatte. Hier im Gartenhaus begann nun die schriftstellerisch fruchtbarste Zeit er schrieb an den ersten Briefen des späteren Romans "La nouvelle Héloïse" (Die neue Heloise) den er am 13. September 1758 beendet und 1761 mit großem Erfolg veröffentlicht. Zu dieser Zeit schrieb er einen polemischen Brief gegen Voltaire über dessen "Gedicht über das Unglück von Lissabon", was den Anfang des Bruches mit den gesamten Philosophenfreunden bildete.

Am 15. September 1757 verließ Rousseau die Eremitage und zog in das Gartenhaus Mont-Louis in Montmorency und vollzog hier auch den Bruch mit Madame d'Épinay und Denis Diderot. Am 6. Mai siedelte daher Rousseau in das "Kleine Schloss" in Montmorency über, das ihm von dem Herzogspaar von Luxemburg zur Verfügung gestellt wurde. In dieser freundlichen Atmosphäre konnte er nun trotz Krankheit den "Émile" und den "Contrat social" fertig stellen und wurden 1762 veröffentlicht. In Frankreich wurde "Émile" sofort nach Erscheinen konfisziert und durch das Pariser Parlament verdammt und exemplarisch im Hofe des Justizgebäudes verbrannt. Gegen Rousseau wurde Haftbefehl erlassen, sodass er fliehen musste. Der Grund für die Verfolgung war nicht nur das "Glaubensbekenntnis des savoyischen Vikars", das in den "Émile" eingearbeitet worden war, sondern die Grundlage des Erziehungsromans selbst. Rousseau floh nach Yverdun (Bern) und dann auf Bestätigung des preußischen Königs hin nach Môtiers, das preußisches Territorium war. Hier wurde er auch durch den preußischen Statthalter Lord Keith (Governeur des Fürstentums Neuenburg) willkommengeheißen. In einem scharfen Schreiben hatte der Erzbischof von Paris, Christophe de Beaumont, den "Émile" verurteilt. 1763 antwortete Rousseau ihm mit einem glänzend aufgebauten Verteidigungsschreiben ("La lettre à Christophe de Beaumont"). Am 16.4.1763 wurde Rousseau Bürger des preußischen Fürstentums. Da auch der Rat der Stadtrepublik Genf den "Émile" verboten und symbolisch verbrannt hatte, verzichtete Rousseau auf das Genfer Bürgerrecht. 1764 erfolgte eine weitere Polemik in den "Briefen vom Gebirge" ("Lettres écrites à la montagne") und attackierte damit den Generalprokurator von Genf, Tronchin. 1765 musste er aus dem Bergdorf Môtiers fliehen, da die durch die Propaganda aus Genf aufgebrachte Bevölkerung ihn verfolgte. Er floh am 6. September 1765 auf die einsame Insel St. Peter auf dem Bieler See die er jedoch am 25. Oktober auf Befehl der Berner Regierung verlassen musste.

Nach Zwischenaufenthalten in Basel, Straßburg und Paris gelangte er nun auf Drängen und in Begleitung von David Hume nach England. Von London zog er auf das Land in das Dorf Chiswick und dann weiter in den Ort Wootton. Es kam zum Zerwürfnis mit Hume. 1767 begab er sich mit der treuen Thérèse wieder nach Frankreich und heiratete am 30. August 1768 seine bisherige Lebensgefährtin. Nach der Ankunft in Frankreich lebten Rousseau und Thérèse oft sogar unter falschem Namen, denn der Haftbefehl war immer noch gültig, auf verschiedenen Adelssitzen wie dem Schloss Trye bzw. kleinen Orten wie Monquin in Südfrankreich. Im Juni 1770 kehrten Rousseau und seine Frau nach Paris zurück, wo er seine Bekenntnisse abschloss und in Salons vorlas, diese Lesungen wurden 1771 verboten.

Er geriet erneut in große Geldschwierigkeiten, konnte dann aber mit Thérèse auf Einladung des Marquis de Girardin nach Ermenonville auf dessen Gut übersiedeln.

Schon sechs Wochen nach dem Umzug am 2. Juli 1778 ereilte Jean-Jacques Rousseau gegen elf Uhr vormittags der Tod. Am 4. Juli wurde er auf einer Insel im See des Parks von Ermenonville beerdigt. Während der Revolution wurde am 11. Oktober 1794 der Sarg aus Ermenonville nach Paris in das Panthéon überführt.


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