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Christoph Martin Wieland

* 05.09.1733 - † 20.01.1813


Christoph Martin Wieland wurde am 5.September 1733 im schwäbischen Oberholzheim geboren. Er wuchs im nahe gelegenen Biberach an der Riß auf, wohin die Familie drei Jahre nach seiner Geburt übergesiedelt war, weil sein Vater Matthäus Wieland, hier der höchste geistliche Repräsentant der kleinen freien Reichsstadt wurde. Ab seinem dritten Lebensjahr wurde Wieland von seinem Vater, dem evangelische Pfarrer Thomas Adam Wieland, unterrichtet und später übernahmen Privatlehrer diese Aufgabe.

Wieland konnte bereits im Alter von acht Jahren lateinische Texte lesen und, sehr zum Missfallen seines Vaters, verfasste er erste lateinische und deutsche Verse. Seine weitere Bildung erhielt Wieland im pietistischem Schulinternat Kloster Berge bei Magdeburg, wo er vom Vater hingeschickt wurde. Hier lernte er vor allem Fremdsprachen und las die lateinischen Klassiker, aber auch die Werke der Aufklärer Voltaire und Fontenelle, was gegen den Willen der Schulleitung war. Dadurch geriet er aus seiner bisher wohlbehüteten christlichen Vorstellungswelt in den Zwiespalt zwischen aufklärerischem Freidenkertum und schwärmerischer Frömmigkeit, konnte sich aber zu diesem Zeitpunkt für keine der beiden Richtungen entscheiden. Nicht einmal zwei Jahre später verließ Wieland das Stift ohne Abschluss und ging nach Erfurt, wo er noch ein Jahr Philosophie bei dem Theologen und Philosophen Wilhelm Baumer, einem Verwandten der Mutter, studierte.

Obwohl es seinen eigenen Interessen nicht entsprach, folgte Wieland 1750 dem Entschluss der Familie und begann in Tübingen mit dem Studium der Rechtswissenschaften. Hier lernte der junge Wieland die entfernte Cousine Sophie Gutermann aus Augsburg kennen und ihr gelang es, den 17 - jährigen aus seiner schon von der Internatszeit herrührenden inneren Vereinsamung zu lösen. Es entwickelte sich eine Liebesbeziehung und bald folgte die Verlobung. Das Jura-Studium gab Wieland bald wieder auf und er begann sich ganz dem Schreiben zu widmen. 1751 entstand sein erstes größeres Werk "Die Natur der Dinge", das ein philosophisches Lehrgedicht war, in dem er in poetischer Form, sein Weltbild und seine Tugendauffassung wiedergab. Die Entscheidung für die Dichtung und gegen die Rechtswissenschaften wurde rückblickend zumeist allein Sophie zugeschrieben. Wieland selbst gab als Gründe seiner Entscheidung später an: "Die Liebe zu Sophie und die jämmerliche Aktenkrämerei". Und er schien mit seiner Entscheidung für die Dichtung die richtige Wahl getroffen zu haben: denn für sein erstes Werk erhielt er bereits viel Lob auch von anerkannten Schriftstellern. In der folgenden Zeit bemühte sich Wieland um Kontakt zu Johann Jakob Bodmer, einem führenden Züricher Theoretiker, Übersetzer und Kritiker. Übrigens sind in der Tübinger Zeit bis 1752 noch andere Schriften bzw. Dichtungen entstanden, wie zum Beispiel ein "Lobgesang auf die Liebe", die "Moralischen Briefe", welche in Alexandrinern geschrieben worden waren, der Entwurf zu einem Epos "Arminius", der "Anti-Ovid", der "Frühling", welche Dichtung in Hexametern eine indirekte Huldigung an Klopstock und seinem Messias darstellt, und die "Moralischen Erzählungen". Im Hause Bodmer veranstaltete Wieland aus Verehrung für den Hausherrn die "Sammlung der Zürcherischen Streitschriften zur Verbesserung des Deutschen Geschmacks wieder die Gottsched'sche Schule 1741-1744" und schrieb dazu eine Vorrede. Ebenfalls gegen Gottsched richtete sich eine spätere Schrift 1755 mit dem Titel "Ankündigung einer Dunciade für die Deutschen". Es ging um den literarischen Streit der beiden Schulen in Leipzig (Gottsched) und in Zürich (Bodmer, Wieland u.a.).

1752 ging Wieland auf Grund einer Einladung Bodmers für zwei Jahre in die Schweiz und wurde als sein Schüler angenommen. Er steigerte sich, seinem Lehrmeister folgend, in mystische Frömmigkeit und kritisierte die leichte Lebensart. Bodmer ließ Wieland kaum Freiheiten. "Ich studierte hier Tag und Nacht" sagte Wieland von sich selbst.

1753 löste Sophie die Verlobung wieder, denn sie fühlte sich vernachlässigt und auch die finanziellen Verhältnisse Wielands waren nach wie vor unsicher. Trotzdem blieben sie befreundet und Wieland half Sophie später sogar beim Verlegen ihres ersten Buches. Bei Bodmer vertiefte C.M.W. seine Pädagogikpläne. Vorbild wurde ihm Sokrates. Die Begegnung vom Lehrer zum Schüler im sokratischen Sinne sollte auch im Mittelpunkt des Hauslehrertums stehen. In Zürich konnte er als Hauslehrer seine Idealvorstellungen erproben.Wieland trennte sich1754 von Bodmer und machte sich in Zürich zum ersten Mal selbständig und verdiente sein Geld als Hauslehrer. Dort änderte sich nach und nach seine Lebenseinstellung. Wieland trat aus seiner selbst geschaffenen Isolation heraus und auch im Denken wurde er freier, löste sich von Metaphysik und Frömmelei und wandte sich einem poetischen Realismus zu.

Im Juni 1754 zog Wieland in das Haus von Geßner, einem Schwager Bodmers. Hier hatte er vier Schüler zu unterrichten. Er hatte genügend Auskommen, um die Zeit mit Dichten auszufüllen. Auch hatte er im pädagogischen Planen völlige Freiheit. Schon ein halbes Jahr später, Anfang 1755, zog Wieland in das Haus des Amtmannes Hans Georg Grebel (1707-1783), dessen Sohn Hans Rudolf Grebel er zusammen mit drei anderen Jungen unterrichtete. Außerdem fanden sich bald für einige Stunden weitere Schüler ein, deren Väter wichtige Persönlichkeiten der Stadt waren. Auch die Söhne wurden - oft durch das Amt der Väter - später bedeutende Persönlichkeiten von Zürich. Sie gehörten zur führenden Schicht. Der Amtmann H.G. Grebel selbst wurde für den jungen Erzieher und Dichter zum väterlichen Gönner. Durch den Sohn Hans Kaspar Meyer von Knonau begegnete er dessen Vater, dem berühmten Züricher Fabeldichter Johann Ludwig Meyer von Knonau (1705-1785).

1757 begann Wieland ein großes Epos über "Cyrus" nach dem xenophontischen Vorbild. Im "Cyrus" wollte er einen großen Herrscher idealisieren, womit natürlich Friedrich der Große gemeint war. Es kam aber darauf an, die menschliche Seite eines Herrschers gerade angesichts des Kriegsleides mit einzuarbeiten. Das Epos ist Fragment geblieben. Fünf Gesänge sind fertig geworden. Verblüffend ist der in diesem Werk gezeigte Realitätssinn für das Grauen des Krieges. 1758 vollendete Wieland seinen ersten dramatischen Versuch. Es ist das Trauerspiel "Lady Johanna Gray oder der Triumph der Religion". Es ist eines der frühesten deutschen Trauerspiele überhaupt und das erste, das in fünffüßigen Jamben geschrieben worden war. Im Juni 1758 wurde es von der Ackermannschen Schauspielergesellschaft in Winterthur mit großem Beifall gespielt. Auch anderswo erhielt das Stück Lob seitens der Kritiker. Es wurde in Deutschland an verschiedenen Orten aufgeführt. Von 1758-1762 konnte die erste Sammelausgabe in sechs Bänden von Wieland bei S. Geßner in Zürich erscheinen - für Wieland ein Erfolg, der noch mehr erwarten ließ. 1759 war er mit der Vorbereitung seiner Schüler zum Ende gekommen. So ergab es sich, dass er eine Hauslehrerstelle beim Landvogt v. Sinner in Bern annahm, wo er bis 1760 blieb. Die Stelle beim Landvogt wurde bald aufgegeben, da Wieland in völliger Unabhängigkeit einigen jungen Leuten Philosophieunterricht erteilte.

Seine späteren Pläne, eine Zeitschrift und einen Verlag zu gründen, scheiterten an seinen finanziellen Möglichkeiten und auch als freier Dichter geriet Wieland immer mehr in Existenznöte. Daher bewarb Wieland sich in Biberach als Senator und wurde 1760 auch gewählt. In Biberach hatte Wieland eine menschlich schwere Zeit. Er verliebte sich in die katholische Christine Hagel und als diese von ihm ein Kind bekam, durften die beiden aufgrund ihrer unterschiedlichen Konfessionen nicht heiraten und das Kind starb auch gleich nach der Geburt.

1762 erschien das kleine Gedicht "Nadine". Danach folgen die Arbeiten an der "Geschichte des Agathon". Die ersten Gedanken dazu entwarf Wieland bereits 1759. Endgültig fertig gestellt wurde die erste Fassung des bedeutsamen Entwicklungsromans 1766/67. Umgearbeitet wurde der Roman 1773. Eine weitere Fassung folgte 1798 anlässlich der großen Gesamtausgabe durch den Verlag Göschen. Zwischen den Passagen des "Agathon" schrieb Wieland an den "Komischen Erzählungen" (s.o.) und das Werk: "Don Sylvio von Rosalva oder der Sieg der Natur über die Schwärmerei" (1764). Die Anlehnung an den "Don Quichote" von seinem Lieblingsdichter Cervantes ist unverkennbar. Hier machte Wieland auch deutlich, warum er vom religiösen Kurs überging zum Rokoko gemäßen Aufklärungsdenken und -bekenntnis. Dieses Prosawerk hat vier Bücher. Deren Kapitel zeigen zum Teil einen brillanten Stil. Aber den großen Wurf bildet die "Geschichte des Agathon". Dieser Roman ist epochemachend, da er in Deutschland der erste bedeutende Bildungsroman ist. Er zeigt die innere, seelische Entwicklung eines Menschen und weist auf Goethes "Wilhelm Meisters Lehrjahre" (1796).

In die Biberacher Zeit fiel auch die groß angelegte Übersetzung Shakespeares, die erste dieser Art in deutscher Sprache. Mit primitiven Hilfsmitteln an Lexika gelang Wieland von 1762 bis 1768 dieser bedeutende Wurf: Zweiundzwanzig Stücke des großen Engländers wurden bis auf die Versfassung des "St. Johannis Nachts-Traum" ("Sommernachtstraum") in Prosa übersetzt. Dies hat man Wieland immer wieder zum Vorwurf gemacht. Außerdem hätte er geschliffene Dialoge völlig entschärft und rokokohaft verniedlicht. Dagegen ist zu setzen ein kongeniales Sprachempfinden. Die Bahnbrechende Leistung besteht auch darin, dass im deutschen Sprachraum ganz wesentlich das Werk Shakespeares bekannt gemacht wurde. Bewundernswert ist auch die immense Schaffenskraft des Dichters. Wieland bereitete so mit seiner Shakespeareübersetzung die Gesamtübertragung durch A.W. Schlegel und L. Tieck vor.

1765 heiratete Wieland auf Drängen der Familie Anna Dorothea von Hillenbrand, eine Augsburger Kaufmannstochter. Mit ihr hatte er später sieben Kinder. Seine Dichtung wurde durch die Ereignisse dieser Zeit ironischer und skeptischer. Er wurde kein Pessimist, vermied aber künftig jede Schwärmerei. Beruflich erzielte Wieland immer größere Erfolge, vor allem mit seinem 1766 geschriebenem Werk "Die Geschichte des Agathon". In diesem ersten großen Bildungsroman deutscher Sprache verband er die Diskussion um die Vor- und Nachteile der athenischen Demokratie und der Alleinherrschaft Dionysios II. von Syrakus mit persönlichen Erlebnissen.

Am 1. Juni 1769 erhielt Wieland die Berufung zum außerordentlichen Professor der Philosophie und Mainzer Regierungsrat an die Universität Erfurt. Riedel, ein Freund des Dichters und selbst Professor an der Erfurter Universität, hatte Wieland vor allem zur Verstärkung der Aufklärerfraktion in der Universität vorgeschlagen und zur Durchsetzung von Reformen. Wieland hatte zunächst Bedenken, diese Stelle anzunehmen, da er keinen Examensabschluss in Philosophie besaß und Lernsysteme grundsätzlich verachtete, aber da die Stelle gut bezahlt wurde, sagte Wieland zu. Er konnte jedoch keine Neuerungen durchsetzen, denn er fand keinen Rückhalt bei den älteren, schlechter bezahlten Kollegen. Dafür erhielt er durch seine Lehre Anregungen zu gesellschafts- und geschichtsphilosophischen Fragestellungen.

1772 wurde die verwitwete Herzogin Anna Amalia in Weimar durch seinen Staatsroman "Der goldene Spiegel" auf ihn aufmerksam und übersandte ihm ein Angebot, als Prinzenerzieher an ihrem Hof zu arbeiten. Wieland war zwar kein Freund des Absolutismus, auch legte er nie den Eid auf das Herzogtum ab oder ließ sich adeln, aber die Aussicht auf die Erziehung des künftigen Regenten des Herzogtums Einfluss nehmen zu können, reizte ihn so sehr, dass er letztlich zusagte und so unterrichtete er den damals 15jährigen Erbprinzen Carl August Herzog zu Sachsen-Weimar-Eisenach (geb. 3.9.1757 in Weimar) unter anderem in Naturrecht, Staatsökonomie und Polizeiwissenschaft, bis dieser seine Herrschaft am 3.9.1775 antreten konnte. Außerdem gelang es Wieland, den späteren Großherzog für Literatur zu interessieren, denn dem Beispiel seiner Mutter Anna Amalia folgend, setzte Karl August später die Ausgestaltung der Residenz zum Musenhof fort. Karl August holte Johann Wolfgang von Goethe nach Weimar und berief Johann Gottfried Herder zum Generalsuperintendenten und 1799 kam Friedrich von Schiller und auch die Universität Jena sollte unter der Herrschaft Karl Augusts einen Aufschwung erleben. Neben seiner pädagogischen Aufgabe widmete sich Wieland intensiv seinem dichterischen Schaffen, was ihm bei Hofe auch Kritik eintrug. In Weimar konnte Wieland endlich die Idee einer eigenen Zeitschrift verwirklichen und als Verleger, Redakteur und Autor in einer Person gab er ab 1773, nach französischen Vorbild, den "Teutschen Merkur" heraus, eine überregionale Zeitschrift für kulturell interessierte Leser. Gleichzeitig bot das Medium aber auch ein Forum zur Verbreitung und Verteidigung der aufklärerischen Ideen. An dieser von Beginn an ungewöhnlich erfolgreichen Zeitschrift arbeitete später auch Friedrich von Schiller mit. Goethe sagte über Wieland in einer Gedenkrede: "Auch versammelten sich wertvolle Männer bald um ihn her, und dieser Verein vorzüglicher Literatoren wirkte so viel, dass man durch mehrere Jahre hin sich des Merkurs als Leitfaden in unserer Literaturgeschichte bedienen kann". Ein besonderes Anliegen war es Wieland, in seiner Zeitschrift über die Geschehnisse der Französischen Revolution zu berichten. Dabei ergriff er nicht Partei, sondern stellte in seinen Artikeln Thesen und Antithesen gegenüber, und überließ es so dem Leser, Position zu beziehen. Bei politischen Schriften wählte er häufig das Mittel des Zwiegesprächs in dem fiktive Kontrahenten ihre gegensätzlichen Positionen ausfochten.

In den Jahren 1775/76 zog sich Wieland zunehmend ins Privatleben zurück, um dem vorherrschenden literarischen Stil des Sturm und Drang, dem er sich nicht anschließen wollte, auszuweichen. Der Stadt Weimar und der verletzenden Behandlung durch einige Neider am Hofe überdrüssig, kaufte er sich 1797 in Ossmannstedt ein Gut, das jedoch seine finanziellen Möglichkeiten von Anfang an bei weitem überstieg. Er wollte sich hier seine "Insel des Friedens und des Glücks" aufbauen.

Hier schrieb Wieland zum einen an Romanen und suchte nach neuen Erzählformen und nebenher betrieb er auch noch Landwirtschaft.

Als Sophie von La Roche, seine frühere Verlobte, ihn hier einmal mit ihrer Enkelin Sophie Brentano besuchte, entwickelte sich eine enge Freundschaft zwischen der 23jährigen und Wieland. 1800 kehrte Sophie Brentano noch einmal auf das Gut zurück, erkrankte hier aber und verstarb noch im selben Jahr. Sie wurde in Ossmannstedt beigesetzt.

Um die Jahrhundertwende trafen Wieland sowohl private als auch berufliche Schicksalsschläge, denn 1801 verstarb seine Frau und Wieland selbst geriet langsam in den finanziellen Ruin, so dass er 1803 wieder nach Weimar ziehen musste.

Politisch nahm die französische Revolution für ihn persönlich eine enttäuschende Entwicklung. Mit dem Anwachsen des ausländischen Einflusses auf deutschem Gebiet jedoch begann Wielands Stern noch einmal zu steigen, denn kein anderer deutscher Dichter hatte durch die Verbreitung seiner Werke einen vergleichbaren europäischen Ruhm erlangt.

Christoph Martin Wieland starb am 20. Januar 1813 im Alter von 79 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls. Goethe hielt am 18. Februar die große Trauerrede Zum brüderlichen Andenken Wielands". Er wurde in Ossmannstedt, auf eigenen Wunsch, neben seiner Frau und Sophie beigesetzt.


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