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Heinz Rühmann

* 07.03.1902 - † 03.10.1994


Heinz Rühmann wird am 7. März 1902 als zweiter Sohn des Kellners Hermann Rühmann und dessen Frau Margarethe in Essen geboren. Sein Großvater mütterlicherseits besitzt ein kleines Hotel. Kurz darauf zieht die Familie nach Wanne und sein Vater macht sich selbständig und übernimmt die Bahnhofswirtschaft. 1913 zieht die Familie nach Essen zurück. Dort übernimmt sein Vater das Hotel Handelshof in der Nähe des Bahnhofs. Es stellt sich kein finanzieller Erfolg ein. Sein Vater verschuldet sich. Die Mutter von Heinz will 1914 die Scheidung von ihrem Mann. Sein Vater, der die Trennung und von seiner Frau nicht verkraftet, begeht Selbstmord.

1916 zieht Rühmanns Mutter Margarethe mit Heinz und seinen beiden Geschwistern nach München nach München, da dort eine alte Freundin lebt und in Bayern der Lebensunterhalt preiswerter ist. Rühmann fällt in der Schule durch sein Talent auf, missliebige Lehrer in Sprechweise und Haltung täuschend echt nachzuahmen. Rühmann wird Mitglied eines Laienensembles. Als 18-jähriger Schüler bekommt Rühmann durch Zufall einen Vorsprechtermin bei dem berühmten Schauspieler und Regisseur Friedrich Basil vermittelt. Basil nimmt Rühmann nach einigen Bedenken als seinen Schüler an. 1919 verlässt Rühmann nach der Mittleren Reife, kurz vor dem Abitur, das Gymnasium, um sich ganz seiner Ausbildung als Schauspieler widmen zu können. Basil entdeckt Rühmanns komödiantisches Talent.

Am 18. März 1920 bekommt Rühmann sein erstes Engagement, nachdem er von Richard Gorter, Theaterdirektor aus Breslau, bei einer Theaterprobe entdeckt wurde. Rühmann muss sich zu seinem Missvergnügen in Breslau mit kleinen Rollen begnügen, so spielte er im Juni 1920 seine ersten Nebenrollen in den Theaterstücken "Rose Bernd" von Gerhart Hauptmann und "Die Büchse der Pandora" von Frank Wedekind. Als die Theaterdirektion 1922 wechselt, muss sich auch Rühmann nach einem neuen Engagement umsehen. Rühmann hat Glück und findet 1922 am Residenztheater in Hannover eine neue Stellung in der von ihm so heiß begehrten Rolle als jugendlicher Liebhaber. Zu seinen Kollegen gehören Rudolf Platte und Theo Lingen. Wieder kommt es bei seinen Bühnenauftritten zu unfreiwilliger Komik, die zwar das Publikum amüsiert, die die Kritik aber tadelnd zur Kenntnis nimmt. Als das Theater aus finanziellen Gründen schließen muss, folgt er im Herbst 1922 einer Einladung an das Schauspielhaus Bremen. Der Aufenthalt währt aber nur kurz, da er bei einem seiner Auftritte unter Alkoholeinfluss eine sehr eigenwillige Darstellung bietet.

In der Zeit erhält Rühmann kein Engagement und schlägt sich als Mitglied einer Wanderbühne von einem Dorfgasthaus zum anderen durch. Auf einer dieser Darbietungen lernt Rühmann Maria Herbot kennen, die er am 9. August 1924 in München heiratet. Zuvor, im August 1923 wurde Rühmann Ensemblemitglied am Münchner Schauspielhaus und übernimmt hier erste komische Rollen. 1925 wird Otto Falckenberg von den Münchner Kammerspielen auf Rühmann aufmerksam und engagiert ihn als Komödiant und feiert hier seine ersten Theatererfolge. 1926 werden das Münchner Schauspielhaus und die Münchner Kammerspiele zusammengelegt. Rühmann erhält sein erstes Filmangebot in Geza von Bolvarys "Das deutsche Mutterherz" wo er neben Ellen Kürti spielen soll. Nach anfänglichem Zögern überzeugt ihn schließlich die Gage von 500 Mark.

In dem 1927 gedrehten Film "Das Mädchen mit den fünf Nullen" spielt Rühmann einen Provinzjüngling. Mit großem Erfolg spielt Rühmann 1927 auf der Münchner Bühne den "Mustergatten". Seine Begabung als Komiker und sein Temperament reißen ihn zwar noch zu manchen Übertreibungen hin, doch das Publikum nimmt seine Eskapaden dankbar auf. Max Reinhardt vom Deutschen Theater in Berlin gibt ihm eine Rolle in "Lockvögel". Fortan muss er zwischen München und Berlin pendeln, da er noch seinen Vertrag an den Kammerspielen zu erfüllen hat. "Charleys Tante" heißt sein nächster großer Bühnenerfolg, der den Münchner Kammerspielen 1928 ein volles Haus beschert. In Berlin lernt Rühmann den Theatermann Heinz Hilpert kennen, der einen wichtigen Einfluss auf seine weitere Karriere als Schauspieler nehmen sollte. 1929 spielt Rühmann in "Die lustigen Weiber von Windsor" in Berlin mit Bravour neben Werner Krauss. In der Shaw-Komödie "Eltern und Kinder" sind Marlene Dietrich und Paul Hörbiger seine Partner. Beide Komödien werden enthusiastisch vom Publikum aufgenommen. Rühmann entdeckt seine Passion für das Fliegen und macht den Flugschein.

1930 holt der Filmproduzent Erich Pommer Rühmann für "Die drei von der Tankstelle", einem der ersten deutschen Tonfilme, von der Bühne auf die Leinwand. An der Seite von Willy Fritsch und Lilian Harvey wird er über Nacht in dieser Filmoperette zum großen Kinostar. Mit der Gage kann sich Rühmann 1930 auch seinen Traum vom eigenen Flugzeug erfüllen. Darüber hinaus bekommt er einen Jahresvertrag bei der Ufa. Rühmann wird neben Hans Albers zum beliebtesten und bestbezahlten deutschen Filmschauspieler und seine Karriere als Leinwandstar der dreißiger Jahre nimmt nun seine Lauf. Filme wie "Der Mann, der seinen Mörder sucht" von Robert Siodmak, "Bomben auf Monte Carlo" mit Hans Albers und "Der Onkel aus Amerika" mit Hans Moser zementieren seinen Erfolg im Kino.

Bei einer Faschingsveranstaltung 1932 in München lernt Rühmann das Fliegerass Ernst Udet kennen und freundet sich mit ihm an. Von 1933 bis 1938 entstehen viele bemerkenswerte Filmkomödien, die Rühmann mit den größten deutschen Schauspielern und Regisseuren der damaligen Zeit zusammenführte. "Lachende Erben", "Der Mann, der Sherlock Holmes war", oder "13 Stühle" sind Beispiele für seine Präsenz auf der Leinwand, die das Publikum in Massen ins Kino trieb. Eine Reihe von Wiener Lustspielen wie "Der Himmel auf Erden" oder "Eva" ergänzen seine Aktivitäten in Berlin für die Ufa. Auf der Bühne brilliert er vor allem in Nestroys "Lumpazivagabundus" und in Molière "George Dandin" unter der Direktion Heinz Hilperts.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nimmt Rühmann eine politisch neutrale Haltung ein und versucht, sich mit dem NS - Regime zu arrangieren. Doch tauchen zu dieser Zeit Plakate auf, auf denen ihm vorgeworfen wird, mit einer Jüdin verheiratet zu sein. Um seine Karriere nicht zu beeinträchtigen, lässt sich Rühmann auf Druck von Joseph Goebbels 1938 von seiner jüdischen Frau scheiden. Die Trennung vollzieht sich im beiderseitigen Einvernehmen, da die Ehe bereits zuvor zerrüttet war. Nach ihrer Auswanderung nach Schweden unterstützt Rühmann seine Ex-Frau finanziell weiter. 1938 führt Rühmann bei "Lauter Lügen" für die Terra - Filmgesellschaft das erste Mal Regie. Bei diesem Projekt lernt er die Wiener Schauspielerin Hertha Feiler kennen, die er zur Hauptdarstellerin macht. Im Juli 1939 heiratet Rühmann Hertha Feiler.

Während der Kriegsjahre von 1939 bis 1945 erreicht seine Popularität neue Höhepunkte. Im Frühjahr 1941 wird Rühmann als Pilot in die Wehrmacht eingezogen, er kann sich jedoch erfolgreich einer Einberufung entziehen und muss lediglich eine vierwöchige Grundausbildung zum Abwehrflieger ableisten. Für die Wochenschau lässt er sich als Kurierflieger ein einziges Mal aktiv für die NS - Propaganda einspannen, seine Hauptaufgabe besteht jedoch darin, die Bevölkerung mit Filmen wie "Quax, der Bruchpilot" oder "Die Feuerzangenbowle" zu unterhalten und vom Kriegsalltag abzulenken. 1942 kommt sein Sohn Peter zur Welt. Die Aufführung des Films "Die Feuerzangenbowle" wird im Januar 1944 wegen "Respektlosigkeit gegen Autoritäten" von den Nationalsozialisten verboten. Rühmann erreicht bei einem persönlichen Besuch im Führerhauptquartier die Freigabe der Komödie.

Nach Kriegsende 1945 wird Rühmann von vielen Neidern als Nazi diffamiert. Daraufhin werden seine Filme von den Alliierten verboten. Er selbst erhält kein Engagement mehr für die Leinwand und wendet sich wieder dem Theater zu. Im August 1945 wird Rühmann während der Entnazifizierung als nicht belastet eingestuft und das alliierte Spielverbot wird aufgehoben. Mit dem Stück "Der Mustergatte" geht Rühmann auf Tournee und findet beim Publikum großen Anklang. Zu dieser Zeit zieht Rühmann mit seiner Familie von Berlin nach München. Zusammen mit dem ehemaligen Produktionsleiter der Terra, Alf Teichs, gründet Rühmann 1947 die Comedia-Filmgesellschaft, mit der er Komödien im Stil seiner Vorkriegserfolge produzieren will.

Obwohl "Berliner Ballade", "Der Herr vom anderen Stern" oder "Die kupferne Hochzeit" von der Filmkritik begeistert aufgenommen werden, sind sie wirtschaftlich eine Katastrophe. Rühmann gerät mit seiner Produktion immer mehr in finanzielle Not. Schließlich muss er 1952 Konkurs anmelden. Auch künstlerisch geht es ihm nicht gut, denn die sich neu entwickelnde Filmindustrie scheint ihn vergessen zu haben. Als er aber in der Kleinen Komödie in München die Hauptrolle von "Mein Freund Harvey" annimmt, folgen schnell weitere Gastspiele in Wien und Berlin. Mit "Keine Angst vor großen Tieren" und "Briefträger Müller" gelingt Rühmann 1953 ein viel beachtetes Comeback als Schauspieler. Rühmann schließt mit dem Chef der Berolina einen Exklusiv-Vertrag ab. Von nun an kann er auch seine Schulden aus dem fehl geschlagenen Abenteuer mit der Comedia zurückzahlen. "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" führt ihn, unter der Regie von Wolfgang Liebeneiner, wieder mit Hans Albers zusammen. "Charleys Tante", "Wenn der Vater mit dem Sohne" und "Schneider Wibbel" garantieren ihm Paraderollen.

Einen seiner größten Triumphe feiert Rühmann 1956 in dem, nach der Tragikomödie von Carl Zuckmayer gedrehten, Kinofilm "Der Hauptmann von Köpenick" spielt Rühmann den Schuster Wilhelm Voigt (1849-1922). Für die Darstellung des Voigts wird er 1957 mit dem Preis der Deutschen Filmkritik ausgezeichnet. Rühmann hat es geschafft und seinen Rollen wandeln sich vom Komödianten zum Charakterdarsteller. Rühmann überzeugt das Publikum auch in ernsten Auftritten wie zum Beispiel in den Münchner Kammerspielen in dem Stück "Warten auf Godot" von Samuel Beckett (1906-1989), in der Inszenierung von Fritz Kortner. In den Jahren von 1957 bis 1968 zeigt Rühmann, ob in Figuren mit schlitzohrig - hintergründigem Humor wie in "Der brave Soldat Schweijk", oder einen der Kriminalistik verfallenen Pater in "Das schwarze Schaf" oder "Er kann’s nicht lassen" bis hin zu schwierigen Charakterrollen wie in Stanley Kramers Hollywood - Produktion "Ship of Fools", die gesamte Bandbreite seiner Darbietungskunst. Vor allem dieser Amerika - Ausflug gibt ihm die Anerkennung als internationaler Star und festigt seine Wandlung zu tragischen Rollen. An der Seite von Vivien Leigh (1913-1967) dreht Rühmann 1965 mit "Das Narrenschiff" seinen einzigen Film in Hollywood.

Rühmann wird 1966 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und zwei Jahre später erhält er den Bundesfilmpreis. Mit Arthur Millers Stück "Tod eines Handlungsreisenden" beginnt Rühmann 1968, für das Fernsehen zu arbeiten und dessen technischen Möglichkeiten zu nutzen. Ein Schicksalsschlag ist der Tod seiner Frau im Jahre 1970. Nach einjähriger Pause sieht man Rühmann wieder im "Kapitän" auf der Leinwand, den Kurt Hoffmann inszeniert.

Am 9. Oktober 1974 heiratet Rühmann die ehemalige Verlegerfrau Hertha Droemer. "Das chinesische Wunder" von Wolfgang Liebeneiner und Michael Verhoevens "Gefundenes Fressen" sind Rühmanns letzte Hauptrollen in Kinofilmen. Nach denen er sich ab 1977 langsam ins Privatleben zurückzieht. Er tritt aber noch in zahlreichen Fernsehproduktionen auf. 1982 erscheint seine Autobiographie "Das war's". Für Wim Wenders "In weiter Ferne, so nah" übernimmt Rühmann 1993 die letzte Rolle in einem Kinofilm.

Am 3. Oktober 1994 stirbt Heinz Rühmann in seinem Haus in Berg am Starnberger See bei München.


Zitate von Heinz Rühmann


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Foto des Autoren Heinz Rühmann
Heinz Rühmann
Quelle & Rechte:
© , Hamburg
Illustration mit dem Titel: Der Hauptmann von Köpenick
"Der Hauptmann von Köpenick"
Illustration von © Michael Blümel