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Werner von Siemens

* 13.12.1816 - † 06.12.1892


Ernst Werner Siemens wurde am 13. Dezember 1816, als ältester Sohn von Christian Ferdinand Siemens einem Gutspächter und dessen Ehefrau Eleonore Henriette Deichmann, in Lenthe bei Hannover geboren.

Die Familie Siemens zog im Jahr 1823 aus wirtschaftlichen Gründen nach Lübeck, wo sein Vater die Domäne Menzendorf übernahm. Der angestrebte wirtschaftliche Erfolg blieb seinen Eltern, die mit ihrem landwirtschaftlichen Betrieb wie alle anderen auch von der Agrarkrise der Jahre 1818 bis 1825 betroffen waren, jedoch versagt.

Siemens wurde anfangs von der Großmutter im mecklenburgischen Menzendorf und dann für ein halbes Jahr von seinem Vater in den Fächern Weltgeschichte und Völkerkunde unterrichtet. Der hatte in Göttingen einige Semester Landwirtschaft studiert und war ein vielfältig interessierter und Hochgebildeter Mann.

Im Alter von Elf Jahren besuchte Siemens dann ein Jahr die Bürgerschule in Schönberg und bekam ab 1829 drei Jahre Unterricht von verschiedenen Hauslehrern. Ab 1831 besuchte er schließlich, ab der Obertertia, für drei Jahre das Katharineum zu Lübeck, das er jedoch Ostern 1834 vorzeitig ohne formalen Abschluss verließ.

Siemens wollte einen praktisch-wissenschaftlichen Beruf ergreifen, er bereitete sich auf eine geplante Aufnahmeprüfung für die Berliner Bauakademie durch Privatstunden in Mathematik und Feldmesskunde vor. Da aber die wirtschaftliche Situation der Eltern ein Studium nicht ermöglichte, verschaffte sich Siemens über den Eintritt in die preußische Armee Zugang zu der angestrebten ingenieur-wissenschaftlichen Ausbildung.

Auf den Rat eines Lehrers bewarb er sich beim Ingenieurcorps der preußischen Armee in Berlin, wurde jedoch abgewiesen. Siemens bewarb sich daraufhin bei der Artillerie in Magdeburg, obwohl seine altsprachliche Schulausbildung ihn nicht prädestinierte. Durch eine intensive dreimonatige Vorbereitung, konnte Siemens den Anforderungen der Eingangsprüfung, die gute Kenntnisse in Mathematik, Physik, Geographie und Französisch erforderte, mehr als gerecht werden und wurde als Offiziersanwärter angenommen.

Im Herbst 1835 wurde Siemens als Offizieranwärter für drei Jahre an die Berliner Artillerie- und Ingenieurschule kommandiert. Hier bekam er eine umfassende Ausbildung auf naturwissenschaftlichen Gebieten, wie Mathematik, Physik, Chemie und Ballistik und hörte nebenher Vorlesungen an der Berliner Universität. In Berlin lehrten neben anderen die Mathematiker Martin Ohm und Carl Jacobi, der Chemiker Eilhard Mitscherlich und die Physiker Gustav Magnus und Heinrich Wilhelm Dove. Siemens beendete 1838 mach einer dreijährigen Studienzeit die Ausbildung als Artillerie-Leutnant.

In Beuths Gewerbeschulen wurden technische Kenntnisse vermittelt und in dem 1839 gegründeten Polytechnischen Verein, dem Werner von Siemens beitrat, fanden technisch-wissenschaftliche Vorträge in zumeist volkstümlich-gemeinverständlicher Form statt.

Nach dem Tod der Mutter im Juli 1839 und des Vaters im Januar 1840 musste Werner Siemens sich als ältester Sohn um seine Geschwister kümmern und förderte in den folgenden Jahren deren Erziehung und Ausbildung. 1845 übernahm er die Vormundschaft über die Brüder Friedrich, Carl und Walter und kümmerte sich weiter um deren Ausbildung. Siemens hatte zuvor bereits den 15jährigen Bruder Wilhelm nach Magdeburg in die Handels- und Gewerbeschule geschickt und unterrichtete ihn in Englisch und Mathematik.

Leutnant Siemens tat Dienst in Magdeburg und anschließend in der Garnison Wittenberg, wo er wegen der Teilnahme als Sekundant bei einem Duell zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt wurde. Seine Zelle in der Zitadelle Magdeburg hatte er zum Labor umgestaltet und dabei ein Verfahren zur elektrischen Galvanisierung entwickelt. Er wurde jedoch bald begnadigt und 1842 zur Artilleriewerkstatt in Berlin versetzt. Ebenfalls 1842 war aus den experimentellen Hochschulvorlesungen das erste physikalische Institut Deutschlands entstanden.

Im Januar 1845 schlossen sich Studenten und frühere Magnus-Studenten zur Physikalischen Gesellschaft zusammen, aus der später die Deutsche Physikalische Gesellschaft hervorging. Durch seinen Unterricht in der Artillerie- und Ingenieurschule war Siemens mit dem Kreis um Magnus bekannt geworden. Neben Ihm gehörten Hermann von Helmholtz (1821-1849) und Emil du Bois-Reymond der Gruppe an.

Der Feinmechaniker Johann Georg Halske (1814-1890) entschloss sich 1846, nach einem Vortrag von Siemens über den selbsttätigen, elektrisch gesteuerten Synchronlauf zwischen Telegraphiesender und –Empfänger, bei der Weiterentwicklung des Zeigertelegraphen mitzuarbeiten.

Durch seine Abkommandierung in die Kommission des Preußischen Generalstabes zur Vorbereitung der elektrischen Telegraphie konnte Siemens sich nun dienstlich mit der Telegraphie beschäftigen.

Am 12. Oktober 1847 gründeten Werner Siemens und Johann Georg Halske mit der finanziellen Beteiligung von Justizrat Georg Siemens (1805-1879) schließlich die "Telegraphen-Bau-Anstalt von Siemens & Halske" in Berlin.

1848 erhielt das junge Unternehmen mit dem Bau der Telegraphenleitung von Berlin nach Frankfurt am Main, einen politisch wichtigen Auftrag, denn dort tagte die deutsche Nationalversammlung. Die Leitung wurde noch im Winter 1848/49 mit Geräten und Kabeln von Siemens & Halske gebaut. Dass die Nationalversammlung König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen die Kaiserwürde antragen wollte, wusste dieser schon eine Stunde nach der Abstimmung, eine Woche bevor die Kaiserdeputation in Berlin ankam. Damit wurde Siemens & Halske auf einen Schlag bekannt und weitere Aufträge zum Bau von Telegraphenverbindungen in Preußen und den deutschen Staaten folgten.

Mit der Gründung des Unternehmens endete für den 31jährigen Werner Siemens die Schul-, Lehr- und Ausbildungszeit. Im Juni 1849 verließ Siemens das Militär und versuchte nebenher mit Erfindungen zusätzlich Geld zu verdienen. So entwickelte er einen neuen Regler für Dampfmaschinen, eine Presse zur Herstellung von Kunststein und ein Druckverfahren. Neben dem Zeigertelegraphen (1847) entwickelte Siemens den folgenden Jahren den Doppel-T-Anker (1856) und eine Theorie über die Verlegung von Unterseekabeln (1857). 1863 arbeitete Siemens bei der Patentgesetzgebung mit.

Siemens heiratete am 1. Oktober 1852 in Königsberg Mathilde Drumann (1824-1865), die Tochter des Universitätsprofessors Dr. phil. Wilhelm Drumann und der Sophie Mehliß. Aus dieser Ehe stammen zwei Töchter und die zwei Söhne Wilhelm und Arnold. Seine Frau Mathilde verstarb am 1. Juli 1865.

Siemens hatte seinen Bruder Wilhelm mit der Leitung einer ersten Auslandsniederlassung in London betraut und bemühte sich auch in Russland um Aufträge. Ein erster Erfolg war 1852 der Auftrag zur Errichtung von Telegraphenverbindungen von Warschau nach St. Petersburg und von St. Petersburg nach Moskau.

1853 schickte Siemens seinen Bruder Carl nach St. Petersburg, um den Bau zu überwachen. Dabei bewährte sich Carl schnell als fähiger Unternehmer und weitere Aufträge für das russische Telegraphennetz folgten. 1855 wurde das russische Geschäft unter Leitung Carls in eine Zweigniederlassung umgewandelt und etablierte sich als wichtige Stütze von Siemens & Halske. Aufträge kamen auch aus England, wo eine eigene Kabelfabrik errichtet wurde.

Die Verlegung eines Seekabels von Cartagena nach Oran 1864 scheiterte, was dem Unternehmen empfindliche Verluste bescherte. Halske, der risikoreiche Unternehmungen hasste, verlangte, sich von der verlustreichen Niederlassung in London zu trennen.

Siemens jedoch wollte seinen Bruder nicht im Stich lassen und gliederte die Londoner Niederlassung aus und gründete 1865 mit Wilhelm und Carl in London die Siemens Brothers & Co. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Halske und den Siemens-Brüdern blieben jedoch bestehen und führten Ende 1867 nach zwanzig Jahren zum Rückzug von Halske aus der Firma. Die Brüder Wilhelm und Carl wurden nach dem Ausscheiden Halskes die einzigen Teilhaber ihres Bruders Werner und Siemens & Halske wurde zum Familienunternehmen der Siemens-Brüder.

Bereits 1860 war Werner Siemens von der Universität Berlin die Würde eines Ehrendoktors verliehen worden.

Siemens entdeckte15 Jahre nach dem Dänen Søren Hjorth und fünf Jahre nach dem Ungar Ányos Jedlik als dritter das dynamoelektrisch Prinzip und entwickelte 1866 die erste Dynamomaschine. Auf der Weltausstellung in Paris 1867, wo Siemens seinen Generator ausstellte, wurde er mit dem Orden der Französischen Ehrenlegion ausgezeichnet.

Am 13. Juli 1869 heiratete Siemens in zweiter Ehe seine entfernte Cousine Antonie Siemens, die Tochter des Professors der Technologie Carl Siemens, Professor an der Landwirtschaftlichen Akademie bei Stuttgart, später in den württembergischen persönlichen Adelsstand erhoben, und der Ottilie Denzel. Aus dieser Ehe ging Sohn Carl-Friedrich (1872-1941) hervor.

1870 ging nach dreijähriger Bauzeit die Indo-Europäische Telegraphenlinie von London über Teheran nach Kalkutta mit einer Länge von über 11.000 Kilometern in Betrieb.

1872 gründete Siemens die Pensions-, Witwen- und Waisenkasse, an der sich auch Halske, der dem Unternehmen schon nicht mehr angehörte, beteiligte. Eine weitere sozialpolitische Maßnahme 1873 war die Einführung des 9-Stunden-Arbeitstages.

In Anerkennung seiner Leistungen wurde Werner Siemens 1874 als Mitglied in die Preußische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. In einem Antrag an den Deutschen Reichstag regte Siemens bereits 1877, für die Präsentation von Naturwissenschaft und Technik in verständlicher und anschaulicher Form, die Errichtung eines Deutschen Museums für die Aufstellung von Modellen und Erfindungen an.

Auf der Gewerbeausstellung in Berlin präsentierte Siemens 1879 die erste elektrische Eisenbahn. Ebenfalls in diesem Jahr baute Siemens die erste elektrische Straßenbeleuchtung in Berlin. 1880 wurde der erste elektrische Aufzug in Mannheim in betrieb genommen und 1881 die erste elektrische Straßenbahn in Berlin-Lichterfelde.

1879 beteiligt sich Siemens an der Gründung des Elektronischen Vereins (ETV) unter Federführung von Heinrich von Stephan. Ziel dieses Vereins war für die Sammlung aller technisch, wissenschaftlich, wirtschaftlich oder privat an Fragen und Problemen der Elektrotechnik wie etwa der Festlegung eines elektrischen Maßsystems Interessierte.

1880 wurde er zum Geheimen Regierungsrat ernannt und 1886 wurde ihm der Orden Pour le Mérite für Kunst und Wissenschaften verliehen.

Die Überzeugung, dass die Vermittlung von Allgemeinwissen für ein breiteres Publikum ermöglicht werden müsse, veranlasste ihn schließlich zum Engagement bei der Gründung der Berliner Urania Aktiengesellschaft, bei deren Gründungsversammlung am 3. März 1888 er ebenso wie der Wissenschaftspublizist Dr. Max Wilhelm Meyer und Professor Wilhelm Foerster, Direktor der Königlichen Sterwarte, angehörte.

Am 17. Februar 1887 erwarb Siemens das ca. 600 ha große Gut Biesdorf inklusive Schloss und übertrug es 1889 seinem Sohn Wilhelm.

In Anerkennung seiner Verdienste um Wissenschaft und Gesellschaft wurde Siemens durch Kaiser Friedrich III. 1888 in den Adelsstand erhoben.

Am 6. Dezember 1892 erlag Werner von Siemens in Berlin einer Lungenentzündung.


Zitate von Werner von Siemens

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