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Bertha von Suttner

* 09.06.1843 - † 21.06.1914


Bertha Sophia Felicita Gräfin Kinsky von Chinic und Tettau wurde am 09. Juni 1843 als Tochter des Grafen und der Gräfin Kinsky von Chinic und Tettau in Prag geboren. Der dem böhmischen Hochadel zugehörige Vater, war kurz vor der Geburt des Kindes im Alter von 76 Jahren gestorben. Berthas Mutter, eine geborene von Körner und Verwandte des berühmten Freiheitsdichters Theodor Körner, ist eine passionierte Spielerin und bringt in allen mondänen Badeorten und Metropolen Europas fast das gesamte Familienvermögen durch.

Bertha von Kinsky verbringt ihre Kindheit in Brünn (Südmähren) und die Jugend in Wien und Klosterneuburg. Bertha von Kinsky nimmt in der Zeit um 1860 Gesangsstunden und plant eine Karriere als Sängerin und beginnt von 1867 bis 1868 ein Gesangsstudium in Paris.

Bertha von Kinskys Interesse ist absorbiert von den Versuchen, eine gute Partie zu machen, aber alle Heiratsprojekte scheitern. Neben Italienisch und Englisch beherrscht sie fließend Französisch. Mit 30 Jahren wird sie 1873, da das Kinsky-Vermögen aufgebraucht ist, Erzieherin der Töchter des Freiherrn von Suttner, mit wechselndem Wohnsitz in Wien und auf Schloss Harmannsdorf. Zu dem 7 Jahre jüngeren Sohn Arthur Gundaccar von Suttner entwickelt sich eine Beziehung, die von dessen Eltern missbilligt wird.

Nach der Kündigung durch die Suttners reist Bertha von Kinsky 1876 nach Paris ab, wo sie für kurze Zeit eine Stellung als Sekretärin und Hausdame von Alfred Nobel, dem Erfinder des Dynamits, antritt. Als der Industrielle überraschend nach Schweden zurückgerufen wird, kehrt Bertha von Kinsky nach Wien zurück.

Am 12. Juni 1876 heiraten Bertha von Kinsky und Freiherr Arthur Gundaccar von Suttner heimlich in der Pfarrkirche St. Ägyd in Wien-Gumpendorf.

Das Ehepaar von Suttner zieht für neun Jahre an den Hof der Fürstin Ekaterina Dadiani von Mingrelien, die Bertha von Suttner von einem früheren Aufenthalt in Bad Homburg (1864) her kennt, mit zwischenzeitlichen Aufenthalten in Kutais, Tiflis und Zugidi, in den Kaukasus, wo es in eingeschränkten Lebensverhältnissen lebt. Hier beginnt zuerst Artur Gundaccar von Suttner mit kleineren schriftstellerischen Arbeiten, durch den Erfolg ihres Mannes angeregt beginnt Bertha von Suttner 1878 mit gesellschaftskritischen Artikeln schriftstellerisch tätig zu werden.

In den Jahren von 1882 bis 1884 erscheinen die ersten drei Romane. 1884 starb Bertha von Suttners Mutter, Sophie Gräfin Kinsky-Körner.

Im Mai 1885 kehrt das Ehepaar Suttner nach Wien zurück und bezieht nach Aussöhnung mit den Eltern das einsam gelegene Gut Harmannsdorf, das Familienschloss der Suttners im Waldviertel bei Eggenburg. Beide gehen umfangreichen schriftstellerischen Arbeiten nach und unternehmen ausgedehnte Reisen durch ganz Europa. Im Oktober diesen Jahres besucht Bertha von Suttner den Schriftstellerkongress in Berlin.

Im Winter des Jahres 1886/87, während eines Aufenthalts in Paris, kommt es zum Wiedersehen mit Alfred Nobel und Bertha von Suttner hört zum ersten Mal vom Friedens- und Schiedsgerichtsverein.

In den Jahren von 1887 bis 1889 arbeitet Bertha von Suttner an dem Roman "Die Waffen nieder!", der 1889 gedruckt wird und schon 1903 erscheint als Folgeroman "Marthas Kinder". Die internationale Friedensbewegung sah in "Die Waffen nieder!" einen Wendepunkt für die Massenwirkung des Friedensgedankens.

Den Winter des Jahres 1890/91 verbringt das Ehepaar Suttner in Venedig, wo es durch den Marchese Benjamino Pandolfi mehrere Vertreter der "Interparlamentarischen Konferenzen", einer Vereinigung von pazifistischen Parlamentariern aus den verschiedensten Ländern, kennenlernt. Bertha von Suttner wird zur Mitanregerin der "Friedensgesellschaft Venedig".

Der vom 11. bis 14. September 1891 geplante 3. Weltfriedenskongress in Rom veranlasst Bertha von Suttner, am 3. September 1891 in der Wiener Zeitung "Neue Freie Presse" einen Aufruf zur Gründung einer Österreichischen Gesellschaft der Friedensfreunde zu veröffentlichen. Dieser Aufruf hat einen unerwartet großen Erfolg. Auf der Gründungssitzung wird Bertha von Suttner zur Präsidentin der "Österreichischen Friedensgesellschaft" gewählt, die sie bis zu ihrem Todesjahr 1914 leitet. In dieser Funktion nimmt sie als Vertreterin Österreichs am Kongress der internationalen Friedensbewegung in Rom teil, wo die Gründung eines Zentralbüros der Friedensgesellschaften in Bern beschlossen wird, und sie ihre erste öffentliche Rede hält und zur Vizepräsidentin gewählt wird.

Mit dem gebürtigen Wiener Alfred Hermann Fried gibt sie ab dem 1. Januar 1892 die Monatszeitschrift "Die Waffen nieder!" heraus. Bertha von Suttner veröffentlicht darin unter anderem von 1892 bis 1899 und von 1906 bis 1914 die "Randglossen zur Zeitgeschichte" und ist außerdem Mitarbeiterin anderer europäischer Zeitungen.

Auf dem 4. Weltfriedenskongress in Bern wird der Capper-Moneta-Suttner-Antrag "Europäischer Staatenbund" eingebracht. Seitdem nimmt Bertha von Suttner an fast allen Weltfriedenskongressen und Interparlamentarischen Konferenzen teil. Nach dem Kongress in Bern besucht Bertha von Suttner Alfred Nobel in Zürich und im Dezember 1892 unterstützt sie Alfred Hermann Fried bei der Gründung der Deutschen Friedensgesellschaft.

1894 nimmt Bertha von Suttner am Friedenskongress in Antwerpen und der Interparlamentarischen Konferenz in Haag teil und im darauffolgendem Jahr reist sie zu Vorträgen nach Prag, Budapest und Italien. 1896 nimmt Bertha von Suttner am Friedenskongress und Interparlamentarischen Konferenz in Budapest teil. Am 10. Dezember diesen Jahres verstirbt Alfred Nobel, dessen Testament jährliche Preisverleihungen für herausragende Leistungen in Physik, Chemie, Medizin, Literatur und den Friedensnobelpreis vorsieht.

Auf der durch das Manifest des russischen Zaren Nikolaus II. ausgelösten "Ersten Haager Friedenskonferenz" vom 18. Mai bis 29. Juni 1899 in Den Haag nimmt Bertha von Suttner als einzige Frau und Nichtregierungsvertreterin teil. In diesem Jahr unternimmt Bertha von Suttner eine Reise nach Norwegen und in den darauffolgenden Jahren nimmt sie 1900 am Friedenskongress in Paris und im April 1902 am Internationalen Friedenskongress in Monaco teil.

10. Dezember 1902, nur ein Jahr nach der Silbernen Hochzeit, stirbt Bertha von Suttners Ehemann Arthur Gundaccar von Suttner, woraufhin das Schloss Harmannsdorf aufgegeben werden muss.

Im Frühjahr 1903 nimmt Bertha von Suttner auf Einladung des Fürsten Albert I. an der Eröffnung des "Institut international de la Paix" in Monaco teil. 1904 reist sie zur Teilnahme am Weltfriedenskongress in Boston in die USA, verbindet dies mit einer Vortragsreise durch mehrere amerikanische Städte und wird vom amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt empfangen.

Vom 10.Oktober bis 17. Dezember 1905 unternimmt sie eine erfolgreiche Vortragsreise durch Deutschland. Am 1. Dezember diesen Jahres wird ihr der Friedensnobelpreis zugesprochen, zu dessen Verleihung sie am 18. April 1906 nach Oslo reist. Während der anschließenden Skandinavienreise erhält sie Audienzen bei den Königen von Norwegen und Dänemark. Vom 15. Juni bis 18. Oktober 1907 nimmt Bertha von Suttner an der 2. Den Haager Konferenz teil, ist jedoch nach dem Scheitern der Abrüstungsfrage enttäuscht vom Ausgang der Konferenz.

Ihre Memoiren erscheinen 1909 in Stuttgart und ebenfalls in diesem Jahr reist Bertha von Suttner zum Friedenskongress nach London und erhält eine Audienz bei König Eduard VII. Zwei Jahre später erscheint der Roman "Der Menschheit Hochgedanken" in dem zum ersten Mal die Schreckensvision einer atomaren Waffe thematisiert wird.

1912 folgt "Die Barbarisierung der Luft" eine Flugschrift gegen die Bewaffnung von Luftfahrzeugen und von Juni bis Dezember diesen Jahres unternimmt Bertha von Suttner die 2. Vortragsreise durch Nordamerika, der weitere Vorträge in Prag, Dresden, Berlin, Breslau, Den Haag und Paris folgen.

1913 wird Bertha von Suttners Werk "Die Waffen nieder!" verfilmt und in ihrem 70. Lebensjahr erhält sie aus der Carnegie-Stiftung eine monatliche Pension. 1914 beteilig sich Bertha von Suttner an den Vorbereitungen zum Friedenskongress in Wien, der im September stattfinden sollte und trotz Krankheit erwirbt sie eine Villa in der Steiermark.

Am 21. Juni 1914 stirbt Bertha von Suttner in Wien an einem Krebsleiden. Das Erleben des Ausbruchs des I. Weltkriegs blieb ihr erspart.


Zitate von Bertha von Suttner

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