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Joachim Stiller

* 24.07.1968


Geboren wurde ich am 24.07.1968 um 2.15 in Beckum/Westfalen. Mein Vater stammt aus einer kinderreichen Familie, die nach dem Krieg aus Schlesien flüchten musste. Er war da gerade drei Jahre alt. Der Großvater starb kurze zeit später. Mein Vater machte das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg und studierte dann Maschinenbau in Dortmund. Später arbeitete er als Ingenieur in Beckum.

Meine Mutter stammt aus Holzwickede. Sie hat noch eine jüngere Schwester. Mein Opa ist im Krieg mehrfach verwundet worden. Meine Omi arbeitete damals am Reichsnährstand. Später zog die Familie nach Beckum. Meine Eltern lernten sich auf einer Skitour ins Sauerland kennen. Kurz nach der Hochzeit war meine Mutter mit mir schwanger. Ich habe noch zwei jüngere Brüder.

In Beckum wohnten wir in einem Mehrfamilienhaus am H-Weg. Ich erlebte eine äußerst unbeschwerte und glückliche Kindheit. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich mich immer am Wohnzimmerschrank hochzog, um laufen zu lernen. Besonders in Erinnerung sind mir die Weihnachtsfeste. Die ersten Bauklötze. Später erwachte dann meine Leidenschaft für Legosteine. Damit habe ich fast täglich bis vielleicht zum 14. Lebensjahr gespielt. Das hat mich auf das äußerste geprägt, vor allem in Bezug auf meine geistige Beweglichkeit. Ich hatte sogar eine Legoeisenbahn. Die meisten Sachen dachte ich mit aber selber aus. So habe ich einmal eine ein Meter hohe Saturn-V-Rakete gebaut, eine richtige Mondrakete. Mit einer Bohrinsel gewann ich einmal bei einem Legowettbewerb den 3. Platz.

Über das viele Spielen wollte ich abends nie ins Bett. Das schien meinem Vater, der mich eigentlich antiautoritär erziehen wollte, große Kopfschmerzen zu bereiten. Er sagte dann mit drohender Hand: „Der Tag X ist nicht mehr fern.“ Und in der Tat, als ich wieder einmal nachts durch die Wohnung geisterte, hat er mich geschnappt, und böse vermöbelt. Ich wusste gar nicht, wie mir geschah, ich war mir keiner Schuld bewusst. Meine große Liebe zu meinem Vater war aber ungebrochen. Mein Vater war einfach die bestimmende Bezugsperson in meiner Kindheit. Ich erinnere mich viel häufiger an meinen Vater, als an meine Mutter.

Der H-Weg, ich ging dort auch in den Kindergarten, war ein Eldorado für uns Kinder. Wir konnten uns so richtig austoben. Nebenan war eine alte LKW-Halle. Dort ließ man ausrangierte Anhänger auf dem Platz stehen, auf denen wir herumspielen durften. Wir haben auch oft Verstecken gespielt. Leider gab es in dieser Zeit noch viele Tiefflieger, und oft genug haben wir uns sehr erschrocken. Bei einem solchen Schreckerlebnis hatte ich, so glaube ich wenigstens, mein erstes Ich-Erlebnis. Später, ich war vielleicht vier Jahre alt, hatte ich meine ersten philosophischen Gedanken. Ich stellte mir immer einen Nachbarn von der anderen Straßenseite vor, der immer die Kohlen in den Keller schaufelte, und fragte mich: „Warum bin ich Ich, und nicht Du?“ Diese Frage stellte ich auch meiner Mutter, die natürlich keine Antwort wusste. So hatte ich mein erstes Geheimnis.

Nach dem Kindergarten, ich war nun sechs Jahre alt, zogen wir nach Enniger aufs Land. Dort wurde ich auch eingeschult. Bald besuchte ich die Kindermalschule, ich wurde Messdiener und Pfadfinder. Die Pfadfinder in Enniger waren sehr berüchtigt. Das habe ich alles etwa zehn Jahre gemacht. Ich erinnere mich an so manche schöne Ferienfreizeit. Ich bin überhaupt viel im Urlaub gewesen, sogar mit meiner Omi. Wir waren z.B. einmal eine Woche in Paris. Das war für mich das Größte. Später bin ich dann noch in den Tennis- und den Tischtennisverein gegangen. Ich habe mich dann aber für Tennis entschieden, denn meine Eltern spielten auch Tennis. Ich habe es sogar bis in die erste Mannschaft geschafft.

Nachdem ich mit der Grundschule fertig war, haben wir in Enniger ein eigenes Haus gebaut. Ich ging nun zur Realschule nach Ennigerloh. Ich hatte immer ein ausgesprochen mathematisches Talent. Mein Vater brachte mir das Wurzelrechnen bei, später erklärte er mir die Winkelfunktionen, so dass ich sie mit dem Taschenrechner ausrechnen konnte. Mathematik und Kunst waren auf der Realschule meine besten Fächer. In beiden Fächern hatte ich sogar einmal eine Eins.

Mit 16 kam die Mofa-Zeit. Die erste Zigarette, eine eigene Stereoanlage musste her. In dieser Zeit begann ein gewisser Protest gegen meine Eltern. Am Wochenende haben wir mit der Mofa-Gang oft Partys gefeiert. Mein Vater machte sich oft große Sorgen. Er sagte immer: „Der Junge ist so entsetzlich leichtgläubig“. Darin sah er die größte Gefahr für mich.

Mit siebzehn begann die politische Zeit. M. der mit zu unserer Gang gehörte hatte einen älteren Bruder, B, der einen Unterbezirk der Sozialistischen Jugend Deutschlands aufbauen wollte. Der hat uns dann viel agitiert und lange Diskussionen mit uns geführt. Er nahm uns mit zum Internationalen Arbeiterjugendtreffen nach Luxemburg. Ergo, wir gründeten einen Ortsverband der Falken in Enniger. Ich selber war Vorsitzender. Wir haben später sogar für –wenig Geld die Wohnung eines alten Bauernhofes gemietet. Wir besuchten die Gruppenleiter und Funktionärsausbildung im SBZ in Oer-Erkenschwick, veranstalten einen Marxismus-Lesekreis und so wurde ich Marxist und – vorübergehend – auch Atheist. Dabei machte ich die Sache eigentlich nur aus Idealismus. Das ging dann so bis zum Ende des Abiturs. Danach zogen die meisten aus Enniger weg, vor allem, um zu studieren. Der Ortsverband löste sich auch, ebenso der Unterbezirk.

In diese Zeit fällt auch mein Kontakt zu Rauschgift. Wir fingen an zu Kiffen, und so gehörten die regelmäßigen Kiffertreffen zu unserem ständigen Zeitvertreib. In der Zwischenzeit hatte ich mir vorgenommen, Kunst zu studieren, vor allem Malerei. Zuerst musste ich aber den Zivildienst leisten. Ich war Essensfahrer bei der Caritas. Zum Ende wurde ich psychisch krank. Die Drogen taten ihr Übriges. Schizophrene Psychose lautete die Diagnose. Ich kam zum ersten Mal in die Psychiatrie, nach Hamm. Ich wurde ausgemustert. Halb genesen, die Medikamente abgesetzt, wollte ich nun Malerei studieren. So ging ich in das Atelier der Wilhelmsuniversität in Münster, und stellte meine Mappe zusammen. Ich wurde knapp abgelehnt.

Während des Zivildienstes war ich oft in Berlin. Ich hatte dort eine Freundin, die Psychologie studierte, und die ich von den Falken her kannte. Ich fuhr also oft in die geteilte Stadt. Wir besuchten die große Beuys-Retrospektive im Groupiusbau. Dabei ist mein Interesse für die Objektkunst erwacht. Aber zu einem Kunststudium ist es dann nicht gekommen. Ich schrieb mich für Soziologie, Philosophie und neuere Geschichte ein und zog nach Münster in ein betreutes Wohnen. Ich habe das Studium nie wirklich angefangen, und brach es nach nur drei Semestern ab. Ich musste noch einmal in die Psychiatrie, diesmal nach Münster, und zog dann zurück zu meinen Eltern. Ich hätte auch gar nicht gewusst, wo ich sonst hingekonnt hätte.

Mein Vater arbeitete inzwischen im Würzburg. Er hatte die Stelle in Beckum gekündigt, und blühte nun richtig auf. Meine Eltern wollten das Haus verkaufen, und ganz nach Würzburg gehen. Doch plötzlich wurde mein Vater krank. Er starb nach nur einem Jahr an Amniotropher Laterlasklerose (ALS), eine Woche vor seinem 50. Geburtstag. Aus mir unerfindlichen Gründen gab ich mir selber die Schuld an seinem Tod. Ich dachte, er hätte so etwas, wie ein karmisches Opfer gebracht, um mir eine freiere Entwicklung zu ermöglichen. Leider kam es nie zu einer versöhnlichen Aussprache. Ich fing nun an, heftig zu Trinken. Haschisch nahm ich schon lange nicht mehr. Ergo, die Psychose kehrte zurück. Zuhause müssen sich stellenweise erschreckende Zustände abgespielt haben. Am 16.10.1904 ging ich freiwillig in die Psychiatrie nach Telgte. Ich erinnere mich deshalb so genau, weil dies der Tag der Bundestagswahl war. Ich blieb genau ein Jahr in Telgte, mit Unterbrechungen.

Im Herbst 1995 ging ich dann in das Jona-Übergangswohnheim nach Lippstadt, zur medizinischen und beruflichen Rehabilitation. Ich wollte mich nun wirklich am Schopf aus dem Sumpf ziehen.

In dieser Zeit habe ich angefangen, intensiv zu lesen. Ich las Romane aber auch Philosophie und die Schriften von Steiner, dem Begründer der Anthroposophie, auf die ich Hinweise bei Beuys gefunden hatte. Bereits im Januar 1998 hatte ich mein erstes Philosophiebuch fertig: „Die kleine Philosophie“, das Tagebuch meiner philosophischen Entwicklung. Herr Chr., unser behandelnder Arzt, sagte immer, ich könne froh sein, dass ich nichts an meinen intellektuellen Fähigkeiten eingebüßt hätte. Ich hätte eine ausgesprochen lebendige Intelligenz.

1998 habe ich dann meine Umschulung zum Industriekaufmann in Hamm begonnen. Auch habe ich in dieser Zeit die Objektkunst nicht nur für mich neu entdeckt, sondern auch umgesetzt. Ich wollte sogar eine Ausstellung bei einem Galeristen in Lippstadt machen, bin aber von ihm geschasst worden.

Im Dezember 1999 habe ich dann meine Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund abgelegt. Kurze Zeit später habe ich dann meine erste Einzelausstellung mit Objekten gemacht – im Berufsförderungswerk in Hamm. Die Ausstellung war ein voller Erfolg.

Noch im selben Jahr bekam ich eine Stelle als Call-Center-Agent bei Bertelsmann in Münster, wo ich dann auch hinzog. Der Job war zeitlich befristet, und da ich zu oft krank war, wurde der Vertrag nicht verlängert. Ich musste noch einmal in die Psychiatrie zur Medikamentenneueinstellung, wo ich auch die Ereignisse vom 11.09.2001 erlebte. 2003 musste ich noch ein letztes Mal in die Psychiatrie. Da ich keine Arbeit mehr finden konnte, ließ ich mich berenten.

Zur Weihnachtstagung 1999 besuchte ich das erste Mal das Internationale Kulturzentrum in Achberg, der Ort, wo seiner Zeit schon Wilhelm Schmundt und Joseph Beuys gewirkt hatten. Bei Wilfried Heidt habe ich über zwei Konstitutionsprobleme gearbeitet, das der Anthroposophischen Gesellschaft (AAG) und das der Europäischen Union. Wilfried wollte eine Europäische Verfassung von unten initiieren. Während der ICC 2000 entstand ein gänzlich neuer Bauimpuls, von dem ich mich aber heute unbedingt distanziere. 2001 war ich das letzte Mal in Achberg. Ich lernte aber in Achberg das damals noch nicht verheiratete Philosophenehepaar Degand kennen. Die Degands, die nur ein Mal in Achberg waren, wollten mit uns über ihr Modell der sozialen Viergliederung ins Gespräch kommen. Leider ohne Erfolg. Ich selber habe den Gedanken der sozialen Viergliederung dann aufgegriffen, und, wenn auch in einer ganz anderen Weise, umgesetzt. Ich traf mich eine Zeit lang regelmäßig mit den Degands, doch leider haben wir uns unsäglich zerstritten, und so brach ich den Kontakt ab.

Zwischen 2002 und 2003 hatte ich in Münster einen eigenen „Club der Toten Dichter“. Auf eine Annonce hatten sich ungefähr ein Dutzend Studenten gemeldet. Wir lasen uns unsere selbstverfassten Gedichte vor und diskutierten völlig unverbindlich über Gott und die Welt. Doch die meisten Studenten plagte der Prüfungsstress, und es kamen immer weniger. Am Ende musste ich das Projekt aufgeben.

2004 ging meine zweite Sturm- und Drangzeit zu Ende. In diesem Jahr beendete ich auch mein Tagebuch und meinen ersten Katalog mit Photos von Objekten. Mein philosophisches Frühwerk hatte ich bereits vernichtet, und schrieb nun eine neue und endgültige Fassung der kleinen Philosophie.

Weihnachten 2004 schenkte mir mein inzwischen bester Freund Karsten G. ein kleines Heftchen der gerade erst neugegründeten Freien Laborschule der Künste, Olymp, die bei uns am Bahnhof über dem Fundus aufgemacht hatten. Eine Woche später ging ich hin und sprach bei Bianca, der Leiterin, vor. Ich sagte ihr bei der Gelegenheit, dass ich ihr kaum eine Chance geben würde, dass ich sie aber nach Kräften unterstützen würde, denn so ein Projekt hielt ich für sehr wichtig und unterstützenswert. Ich wurde somit Dozent bei Olymp. Aber bereits im Juli mussten wir schleißen, denn wir bekamen einfach keine Fördermittel von der Stadt und konnten die horrende Miete nicht mehr bezahlen.

Ich stürzte mich nun in meine schriftstellerische Arbeit und schrieb einen Gedichtband und einen Aphorismenband nach dem Anderen. Mitte 2008 hatte ich die glückliche Idee, eine eigene Website (Hompage) einzurichten. Dabei sollte mir mein Bruder Andre helfen, der ja IT-Spezialist ist, und gerade Informatik studiert. Ich arbeitete nun etwas mehr als ein Jahr an der Website, bis alles fertig war.

Zu Weihnachten 2008 brachte mich eine Internetdiskussion auf die Relativitätstheorie. Ich diskutierte bereist eine ganze Weile über die Nicht-Existenz der „beschleunigten Expansion“ des Weltalls, und der „Dunklen Materie“. Innerhalb von nur vier Tagen eignete ich mir im Prinzip die gesamte Relativitätstheorie an und schrieb noch am 22.12.2008 eine Neubegründung der Relativitätstheorie. Einige Folgearbeiten schlossen sich an. Ich schickte sie an das Max-Planck-Institut, erhielt aber nie eine Antwort. Die Arbeiten können auf meiner Webseite nachgelesen werden.

Im Verlauf des Jahres 2009 schrieb ich dann auch noch eine Neubegründung der deontologischen Ethik und des Kategorischen Imperativs. Damit hatte ich nun nicht nur Marx und Einstein, sondern auch Kant einen empfindlichen Schlag versetzt. Ich war nun auf dem Höhepunkt meines Schaffens angelangt, und brachte meine Studien zu einem gewissen Abschluss.

Ich lebe heute als freier Künstler, Philosoph und Schriftsteller in Münster.


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